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    London

    Boeing spielt Airbus' US-Offensive herunter

    Flugzeuge sind ein Megageschäft. Dennoch gibt sich Boeing betont gelassen zum Vorstoß seines Erzrivalen Airbus auf den amerikanischen Markt. Der europäische Konzern baut dort sein erstes eigenes Werk.

    Airbus
    Das neue Airbus-Werk in der Hafenstadt Mobile im US-Bundesstaat Alabama wird mehrere Varianten der erfolgreichen A320-Serie bauen.
    Foto: Dan Anderson - DPA

    «Für die Kunden ist vor allem das Produkt wichtig, seine Qualität und der Preis», sagte Boeing-Marketingchef Randy Tinseth am Dienstag. «Es kommt nicht auf die Adresse an, die auf Deiner Visitenkarte steht.»

    Airbus hatte am Tag zuvor angekündigt, für 600 Millionen Dollar (475 Mio Euro) in den USA eine Produktionsstätte für seinen Verkaufsschlager A320 zu errichten. Der neue Airbus-Chef Fabrice Brégier hatte dies vor allem mit der größeren Nähe zu den wichtigen US-Kunden begründet, die bislang vor allem Boeing-Maschinen fliegen. Im Jahr 2016 sollen die ersten Maschinen die Werkshallen verlassen.

    Boeings Reaktion fällt ungewöhnlich zurückhaltend aus. Die beiden Konzerne bekriegen sich seit Jahren vor der Welthandelsorganisation WTO wegen marktverzerrender staatlicher Subventionen. Beide Seiten spielen dabei jeweils das Opfer.

    Hintergrund der Rivalität ist ein Flugzeuggeschäft, das rapide wächst. Boeing rechnet damit, dass im Jahr 2031 mit 39 780 Maschinen doppelt so viele Flugzeuge in der Luft sind wie heute. Für die in wenigen Tagen startende wichtige Luftfahrtmesse in Farnborough bei London (9. bis 15. Juli) werden zahlreiche neue Bestellungen erwartet.

    Boeing schätzt, dass binnen 20 Jahren rund 34 000 Maschinen an die Kunden ausgeliefert werden im Gesamtwert von 4,5 Billionen US-Dollar (3,6 Billionen Euro). Vor einem Jahr war der US-Konzern bei seinem Blick in die Zukunft noch von einer Nachfrage nach 33 500 Maschinen im Wert von 4 Billionen Dollar ausgegangen.

    Den Großteil der Bestellungen erwartet Boeing mit gut 12 000 Maschinen aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Europa und Nordamerika dürften mit rund 7800 beziehungsweise 7300 Fliegern weit dahinter zurückbleiben. Weniger als die Hälfte der neuen Flieger würden dabei alte Maschinen ersetzen.

    Die Langstreckenmaschinen mit ihrem größeren Rumpfdurchmesser sollen mit fast 2,5 Billionen Dollar mehr als die Hälfte der Erlöse einbringen. Mittelstreckenflieger wie die Boeing 737 oder der Airbus A320 kämen auf gut 2 Billionen Dollar Umsatz. Angesichts ihres günstigeren Preises werden nach Boeing-Schätzungen jedoch zwei von drei Fliegern aus der kleineren Klasse stammen.

    Die Mittelstrecken-Jets mit ihren 100 bis 200 Sitzplätzen sind das Brot-und-Buttergeschäft der Hersteller. Airbus und Boeing trimmen ihre langjährigen Verkaufsschlager derzeit mit neuen Triebwerken auf Spritsparen: Die neuen Versionen A320neo und 737 MAX sollen ab dem Jahr 2015 und 2017 ausgeliefert werden.

    Das neue Airbus-Werk in der Hafenstadt Mobile im US-Bundesstaat Alabama wird mehrere Varianten der erfolgreichen A320-Serie bauen. Der europäische Hersteller hat dabei nicht nur den Vorteil, näher bei seinen Kunden zu sein. Airbus macht sich zudem von den schwankenden Währungen unabhängiger, da Flugzeuge in der Regel in US-Dollar verkauft werden.

    Eingeschränkte Perspektiven sieht Boeing für die allergrößten und teuersten Flugzeugmodelle, den doppelstöckigen Airbus A380 und die Boeing 747-8: Neun von zehn Bestellungen für diese Maschinen dürften aus den Regionen Asien-Pazifik, Europa und dem Nahen Osten kommen. «Wir rechnen damit, das die A380 und die 747-8 sich den Markt etwa im Verhältnis 50 zu 50 aufteilen», sagte Marketingchef Tinseth in einer Telefonkonferenz.

    Boeing-Marktausblick

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