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    Berlin/Rheinland-Pfalz

    Rollt das Fahrrad in eine neue Blütezeit?

    Zwei Räder, Sattel, Muskelkraft: Am Grundprinzip des Fahrrads hat sich auch 200 Jahre nach seiner Erfindung nicht viel geändert. Und doch kämpft es noch immer um seinen festen Platz im deutschen Verkehr.

    Einst ein Exot, heute ein Massenverkehrsmittel mit Potenzial nach oben: Das Fahrrad feiert am 12. Juni seinen 200. Geburtstag.
    Einst ein Exot, heute ein Massenverkehrsmittel mit Potenzial nach oben: Das Fahrrad feiert am 12. Juni seinen 200. Geburtstag.
    Foto: ginettigino

    Zwar nutzen immer mehr Menschen das Fahrrad in der Freizeit oder als Alternative zum Auto für kürzere Strecken. 73 Millionen Fahrräder, schätzt der Zweirad-Industrie-Verband, gibt es in Deutschland. Aber die wenigsten sind regelmäßig unterwegs. Der Anteil an der Verkehrsleistung (Personenkilometer) ist deshalb relativ gering. Nach einer Prognose im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums könnte er sich von heute 5 Prozent bis 2030 auf 9 Prozent steigern. Voraussetzung aber ist, dass wir ebenso oft auf den Sattel steigen wie die Vorreiter Niederlande oder Schweiz.

    Beim Durchstarten helfen könnte dem Fahrrad elektronische Unterstützung: Der Anteil der verkauften E-Bikes oder Pedelecs liegt derzeit bei knapp 15 Prozent. Langfristig rechnen die Hersteller mit einer Verdopplung auf 30 Prozent.

    Aber die Räder mit Elektromotor bergen auch Gefahren. Immer häufiger verunglücken Fahrer der elektronisch verstärkten Zweiräder. Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs, die durch einen Elektromotor beim Treten verstärkt werden, ist 2016 stark gestiegen. Von Januar bis September waren Pedelecs in 3214 Unfälle verwickelt, bei denen 46 Menschen ums Leben kamen, wie das Statistische Bundesamt meldet. Dies entspricht einer Steigerung um 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als 2313 Unfälle mit 26 Toten registriert wurden. Zum Vergleich: Die Zahl aller Fahrradunfälle zwischen Januar und September stieg nur um rund 6 Prozent von 61.358 (2015) auf 64.964 (2016).

    Auch die Zahl der Unfälle mit E-Bikes, bei denen der Fahrer gar nicht mehr in die Pedale treten muss, wenn er das nicht will, ist um 25 Prozent gestiegen: von 294 Unfällen zwischen Januar und September 2015 auf 367 im ersten Dreivierteljahr 2016.

    Die Trends bestätigen sich auch in Rheinland-Pfalz. Hier gab es 2015 genau 33 Unfälle mit Pedelecs, 2016 stieg ihre Zahl auf 43, zwei davon waren tödlich. Die Zahl der Unfälle mit E-Bikes stieg von 41 im Jahr 2015 auf 113 im Folgejahr, jeweils zwei endeten tödlich.

    Sind Pedelecs und E-Bikes also gefährlicher als als gewöhnliche Fahrräder? Nicht unbedingt, sagt Herbert Fuss, Leiter der Verkehrsabteilung des ADAC Mittelrhein. Zum einen sei es logisch, dass mehr Unfälle passieren, wenn mehr solcher Räder verkauft werden. „Und außerdem fahren durch die Elektrounterstützung wieder mehr ältere Menschen Rad“, sagt Fuss „Gerade Senioren bilden eine neue Nutzergruppe, die jetzt wieder ungeschützt auf dem Zweirad sitzt.“

