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    Rheinland-Pfalz

    Harte Zeiten: Wird Taxifahren bald zum Luxus?

    Wenn am 1. Januar der flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt wird, ist das für viele Branchen eine erhebliche Herausforderung - für die meisten Taxiunternehmen bedeutet der Mindestlohn fast schon eine Revolution. Eine, die die wenigsten begrüßen.

    Dieses Bild könnte bald der Vergangenheit angehören: Der Mindestlohn dürfte den Taximarkt ausdünnen.  Foto: dpa
    Dieses Bild könnte bald der Vergangenheit angehören: Der Mindestlohn dürfte den Taximarkt ausdünnen.
    Foto: dpa

    Von unserem Reporter Robin Brand

    Fortan müssen die Unternehmen ihren Fahrern nicht einfach mehr Lohn zahlen - viele Firmen müssen ihr gesamtes Bezahlsystem ändern. Schließlich beteiligen die meisten Unternehmen ihre Fahrer bisher am Umsatz. Auf einen Stundenlohn zwischen 6 und 6,50 Euro bringen es die Fahrer so im bundesweiten Durchschnitt laut Taxi- und Mietwagenverband (BZP). "In einigen Regionen liegt der Stundenlohn bei 4,50 bis 5 Euro", erklärt Thomas Grätz, der Geschäftsführer des Verbands. Damit gehören Taxifahrer laut Statistischem Bundesamt zu den am schlechtesten bezahlten Angestellten in Deutschland.

    Etwa 25 Euro Umsatz pro Stunde machen Taxiunternehmen pro Auto im Einsatz durchschnittlich. Die Anschaffungs-, Wartungs- und Tankkosten miteingerechnet, sei da kein höherer Stundenlohn drin, argumentieren viele Unternehmer.

    Verhandlungen um Übergangsregelung gescheitert

    Der Ausweg einer Übergangsregelung bis 2017 scheint für die Branche verbaut. Arbeitgeber und Arbeitnehmer einer Branche können bis 2017 einen eigenen Tarifvertrag abschließen, dann muss der gesetzliche Mindestlohn spätestens eingeführt werden. Doch die Verhandlungen mit Verdi sind gescheitert. Die Gewerkschaft pochte auf eine strikte 40-Stunden-Woche und eine stundengenaue Abrechnung. Beides lehnte der BZP ab. Die geforderte Technik für die Zeitenkontrolle hält Michael Müller, der Präsident des Verbands, für nicht finanzierbar. Zur 40-Stunden-Woche hält Müller fest, dass sie aufgrund von Großveranstaltungen, Wettereinflüssen, Feiertagen und regionalen Besonderheiten den Zwängen der Branche widerspricht.

    "Die Tatsache, dass Verdi an Bedingungen festhält, die weit über die Anforderungen des Mindestlohngesetzes hinausgehen, ist vollkommen unrealistisch", ergänzt Guido Borning, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands des Verkehrsgewerbes (VDV) in Koblenz. Die Gewerkschaft zeigte sich von den Standpunkten der Arbeitgeberseite wenig beeindruckt und begrüßt den Mindestlohn für eine "tariflich bislang völlig unzureichend geregelte Branche".

    Verdrängungswettbewerb

    Nachdem die Verhandlungen gescheitert sind, rechnen Experten mit einem harten Ausscheidungskampf in der Branche. Bis zu 30 Prozent der etwa 220.000 Beschäftigten könnten entlassen werden. Vor allem in der Nacht und auf dem Land könnten Kunden bald mit längeren Wartezeiten rechnen. Dass das Szenario der zahlreichen Entlassungen, das die Arbeitgeberseite zeichnet, nicht nur ein Pfeil in Richtung der Gewerkschaft ist, zeigen Unternehmen in Hannover und Berlin, die bereits jetzt alle Angestellten zum 1. Januar entlassen haben. Die reagierten mit Sammelklagen auf die Kündigungen. In Rheinland-Pfalz gibt es noch keine vergleichbaren Fälle, doch die Beispiele zeigen, in welche Richtung es in der Branche gehen könnte: Wenn Angestellte zu teuer werden, werden sich viele Unternehmer als Einzelkämpfer versuchen.

    So oder so wird der Mindestlohn mit Mehrkosten für die Kunden verbunden sein. Der VDV geht von einer Erhöhung von 15 bis 20 Prozent in Rheinland-Pfalz aus. Die meisten Stadt- und Kreisverwaltungen haben den höheren Tarifen schon zugestimmt. Besonders freuen dürfte die Unternehmen aber auch das nicht. Schließlich haben auch die Unternehmen selbst kein übermäßiges Interesse an Preiserhöhungen. "Es kann nicht sein, dass das Taxi zum Luxusgut verkommt", betont Heiko Nagel, Geschäftsführer des Taxiverbands Rheinhessen-Pfalz.

    Der Markt hat sich verändert 

    Denn auch ohne gesetzlichen Mindestlohn ist die Branche unter Druck: Carsharing und alternative Fahrdienste wie Uber haben den Markt grundlegend verändert - und jede Preiserhöhung in der Taxibranche spielt der sich ohnehin im Aufwind befindlichen Konkurrenz zusätzlich in die Karten. Wenn die Politik den Taxi-Wettbewerbern nicht bald ähnliche Auflagen erteilt, befürchtet Borning Schlimmes. "Dann könnte es sein, dass das Taxigewerbe, wie wir es kennen, mittelfristig komplett verschwindet."

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