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    Berlin

    Mainzer LKA-Chef: Hartmann hat drei Mal bei mir angerufen

    Drei Mal hat der Mainzer SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann im Januar 2014 bei dem rheinland-pfälzischen Präsidenten des Landeskriminalamtes (LKA), Wolfgang Hertinger, angerufen, um sich über die Ermittlungen gegen die Kunden eines kanadischen Kinderporno-Vertriebs zu erkundigen. Das erklärt Hertinger als Zeuge im Untersuchungsauschuss des Bundestages zur Edathy-Affäre.

    Der rheinland-pfälzische LKA-Chef Wolfgang Hertinger sagt aus.
    Der rheinland-pfälzische LKA-Chef Wolfgang Hertinger sagt aus.
    Foto: dpa

    Von unserer Berliner Korrespondentin Rena Lehmann

    Der LKA-Präsident war geladen worden, um eine Aussage Sebastian Edathys über Michael Hartmann zu überprüfen. Edathy hatte behauptet, dass Hartmann über eine Quelle im rheinland-pfälzischen Landeskriminalamt verfügte. Der 64-jährige Hertinger, der Ende nächsten Monats in den Ruhestand geht, erklärte nun, dass er Hartmanns Anrufe sehr ungewöhnlich fand. Es sei noch nie vorgekommen, dass sich ein Bundestagsabgeordneter über laufende Ermittlungen bei ihm erkundigt hätte.

    "Der Name Edathy ist nicht gefallen", sagte Hertinger allerdings. Hartmann habe ihm demnach Fragen eher grundsätzlicher Art gestellt. Der Mainzer SPD-Mann habe wissen wollen, wie bei den Ermittlungen zu Kinderpornografie unterschieden wird zwischen strafbarem und nicht strafbarem Bildmaterial. Hartmann habe erfahren wollen, wie bei den Ermittlungen zu den Fällen in Rheinland-Pfalz vorgegangen wird.

    Auf der Kundenliste der kanadischen Firma, die im Oktober 2013 aufflog, standen insgesamt 850 Namen, davon wurden 22 Personen in Rheinland-Pfalz überprüft. "Ich habe Herrn Hartmann zu verstehen gegeben, dass ich keine Erkenntnisse zu Verfahren weitergeben kann", sagt Hertinger im Ausschuss. Er vertröstete Hartmann auf einen späteren Zeitpunkt.

    "Ich war mir nicht im Klaren, was er von mir wollte", sagt Hertinger. Nach dem Gespräch habe er sich entschlossen, Hartmann "gar keine Infos zu geben". Ein bis zwei Tage später habe Hartmann ihn erneut angerufen. Er, Hertinger, habe ihn erneut "hingehalten". Bei dem dritten Telefonat will Hertinger Hartmann deutlich abgewiesen haben. "Ich sagte ihm, dass er sich und mich in große Schwierigkeiten bringen kann." Was glaubt er war das Motiv für Hartmanns Anrufe? "Ich kann nur vermuten, dass er hoffte, ich würde den Namen Edathy von mir aus erwähnen", antwortet Hertinger.

    Der parteilose rheinland-pfälzische LKA-Chef kann ansonsten glaubhaft darlegen, dass er selbst nicht über die Kundenliste im Detail informiert war und auch nicht von dem Namen des Bundestagsabgeordneten Edathy auf der Liste wusste. Er hätte demnach zum fraglichen Zeitpunkt keine Informationen zu Edathy an Michael Hartmann weitergeben können. Hertinger beschreibt sein Verhältnis zu Hartmann als distanziert und professionell, obwohl sich beide lange kannten. Hartmann war früher Pressesprecher im Mainzer Innenministerium, Hertinger war dort Beamter. "Ich war nie Herrn Hartmanns Vertrauensperson", sagt er aber.

    Noch ein weiterer Zeuge aus Rheinland-Pfalz ist für den Ausschuss interessant. Am Abend sagte ein früherer SPD-Bundestagskandidat aus der Eifel, dass der SPD-Abgeordnete Michael Hartmann ihm bereits am 15. November 2013 berichtete, dass Edathys Name auf einer Verdächtigenliste stehe und dass die SPD-Spitze davon wisse. Das verlautete aus dem Untersuchungsausschuss, der den Zeugen hinter verschlossenen Türen befragte. Der Mann hat Edathy gut gekannt, außerdem hat er vor etwa zehn Jahren bei Hartmann im Bundestagsbüro gearbeitet.

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