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Ring-Drama: Die Chronik

Das Drama am Nürburgring: Eine Chronik von 2004 bis 2010...

5. Mai 2004: Ministerpräsident Kurt Beck, Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage und der Geschäftsführer der Nürburgring GmbH, Walter Kafitz, stellen die "Erlebnisregion Nürburgring" vor, ein Freizeit- und Geschäftszentrum für 170 bis 200 Millionen Euro. Die GmbH will 40 Millionen Euro einbringen, den Rest sollen Investoren finanzieren. Kafitz erwartet ein Plus von 500 Arbeitsplätzen, 500 000 Besuchern und 130 000 Übernachtungen.

Dezember 2004: Kleinere Korrekturen im Konzept. Die Rede ist von 200 Millionen Euro Gesamtkosten und einem Golfplatz mit 18 Löchern in direkter Umgebung des Rings.

September/Oktober 2005: Statt zwei Eventhallen soll nur noch eine (8000 Quadratmeter) errichtet werden, der Bau einer neuen Haupttribüne und eines zweiten Hotels werden angekündigt.

25. Juli 2006: Präsentation der "Erlebnisregion": Sie soll im Frühjahr 2009 vollendet werden und 160 000 zusätzliche Übernachtungen bringen. Statt der bislang kalkulierten 200 Millionen Euro sollen sogar nur 150 Millionen ausreichen. Das Geld soll durch Risikobeteiligungen von Privatinvestoren kommen. Die Erlebnisregion steht auf drei Säulen: Ring-Boulevard mit Geschäften, Village mit Hotel, Feriendorf und Gastronomie sowie Golf- und Aktivsport.

September 2007: Der ursprünglich für Oktober anberaumte Spatenstich für die Erlebnisregion wird abgesagt, weil der Nürburgring-Aufsichtsrat die Finanzierungsmodelle auf den Prüfstand stellt. Finanzminister Ingolf Deubel gibt zu, dass sich die Finanzierungspläne seit Frühjahr verzögern.

Anfang November 2007: Die "Erlebnisregion Nürburgring" wird zum Projekt "Nürburgring 2009". Die Lindner-Hotelgruppe soll Betreiber für das Vier-Sterne-Hotel und ein "Feriendorf-Resort" mit 100 Bungalows in Drees werden. Ein "Eifeldorf" mit Erlebnisgastronomie soll die Warsteiner-Gruppe betreiben.

Mitte November 2007: Entgegen den bisherigen Plänen will die GmbH einen Großteil des Projekts auch ohne Großinvestoren aus der Finanzwelt wagen. Das Land will sich offenbar mit etwas mehr als 50 Prozent beteiligen. Golfplatz und neue Wintersportangebote sind erst einmal vom Tisch.

19. November 2007: Der Aufsichtsrat segnet das Projekt ab. Von 135 Millionen Euro, die die Nürburgring GmbH aufwendet, sollen 40 von kleineren Investoren aufgebracht werden, die übrigen 95 Millionen Euro will die GmbH über Kredite finanzieren.

22. November 2007: Erster Spatenstich. Die Gesamtkosten werden mit 215 Millionen beziffert, 80 davon übernimmt der Düsseldorfer Großinvestor Mediinvest mit seinem Geschäftsführer Kai Richter.

Mitte Februar 2008: Ein Ring- Casino ist im Gespräch. Mit den Erträgen könne die Zinslast finanziert werden.

12. April 2008: Platzierung des Grundsteins für Nürburgring 2009 und Spatenstich für das Vier-Sterne-Hotel (Lindner).

4. Oktober 2008: Spatenstich für das Erlebnisgastronomie- Dorf "Grüne Hölle" im Eifeldorf-Charme (rund 35 Millionen Euro) von Mediinvest.

14. Dezember 2008: Kafitz bekräftigt, dass Mediinvest 80 Millionen Euro, die GmbH 135 Millionen zahlt. Die Zahl der Arbeitsplätze steige von rund 600 auf mehr als 1000.

