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    Mülheim-Kärlich: AKW wird zu 500.000 Tonnen Müll zerlegt

    Mülheim-Kärlich - Im Schatten des Kühlturms entlädt ein Gabelstapler eine rechteckige Gitterbox in einen Großraumcontainer. Krachend fallen Rohre, Platten und Schaltkästen übereinander hinweg.

    In Gitterboxen werden dekontaminierte Gegenstände vom Reaktorgebäude zur Freimessanlage gefahren.
    In Gitterboxen werden dekontaminierte Gegenstände vom Reaktorgebäude zur Freimessanlage gefahren.
    Foto: dpa

    Als das Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich (Kreis Mayen-Koblenz) vor genau 25 Jahren erstmals den Leistungsbetrieb aufnahm und Strom lieferte, waren diese Gegenstände aus dem Kontrollbereich unerlässlich – jetzt sind sie nichts weiter als Metallschrott.

    Rund 2500 solcher Gitterboxen rotieren aktuell in der gesamten Anlage und sind aus dem bereits seit 2004 laufenden und 750 Millionen Euro teuren Rückbau des Atomkraftwerks nicht mehr wegzudenken. In ihnen werden im Reaktorblock demontierte und von radioaktiven Partikeln gereinigte Gegenstände gesammelt und anschließend in einer speziellen Anlage freigemessen. „Von insgesamt rund 14 000 Tonnen an Einbauten im Kontrollbereich sind bis heute etwas mehr als 9000 Tonnen freigemessen und dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt worden“, sagt Dagmar Butz, Sprecherin des AKW-Betreibers RWE, auf Anfrage unserer Zeitung.

    Alles in allem hat die Anlage inklusive Kühlturm und Maschinenhaus eine Gesamtmasse von 500 000 Tonnen, die es zu entsorgen gilt. Nachdem das Maschinenhaus, dessen Komponenten Teil des nicht radioaktiven Sekundärkreislaufs waren, in den vergangenen Monaten ausgebaut und nach Ägypten verschifft wurde, wo es in einem Dampfkraftwerk eingesetzt wird, findet der Rückbau vornehmlich im Reaktorblock statt. Am Ende sollen nach Angaben des Essener Energiekonzerns weniger als 3000 Tonnen schwach und mittel radioaktiven Abfalls übrig bleiben, die im Bundesendlager Schacht Konrad bei Salzgitter eingelagert werden.

    Bis es so weit ist, werden aber noch einige Jahre vergehen. Bis Ende 2015 wird zunächst alles zurückgebaut, was in Handarbeit demontiert werden kann. Erst wenn die Schachtanlage Konrad betriebsbereit ist – in Mülheim-Kärlich geht man nicht von vor dem Jahr 2019 aus –, wird das Abklingbecken wieder mit Wasser geflutet und darin unter anderem der Reaktordruckbehälter, der komplett radioaktiv geworden ist, sowie der biologische Schild mithilfe fernbedienbarer Roboter zerlegt.

    Laut RWE-Sprecherin laufen derzeit Planungen und erste Vorarbeiten an, damit man sich in den nächsten zwei Jahren beim Rückbau im Wesentlichen auf das Reaktorgebäude konzentrieren kann. „2012 sollen noch zwei weitere Genehmigungen beantragt werden: eine Genehmigung, die weitere Geländeentlassungen aus dem Atomgesetz ermöglicht, und die Genehmigung, die den Rückbau der Primärkreislaufkomponenten Reaktordruckbehälter, biologischer Schild und Dampferzeuger beinhaltet“, berichtet Butz.

    Unterdessen lässt die längst bei der zuständigen Aufsichtsbehörde in Mainz beantragte Entlassung des Geländes rund um den Kühlturm aus dem Atomgesetz auf sich warten. „Unsere Planungen dazu gingen damals davon aus, dass wir Ende 2011 das Kühlturmgelände aus dem Atomgesetz entlassen haben. Dann hätten 2012 die konkrete Planung und Ausschreibung stattgefunden, um 2013 mit dem Abriss zu starten.“

    Zudem ist offen, ob es überhaupt zum Abriss des Turms kommen wird. Schließlich hatte der deutsche Maler und Bildhauer Anselm Kiefer Ende 2011 noch sein Interesse an dem Bauwerk bekundet. Neuigkeiten zu den Verhandlungen zwischen dem Künstler und RWE gebe es aber nicht, macht Dagmar Butz deutlich.

    Dafür werden derzeit aber die Möglichkeiten einer industriellen Nachnutzung des 40 Hektar großen Areals sowie von Geländeteilen geprüft. „Seit einigen Monaten haben mehrere deutsche Firmen ihr Interesse an dem Gelände bekundet“, sagt Butz. Zu Namen und Ideen für die Nachnutzung wollte sie sich aber nicht äußern.

    Von unserem Redakteur Damian Morcinek

     

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