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    Lajolo: Geschiedene zurück zur Kirche bringen

    Kardinal Giovanni Lajolo nahm als Gesandter des Papstes an den Feiern zum 100-jährigen Bestehen der Schönstatt-Bewegung in Vallendar (Kreis Mayen-Koblenz) teil. Am Rand des Festes sprachen wir mit ihm über den ersten Teil der Familiensynode.

    Kardinal Giovanni Lajolo (rechts) war viele Jahre lang Apostolischer Nuntius in Deutschland. In Schönstatt zelebrierte er den Jubiläumsgottesdienst.
    Kardinal Giovanni Lajolo (rechts) war viele Jahre lang Apostolischer Nuntius in Deutschland. In Schönstatt zelebrierte er den Jubiläumsgottesdienst.
    Foto: frei

    Was ist Ihr persönlicher Eindruck nach dem Abschluss der ersten Teils der Familiensynode?

    Wenn man eine Synode macht, bedeutet das, dass man einen Weg zusammen gehen will. Es sind Bischöfe aus aller Welt zusammengekommen, also Hirten, deren Wunsch es ist, mit ihren Schafen gemeinsam einen Weg zu gehen. Nun gibt es Schafe, die stehen näher bei ihren Hirten, und manche Schafe stehen weiter entfernt. Der Wunsch des Papstes ist es, sie alle zusammenzubringen in der großen Familie Gottes. Inzwischen ist das Thema Familie ein sehr brennendes in der Kirche, die Meinungen sind sehr zerstritten. Die Kirche muss dringend ein Wort sagen: ein Wort der Wahrheit und der Barmherzigkeit. Man darf aber dabei nicht denken, dass die Barmherzigkeit gegen die Wahrheit steht.

    Im Vorfeld gab es eine weltweite Umfrage zum Thema Familie. War es klug, so etwas zu machen? Man konnte ja ahnen, dass die Gräben zwischen Lehre und Praxis dadurch offenbar werden.

    Natürlich ahnte man, was das Ergebnis sein würde. Es hat uns nicht überrascht. Aber es war wichtig, nicht nur die Sicht der Bischöfe in die Synode zu bringen, sondern dass die christliche Basis ihre Lage selbst schildern kann. Sehen Sie: Ein Arzt kann die Krankheit des Leibes selbst erkennen durch seine Diagnose. Er kann aber auch den Patienten fragen! Wenn er durch den Patienten eine Bestätigung seiner Diagnose erhält, kann er eine bessere Kur verschreiben und eine bessere Antwort geben.

    Manche Medien haben einen Machtkampf zwischen den Synodalen im Vatikan beobachtet. Was sagen Sie dazu?

    Machtkampf ist ein zu starkes Wort. Es ist selbstverständlich, dass die teilnehmenden Bischöfe und Kardinäle unterschiedliche Meinungen haben – das ist seit der Zeit der Apostel aber so gewesen. Bei jedem Konzil und bei jeder Synode gibt es Diskussionen. Schon Petrus musste unter den Aposteln für einen Konsens sorgen. Und so ist das auch diesmal. Da haben manche Medien die Diskussionen ein wenig überspitzt – das macht die Sache interessanter. Sie wissen, dass "bad news good news" sind, dass Medien lieber über einen Skandal schreiben.

    Aber es gab schon starken Gegenwind für Reformen: Kardinal Gerhard Müller beispielsweise hat mit weiteren Amtskollegen klipp und klar gesagt, dass sich für Geschieden-Wiederverheiratete nichts ändern wird. Kardinal Walter Kasper hingegen hat gesagt, dass man mit Barmherzigkeit auf gescheiterte Ehen schauen solle. Das hat Hoffnungen geweckt bei vielen Katholiken. Wie wird es ausgehen?

    Ich weiß ganz ehrlich nicht, ob die Hoffnungen, die Kardinal Kasper ausgelöst hat, sich realisieren lassen. Aber seit Papst Paul VI. und "Humanae vitae" wurden die Christen, deren Ehe gescheitert war, schon eingeladen, sich mit der Kirche zu versöhnen. Nur die Art und Weise ist das Problem – wie kann man diese Menschen wieder zurück zur Kirche bringen? Man muss Mittel finden, um wirklich ein Weitergehen mit der Kirche zu ermöglichen. Der Streit geht nicht um die Lehre der Kirche, sondern er geht darum, wie wir das Gebot der Unauflöslichkeit der Ehe verwirklichen und trotzdem helfen können.

    Das Gespräch führte Michael Defrancesco

    Giovanni Lajolo wurde 1935 in Novara (Italien) geboren. Nach seiner Promotion 1965 folgte eine Diplomatenausbildung. Von 1970 bis 1974 war er Attaché/Nuntiatursekretär und dann Auditor an der Apostolischen Nuntiatur in Bonn. Papst Johannes Paul II. verlieh ihm 1988 den Titel Ehrenprälat Seiner Heiligkeit, 1995 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Apostolischen Nuntius in der Bundesrepublik Deutschland.

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