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    Koblenz/München

    Porträt: Heute Aktionsbüro, morgen NSU: Szeneanwälte pendeln

    Heute der Prozess um das rechtsextreme Aktionsbüro Mittelrhein, morgen der Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund: Die Anwälte Olaf Klemke und Nicole Schneiders pendeln derzeit zwischen dem Landgericht Koblenz und dem Oberlandesgericht München. Sie gehören zu einer Gruppe von Strafverteidigern, die immer dann auftauchen, wenn Angehörige der rechten Szene vor Gericht stehen.

    Olaf Klemke und Nicole Schneiders gelten als Anwälte der rechtsextremen Szene. Er verteidigte unter anderem Angehörige der Kameradschaft „Skinheads Sächsische Schweiz“, sie war einst in der NPD aktiv.
    Olaf Klemke und Nicole Schneiders gelten als Anwälte der rechtsextremen Szene. Er verteidigte unter anderem Angehörige der Kameradschaft „Skinheads Sächsische Schweiz“, sie war einst in der NPD aktiv.
    Foto: DPA

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Im Koblenzer Prozess vertreten Klemke und Schneiders zwei 28- Jährige aus dem Kreis Ahrweiler, die laut Anklage Mitglied im Aktionsbüro waren – einer mutmaßlich kriminellen Vereinigung. Im Münchner Prozess verteidigen die beiden Anwälte gemeinsam den mutmaßlichen Terrorhelfer Ralf Wohlleben (38). Der frühere thüringische NPD-Funktionär soll den Mitgliedern des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) die Ceska-Pistole besorgt haben, mit der sie neun Migranten erschossen haben.

    Er ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Klemke fiel im NSU-Prozess unter anderem dadurch auf, dass er einen Mann aus Ghana als nicht gerade „rein deutschen Blutes“ bezeichnete. Im Koblenzer Neonaziprozess geht er seit Beginn auf Konfrontation zum Gericht, schloss sich mehreren Befangenheitsanträgen an. Er vertrat immer wieder rechtsextreme Straftäter, gilt unter anderem deshalb als Szeneanwalt.

    Er war Verteidiger im Prozess um die Kameradschaft „Skinheads Sächsische Schweiz“ und die tödliche Hetzjagd auf einen algerischen Asylbewerber im brandenburgischen Guben. Seine Kollegin Schneiders verteidigte kürzlich eine Angeklagte im Prozess um eine Hetzjagd auf Migranten im baden-württembergischen Winterbach. Die Anwältin war nach eigenen Angaben „etwa 2000/2001, während meines Studiums in Jena, kurzzeitig Mitglied der NPD im Kreisverband Jena“.

    Sie sei in die Partei eingetreten, weil sie gegen deren Verbot protestieren wollte. Nach Recherchen mehrerer Medien fungierte sie als Vizekreisvorsitzende der NPD in Jena und war Stellvertreterin von Ralf Wohlleben – ihrem heutigen Mandanten im NSU-Prozess.

    Zum Prozessauftakt begrüßte sie ihn mit einem Küsschen auf die Wange. Doch Schneiders sieht sich nicht als Neonazianwältin. „Meine politischen Ansichten spielen in meiner beruflichen Tätigkeit keine Rolle“, erklärt sie auf Anfrage unserer Zeitung. Sie vertrete grundsätzlich jeden, ohne Ansehen der Person. Sie übernehme auch Mandate von Ausländern, nur werde darüber in den Medien nicht berichtet.

    Auch Klemke betont: „Meine politische Einstellung hat nichts mit meiner Berufsausübung zu tun.“ Auf die Frage, ob ihn sein Image als Szeneanwalt stört, erklärt er: „Ich habe keine Veranlassung, über meine diesbezüglichen Empfindungen Auskunft zu geben.“

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