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    Kommentar: Tierschutz und wirtschaftliche Interessen vertragen sich nicht

    Die Vernunft hat also entschieden? Weil es den Großbrütereien nicht zuzumuten ist, männliche Tiere durchzufüttern, bleibt das Töten der Küken mit falschem Geschlecht erlaubt. Eine einfache Rechnung: Legehennen sind zum Eierlegen da - und Hähne können das nicht. Ergo: Gegenüber den wirtschaftlichen Interessen fällt der Tierschutz nicht schwer genug ins Gewicht.

    Nicole Mieding.
    Nicole Mieding.

    Nicole 
Mieding
 zum Schreddern von Küken

    Man muss den gesunden Menschenverstand nicht sonderlich bemühen, um festzustellen, dass an dieser Folgerung irgendetwas nicht stimmt. Ethisch vertretbar ist dieser Umgang mit Lebewesen jedenfalls nicht. Dennoch ist er im derzeitigen System unserer Lebensmittelerzeugung gängige Praxis - und wird es bis auf Weiteres bleiben. Kann gut sein, dass Ihnen das nicht schmeckt. Aber einen Ausweg aus diesem Teufelskreis sehe ich derzeit nicht. Ich mag mich noch nicht einmal darauf festlegen, wer in diesem Spiel die Bösen sind.

    Die Züchter? Sie stecken in einem echten Dilemma: Ihre Arbeit ist auf maximale Leistung und Effizienz getrimmt. Um am Markt zu bestehen, mussten sie ihre Produktionsmenge über die Jahre kontinuierlich steigern. Und ihre Produktionsmittel - die Tiere - müssen mit diesem Tempo Schritt halten. Damit sie überhaupt in der Lage sind, ihren Job zu erledigen, wurden ihre Eigenschaften für den Produktionszweck qua Zucht kontinuierlich optimiert, unerwünschte Rassemerkmale angepasst oder genetisch aussortiert. Die Folge dieses Eingriffs in die Natur: Unsere Hühner sind heute hoch spezialisierte Facharbeiter. Sie taugen entweder zum Eierlegen oder zur Fleischproduktion. Alleskönner sind für den derzeitigen Markt schlicht nicht zu gebrauchen. Mit dieser Konsequenz müssen übrigens nicht nur Legehennenhalter leben. Auch Milchbauern haben nur für Kühe Verwendung und müssen sich männlicher Kälber, die auf ihrem Hof geboren werden, möglichst schnell entledigen.

    Bei der Kundschaft ist die Empörung über solche Mechanismen gerade groß. Aber eines ist gewiss: Sie wird sich legen. Denn gewöhnlich siegt Geld über die Moral. Es gibt schlicht zu wenige Käufer, die bereit sind, für ihr gutes Gewissen einen angemessenen Preis zu bezahlen. Ein Hähnchen aus nachhaltiger Aufzucht kommt zum Kilopreis von 15 Euro in den Laden und bleibt dort liegen. Nein, dieses Urteil ist keine Vernunftentscheidung. Es ist nur die Kapitulation vor der Massentierhaltung. Einem System, das angeblich keiner haben will.

    Küken töten: Freibrief zum SchreddernFür Verbraucher gibt es Alternativen Eier von glücklichen Hühnern: Ein Überblick für Verbraucher
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