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    Rheinland-Pfalz

    Eier-Skandal: Kontrolleure sind zum Warten verdammt

    Kurz wähnten sich die Menschen im Land auf einer Art Insel der Glückseligen: Vom Giftskandal im Frühstücksei waren nur die anderen betroffen. Wer weiß, wie die global agierende Lebensmittelindustrie funktioniert, dem musste schon vor den ersten Supermarktfunden klar sein, dass Rheinland-Pfalz da keine Ausnahme bilden kann.

    Achim Ginkel betont: Lebensmittelüberwachung kann immer nur stichprobenartig vorgehen.
    Achim Ginkel betont: Lebensmittelüberwachung kann immer nur stichprobenartig vorgehen.

    „Wir reden von zig Millionen Eiern, die auf gewundenen Wegen über Packstationen und Zwischenlager großer Handelsketten in unsere Läden kommen“, beschreibt Achim Ginkel, Sprecher des Landesuntersuchungsamts (LUA) in Koblenz, das Problem im Kern. Dort waren erste Meldungen von Verbrauchern eingetroffen, die die Stempelnummern betroffener Chargen auf ihren Eiern entdeckt hatten. Seitdem spielen die Lebensmittelkontrolleure der Überwachungsbehörde – wie stets in solchen Fällen – das Spiel von Hase und Igel: Sie laufen hinterher. Zwar lässt sich der Weg eines Lebensmittels vom Stall bis zum Teller nachverfolgen. Aber die Lieferketten sind lang und international verflochten. Entsprechend groß ist der Aufwand. Geht es um verarbeitete Lebensmittel, wird die Rückverfolgung noch komplexer.

    „Aktuell sieht es so aus, als gäbe es im Land keine Direktlieferung. Die betroffenen Chargen kamen über große Lager aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen“, sagt Ginkel. Derzeit müssen die LUA-Mitarbeiter daher vor allem eins tun: warten. Auf Meldungen und Lieferlisten aus den produzierenden Ländern – und darauf, dass dem Amt ein verlässliches und gerichtsfestes Messverfahren zur Verfügung steht, wie Ginkel erklärt. „Der Bedarf ist neu, wir müssen dafür erst eine Methode etablieren. Ich gehe davon aus, dass das per Gaschromatografie und Massenspektrometer funktionieren wird“, sagt er. Zudem werden größere Legehennenbetriebe im Land auf einen möglichen Fipronil-Einsatz hin untersucht.

    Auch wenn der aktuelle Skandal unappetitlich ist und zu Recht Skandal genannt wird: Angst, sich zu vergiften, muss keiner haben. Empörung ist angebracht, Alarmismus aber hysterisch überzogen: Wer sein Haustier streichelt, das mit Fipronil gegen Läuse behandelt wurde, nimmt eine 700-fach höhere Dosis des Gifts auf, als in einem verseuchten Ei steckt. Wir sprechen nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse also von einem Hygieneproblem, nicht von ernsthafter Gesundheitsgefährdung.

    Die Supermärkte reagieren darauf verschieden. Während Rewe und Edeka weiter Eier verkaufen, fährt Aldi eine Null-Toleranz-Politik. Aus medizinischer Sicht mag das überzogen sein. Der Discounter agiert allerdings äußerst geschickt, indem er dem Kunden versichert, dass er keinerlei Risiko eingeht und so seine Vertrauenswürdigkeit (und damit sein Markenimage) pflegt. Viel wichtiger: Indem er die Produzenten in die Pflicht nimmt, setzt der Konzern seine Marktmacht wirksam ein. Die Hersteller können es sich nicht leisten, langfristig ausgelistet zu werden. Sie müssen die Sicherheit ihrer Ware garantieren und nun eigene Tests vornehmen. Der Discountgigant zeigt: Er sitzt am längeren Hebel. Hase und Igel will dort keiner spielen.

    Von unserer Chefreporterin Nicole Mieding

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