    Unter anderem sind Pedelecs und E-Bikes schwerer und schneller als gewöhnliche Fahrräder, erklärt der Verkehrsexperte. Deshalb gelte es, sich langsam an das motorunterstützte Fahren heranzutasten. Außerdem sind die E-Räder oft mit hydraulischen Bremsen ausgestattet, die mehr Kraft haben. Diese ungewohnten Eigenschaften beispielsweise beim Abbiegen zu koordinieren, bedürfe einiger Übung. Da die Räder auch schneller anfahren, müssten die Radler auf der Straße mit Fehleinschätzungen anderer Verkehrsteilnehmer rechnen und deshalb besonders aufmerksam sein. Aufgrund der höheren Verletzungsgefahr empfiehlt der ADAC zudem, einen Helm zu tragen. Für unsichere Fahrer sei außerdem ein Fahrsicherheitstraining fernab vom Straßenverkehr sinnvoll, sagt Fuss.

    Ob mit elektrischer Unterstützung oder ohne: Das Fahrrad könnte die Lösung für die zentralen Mobilitäts- und Umweltprobleme unserer Zeit sein. Dessen ist sich jedenfalls Burkhard Stork sicher. Stork ist Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und sagt: „Je mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen, desto weniger lärm- und abgasbelastet – sprich desto lebenswerter – werden unsere Städte.“ Radfahren sei häufig die schnellste, kostengünstigste und umweltfreundlichste Form der Fortbewegung. Besonders gefördert werde sie jedoch nicht.

    Beim ADFC ist man unzufrieden mit dem Zustand vieler Radwege und der vielerorts Fahrrad-unfreundlichen Verkehrsführung. Das zeigt auch der Fahrradklimatest, den der Klub erst kürzlich herausgegeben hat. Mit der Durchschnittsnote 4 schnitten die 16 bewerteten Gemeinden in Rheinland-Pfalz dort besonders schlecht ab. Die beste Note im Land erreichte Ingelheim: eine 2,8. Am anderen Tabellenende lag Neuwied. Die Stadt wurde mit der Gesamtnote 4,7 bewertet, was weit unter dem deutschlandweiten Schnitt für Städte vergleichbarer Größe liegt (3,8). ank/dpa

    Was das Fahrrad mit dem Hunsrück zu tun hat

    Kirchberg. Mit seiner Laufmaschine erfand Karl Drais 1817 die Urform des Fahrrads. Was aber die wenigsten wissen: Einen Teil seiner Kindheit verbrachte der spätere Forstmeister im Hunsrück. Vom fünften bis zum neunten Lebensjahr lebte er mit seiner Familie in Kirchberg.

    Ein bisschen Hunsrücker: Karl Drais
    Ein bisschen Hunsrücker: Karl Drais

    Der kleine Karl Friedrich wurde 1785 in eine privilegierte Welt geboren. Bei seiner Taufe in Karlsruhe waren Markgraf Karl Friedrich und dessen Gemahlin Friderike Amalie Prinzessin von Hessen-Darmstadt als Taufpaten sowie der gesamte badische Hof als Taufzeugen anwesend. 1790 zog die Familie des Hof- und Regierungsrates Carl Wilhelm von Drais von Sauerbronn aus dem Badischen in die Wohnung des Freiherrn von Koppenstein in der Badischen Gendarmerie am Kirchberger Markplatz. In Kirchberg wurde der junge Freiherr vom evangelischen Pfarrer Johann Heinrich Schneyder privat unterrichtet. Als sich 1794 die französischen Truppen dem Hunsrück näherten, brachte sich die Familie auf der rechtsrheinischen Seite in Sicherheit.

