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    Windenergie: Dreht Rheinland-Pfalz zu stark am Rad?

    Ein lapidarer Satz stellte die gesamte rheinland-pfälzische Energiewende infrage: „Wenn es 16 Bundesländer so machen, kann die Energiewende nicht funktionieren.“

    Zankapfel Windräder: In Rheinland-Pfalz werden die Kapazitäten schneller als in anderen Bundesländern ausgebaut. Die Stromerzeugung aus Windkraft soll bis zum Jahr 2020 gegenüber 201 verfünffacht werden. Kritiker sprechen von einem unkontrollierten Ausbau, der die Landschaft verschandelt. Das Land verweist auf einen ganzen Katalog von Kriterien.
    Zankapfel Windräder: In Rheinland-Pfalz werden die Kapazitäten schneller als in anderen Bundesländern ausgebaut. Die Stromerzeugung aus Windkraft soll bis zum Jahr 2020 gegenüber 201 verfünffacht werden. Kritiker sprechen von einem unkontrollierten Ausbau, der die Landschaft verschandelt. Das Land verweist auf einen ganzen Katalog von Kriterien.

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur und früherer Wirtschaftsstaatssekretär, forderte mit Blick auf das ehrgeizige Ziel der rot-grünen Landesregierung, sich spätestens 2030 zu 100 Prozent mit Ökostrom zu versorgen, der Ausbau der Windenergie dürfe nicht zum unkontrollierten Wettrennen der Bundesländer werden.

    Homann trat bei den „Bitburger Gesprächen“ in Trier, einer zweitägigen rechtspolitischen Tagung zur Energiewende, sichtlich ohne Angst vor Gegenwind auf. „Das größte Problem des Netzausbaus ist die Uneinigkeit der Bundesländer“, kritisierte er. „Planungen und Vision gehen weit auseinander“, legte er nach.

    Die ambitionierten Pläne sämtlicher Bundesländer, ihre Kapazitäten von Windund Sonnenenergie massiv aufzustocken, kommentierte er spöttisch: „Wenn wir nach den Zahlen gehen, die die Länder anstreben, könnte Deutschland die ganze Welt mit Strom bedienen - zumindest, wenn die Sonne scheint und der Wind weht.“ Das brandaktuelle Thema der „Bitburger Gespräche“ lautete: „Energiewende - Brauchen wir eine neue Wende?“ Allein die rheinland- pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gab darauf eine direkte Antwort.

    „Wir brauchen keine neue Wende“, meinte sie. „Wenn die Energiewende an etwas leidet, dann an den permanenten Wenden“, ergänzte die Regierungschefin. Damit spielte sie auf die wechselnden Rahmenbedingungen für die Förderung regenerativer Energiequellen an, die unter anderem aus den zahlreichen Änderungen im Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG) resultieren.

    Dreyer warnte davor, die Energiewende schlechtzureden, und forderte eine „Versachlichung der Debatte“. Ein Beispiel: „Deutschland hat einen der niedrigsten Werte für Stromunterbrechungen. Dennoch wird jeden Winter über den Kollaps diskutiert. Dafür gibt es eigentlich keinen Grund“, verdeutlichte die Ministerpräsidentin. Dreyer sieht in Rheinland-Pfalz erste Leuchttürme für die Energiewende in die Höhe wachsen.

    Etwa das Mercedes-Benz-Werk Wörth, eines der größten Lkw-Montagewerke der Welt. Eine neue erdgasbetriebene Blockheizkraftanlage soll 40 Prozent des Strombedarfs und 25 Prozent des Wärmebedarfs des Werks im Kreis Germersheim abdecken. Ein zweites Beispiel ist die hochmoderne und extrem energieintensive Pfälzer Spezialgießerei Heger Guss GmbH und Heger Ferrit GmbH (Kreis Kaiserslautern). Die Unternehmensgruppe nahm im Sommer 2013 ein eigenes Windrad in Betrieb, um jährlich sechs Millionen Kilowattstunden Strom zu erzeugen. Gleich mehrere Diskutanten machten die gewaltige Dimension der Energiewende deutlich.

    Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, sprach von einem „riesigen Innovationsprojekt, allenfalls vergleichbar mit der Wiedervereinigung“. Und Ewald Koste, Vorstandsvorsitzender der Thüga AG und Präsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), meinte: „Wir verteilen 400 Milliarden Euro um.

    Das ist die größte Umverteilung nach dem Zweiten Weltkrieg.“ Doch bei diesem gigantischen Geldfluss hin zu den regenerativen Energien scheint es Unwuchten zu geben. Der EU-Abgeordnete Werner Langen (CDU) nannte ein Bespiel, nach dem ein Bauer in 20 Jahren rund 1 Million Euro Pacht einstreicht, wenn er auf seinem Grund und Boden den Bau eines modernen Windrads zulässt. Und Georg Erdmann, Professor am Institut für Energietechnik der TU Berlin, warnte: „Viele Bauern nutzen ihre Flächen lieber für die Energieals für die Lebensmittelversorgung.“

    Die Gewinnmargen sind seiner Ansicht nach viel höher, wenn ein Landwirt mit seinem Mais eine Biogasanlage beliefert. Einig waren sich die Debattenteilnehmer, dass die konventionellen Kraftwerke auf dem Energiemarkt weiter eine wichtige Rolle spielen, solange sich Strom nicht speichern lässt. Christoph Müller, Vorstand der EnBW Regional AG, sieht zumindest das Kapazitätsproblem als erledigt an, wenn Smart Grids die Stromlasten flexibilisieren. Smart Grids sind intelligente Stromnetze, die Angebot und Bedarf synchronisieren.

    Müller plädierte ohnehin dafür, bei der Energieversorgung auf die steuernden Kräfte des Marktes zu vertrauen. Für Netzagentur-Präsident Homann reicht das nicht aus. Er will variable Stromtarife, die Kunden belohnen, die ihren Verbrauch der Verfügbarkeit - etwa von Windund Sonnenenergie - anpassen.

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