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    Aleppo droht ein Massaker – Brandbomben und bunkerbrechende Raketen im Einsatz

    Während der heftigsten Bombardierungen im syrischen Bürgerkrieg gibt es in den hoffnungslos überfüllten Krankenhäusern Aleppos nur noch Platz auf dem Boden. Kinderschreie hallen durch die blutverschmierten Flure, in denen überall Verwundete liegen - das erzählt Ibrahim al-Hadsch, ein Rettungshelfer der Organisation der Weißhelme. "Der Geruch von Blut und Tod ist überall."

    Zerstörung total: Nach einem Luftangriff liegt ein Straßenzug im Stadtteil Ansari im Osten Aleppos in Schutt und Asche. Seit Donnerstag fliegen das syrische Regime des Machthabers Baschar al-Assad und seine Verbündeten verstärkt Angriffe auf die von Rebellen kontrollierten Gebiete der Stadt.  Foto: AFP
    Zerstörung total: Nach einem Luftangriff liegt ein Straßenzug im Stadtteil Ansari im Osten Aleppos in Schutt und Asche. Seit Donnerstag fliegen das syrische Regime des Machthabers Baschar al-Assad und seine Verbündeten verstärkt Angriffe auf die von Rebellen kontrollierten Gebiete der Stadt.
    Foto: AFP

    Der gegenwärtig verheerendste Konflikt der Welt erlebt seit Donnerstag eine Eskalation bislang ungekannten Ausmaßes. Der belagerte Ostteil der Stadt erzittert unter den Explosionen der Bomben des syrischen Regimes. Gebäude stürzen ein wie Kartenhäuser und begraben Bewohner unter sich. Immer öfter fällt das Wort "Kriegsverbrechen".

    Und der Welt bleibt nichts anderes, als ohnmächtig auf die geteilte Stadt zu schauen, die längst zum traurigen Symbol geworden ist. Der UN-Botschafter François Delattre vergleicht die Situation in Aleppo mit der Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo vor mehr als 20 Jahren und dem Schrecken in Guernica während des Spanischen Bürgerkrieges.

    Noch vor wenigen Tagen, vor dem Zusammenbruch der kurzen Waffenruhe, hatten Kinder auf den Straßen der Stadt gespielt. Seit Donnerstag aber hört der Lärm der Kampfjets am Himmel Nordsyriens nicht mehr auf. Die Bomben, die auf den Osten Aleppos fallen, töten Hunderte Unschuldige. Auch in der Nacht auf Montag wurden Dutzende Angriffe geflogen. "Die Angriffe haben am Montag jedes einzelne Viertel im Osten Aleppos getroffen", sagt der Aktivist Bahaa al-Halabi. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldet mindestens zwei getötete Zivilisten. Einwohner aus den Rebellengebieten Aleppos berichteten von mehr Opfern.

    Viele Straßen werden nur noch von ausgebrannten Häuserskeletten gesäumt. Nachdem eine Verteilstation getroffen wurde, sind laut Unicef zwei Millionen Menschen ohne fließendes Wasser.

    Der Gewaltherrscher Baschar al-Assad und seine Alliierten setzen dabei Berichten zufolge schwerste Waffen ein. Die neuen Raketen würden auch die Wände von Bunkern durchbrechen, in denen Bewohner Zuflucht suchen, sagt der Aktivist Baha al-Halabi. Auch international geächtete Fassbomben, Streumunition und Brandbomben sollen über den Rebellenteilen der Stadt abgeworfen worden sein. "Wir haben Berichte, Videos und Bilder von gemeldeten Brandbombeneinsätzen gesehen, die so gewaltige Feuerbälle erzeugen, dass sie die pechschwarze Dunkelheit in Ost-Aleppo erleuchten, als ob es Tag wäre", sagte UN-Vermittler Staffan de Mistura vor dem Sicherheitsrat. "Zivilisten überall in der Stadt müssen sich fragen, wo auf Erden sie in dieser gequälten Stadt noch sicher sein können." Mehr als 250 000 Menschen harren im Osten Aleppos aus. Die syrische Armee und ihre Verbündeten haben das Gebiet abgeriegelt. Nichts und niemand kann hinein oder heraus. Bäckereien öffnen aus Mangel an Zutaten nur alle drei Tage, erzählt der Kameramann Mahmut Raslan. "Aber die Menschen haben Angst, Brot zu kaufen, weil sie die Bombardierung von Bäckereien befürchten." Viele verlassen ihre Wohnungen nicht mehr.

    Arzneien und medizinische Ausrüstung sind nach wochenlanger Belagerung Mangelware. "Menschen sterben in großer Zahl, uns fehlt es an allem Möglichen, um mit so schweren Wunden und den vielen Verletzten fertigzuwerden", sagt ein Krankenpfleger. Das Personal arbeitet rund um die Uhr, doch die meisten Patienten bräuchten eigentlich aufwendige Operationen, für die es in Aleppo keine Ärzte mehr gibt. "Menschen schauen ihren Geliebten zu, wie sie langsam vor ihren Augen sterben. Und wir können überhaupt nichts machen."

    Die Menschen in Aleppo fühlen sich alleingelassen von der Welt. Sie sind schutzlos einem menschenverachtenden Massaker ausgeliefert. "Aleppo brennt, die wollen den Osten der Stadt von der Karte Syriens ausradieren", schreibt Brita Hagi Hassan, ein Mitglied des oppositionellen Stadtrates von Aleppo. "Und die ganze Welt hält immer noch still."

    Von Benno Schwinghammer und Weedah Hamzah

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