    Karl Friedrich besuchte die private Forstlehranstalt seines Onkels Friedrich Heinrich Georg von Drais in Pforzheim, studierte später Baukunst, Landwirtschaft und Physik in Heidelberg. 1810 wurde er badischer Forstmeister ohne Forstamt und vom Dienst freigestellt, um seiner Tätigkeit als Erfinder nachzugehen. Drais, der seinen Adelstitel später ablegte, entwickelte unter anderem eine Schreibmaschine für Noten, eine Schnellschreibmaschine mit 16 Buchstaben und vierrädrige „Muskelkraftwagen“. Seine Laufmaschine, die später auch Draisine hieß, war eine Alternative zu Pferdewagen. Er testete zudem damals schon bekannte, fußgetriebene Fahrzeuge auf Schienen. Auch sie wurden nach ihm benannt. ank

    Der deutsche Fahrradmarkt

    Etwa 73 Millionen Fahrräder, davon drei Millionen E-Bikes, gibt es auf deutschen Straßen. Das schätzt der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV).

    Für rund 2,6 Milliarden Euro wechselten 2016 gut vier Millionen Velos ihren Besitzer - am beliebtesten waren Trekkingräder, gefolgt von Cityrädern, E-Bikes und Mountainbikes. Im Schnitt wurden 643 Euro pro Rad bezahlt.

    200 Jahre alt und überhaupt nicht unmodern: die Geschichte des Fahrrads

    Das Fahrrad hat eine wechselvolle Geschichte. Die wichtigsten Daten übers Zweirad im Überblick.

    1817: Karl Drais (1785–1851) entwickelt die nach ihm benannte Laufmaschine („Draisine“), die Ur-Form des heutigen Fahrrads.

    1839: Der Brite Kirkpatrick Macmillan erfindet ein Zweirad, das mit Schwinghebeln am Hinterrad angetrieben wird. Um 1860 entstehen auch Räder mit einer Tretkurbel am Vorderrad.

    1867: Die Franzosen Pierre und Ernest Michaux stellen auf der Pariser Weltausstellung ihr vorderradbetriebenes Velociped vor. Der Siegeszug des Fahrrads beginnt.

    1869: Der Brite James Moore gewinnt mit dem Fahrrad das erste Langstreckenrennen über 123 Kilometer von Paris nach Rouen.

    1870: Um dieses Jahr herum wird das Hochrad entwickelt. In der Regel hat das Vorderrad einen besonders großen Durchmesser, um schneller voranzukommen.

    1879: Der Brite Henry John Lawson erfindet den Kettenantrieb für das Hinterrad.

    1885: Das Niederrad mit zwei gleich großen Reifen und einer Kette für den Hinterradantrieb wird vom Briten John Kemp Starley patentiert. In der Folge wird das Fahrrad nach und nach zum Massenverkehrsmittel.

    1888: Der Schotte John Boyd Dunlop erfindet den Luftreifen fürs Fahrrad. Zwar patentierte bereits 1845 sein Landsmann Robert William Thomson „Pneumatics“. Das Produkt konnte sich aber nicht durchsetzen.

    1895: Die ersten Gangschaltungen fürs Fahrrad werden patentiert.

    1903: Das weltweit berühmteste Radrennen, die Tour de France, findet erstmals statt. Nach sechs Etappen und 2428 Kilometern trägt der Franzose Maurice Garin das gelbe Trikot des Siegers.

    1913: Mit Einführung der Fließbandproduktion beim US-Autohersteller Ford bekommt das Fahrrad über die folgenden Jahrzehnte in den Industrieländern Konkurrenz von Kraftfahrzeugen. Gerade mit der Motorisierung ab den 1950er-Jahren werden Velos zu Freizeitartikeln.

    1970er: Durch Gesundheits- und Umweltbewusstsein der Bevölkerung verbessert sich das Image des Fahrrads wieder. In dieser Zeit entstehen auch neue Formen wie Mountainbikes.

    1990er: Zwar wurden bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts elektrisch angetriebene Fahrräder patentiert, doch fassen Pedelecs und E-Bikes erst mit der Entwicklung von leistungsstarken Batterien vermehrt Fuß.

    2016: Die US-Marke Sram bringt eine kabellose Funkschaltung auf den Markt. Jedes siebente verkaufte Fahrrad in Deutschland ist mittlerweile ein E-Bike.

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