16. Dezember 2008: Richtfest für das Gesamtprojekt. Kafitz: "Wir sind voll im Zeitplan." Finanzminister Deubel: "Alles ist auf der Schiene und durchfinanziert."

Vom 14. Januar 2009 an stellt sich heraus, dass das Land Privatinvestor Mediinvest im Herbst massiv unterstützte.

21. Januar 2009: Die Gesamtkosten steigen laut Nürburgring GmbH und Mediinvest um 35 auf 250 Millionen Euro. Grund seien gestiegene Materialkosten, Verzögerungen durch den strengen Winter.

22. Januar 2009: Die Gesamtkosten werden mit 252 Millionen Euro angegeben. Der Eröffnungstermin verschiebt sich vom 11. Juni auf den 12. Juli am Formel-1-Wochenende.

16. Februar 2009: Im Zusammenhang mit der Finanzierung des Projekts kommen immer mehr pikante Details ans Licht. Fast wäre man einem dubiosen Finanzierungsmodell aufgesessen - ein US-Fonds, der Lebensversicherungen aufkauft. Das Geschäft platzt schließlich. Die deutsch-luxemburgische Beraterfirma IPC/Pinebeck hatte das gescheiterte Geschäft eingefädelt.

28. Mai 2009: Der Nürburgring präsentiert einen prominenten Fürsprecher: Boris Becker. Monate später wird bekannt, dass "Bobbele" satte 500 000 Euro kassiert. Genehmigt hat der Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH allerdings nur 250 000 Euro.

16. Juni 2009: Finanzminister Deubel meldet für sein Privatfinanzierungsmodell Vollzug. Vertragspartner ist die Pinebeck AG mit Sitz in Luxemburg. Die Nürburgring GmbH soll mit dem Verkauf und Zurückmieten ihrer Neubauten über zwölf Jahre gesehen 50 Millionen Euro gegenüber einem Bankenkredit sparen.

24. Juni 2009: Es zeichnet sich ab, dass der Ring zum Start unvollendet bleibt. Das Ring-Werk wird zur Eröffnung nicht fertig. Der Ring-Racer fährt bis heute noch nicht.

7. Juli 2009: Das private Finanzierungsmodell platzt. Finanzminister Deubel tritt zurück. Ministerpräsident Beck räumt ein: Er habe zu spät die Reißleine gezogen.

9. Juli 2009: Mit gebremster Partystimmung wird am Nürburgring Eröffnung gefeiert.

27. August 2009: Die Kosten rasen davon - mittlerweile spricht man von 300 Millionen Euro, die das Projekt "Nürburgring 2009" verschlingt. Es wird immer offensichtlicher: Am Ring droht für das Land ein finanzielles Fiasko.

16. September 2009: Der Untersuchungsausschuss des Landtags zum Nürburgring nimmt seine Arbeit auf.

9. Oktober 2009: Erste personelle Konsequenzen aus der gescheiterten Privatfinanzierung: Der Finanzchef der Nürburgring GmbH, Hans Lippelt, muss gehen.

Dezember 2009: Das Land entlässt den Ring-Geschäftsführer Walter Kafitz fristlos. Wirtschaftsminister Hendrik Hering und Beck präsentieren ein "Zukunftskonzept" zur Rettung des Rings. Mit einem neuen Vorschlag für die Trennung in eine Besitz- und eine Betreibergesellschaft läutet Minister Hering die "neue Ära" ein. Mittlerweile spricht man von 350 Millionen Euro Kosten für das Ring-Projekt. 235 Millionen sollen über die Investitions- und Strukturbank finanziert werden. Großinvestor Mediinvest bringt die restlichen 115 Millionen auf. 85 Millionen davon sind aber ebenfalls mit öffentlichen Mitteln abgesichert. (tf/mr)

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Nach dem Martinszug ziehen die Laternenkinder mit ihren Eltern nochmal los. Sie klingeln an Haustüren, singen Martinslieder und bekommen dafür Mandarinen, Nüsse oder Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt je nach Region Schnörzen, Dotzen oder Gribschen. Aber gibt es diese Tradition überhaupt noch?

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