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    Kommentar: Schulz-Effekt wird der SPD nicht reichen, um die Wahl zu gewinnen

    Es mag seltsam klingen: Spätestens nach dieser Umfrage muss sich die SPD ernsthafte Sorgen machen. Mit ihrem neuen Hoffnungsträger Martin Schulz übertrumpfen die Genossen erstmals seit Jahren wieder die Union. In einer Umfrage wohl gemerkt und knapp sieben Monate vor der Bundestagswahl.

    Christian Kunst kommentiert.
    Christian Kunst kommentiert.

    Und genau dies ist das Problem, das den Strategen im Willy-Brandt-Haus Sorgen bereiten sollte. Denn es ist derzeit mehr als unklar, wie lang der unglaubliche Hype um den Shootingstar aus Würselen noch andauern wird.

    Ohne Zweifel: Der SPD ist mit der Nominierung von Schulz als Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel ein Coup gelungen. Doch die bange Frage für die SPD ist, wann die Wirkung dieses Überraschungseffekts auf die Wähler nachlässt – und was dann noch bleibt. Sieben Monate sind auch in einem deutschen Wahlkampf eine sehr lange Zeit. Allein außenpolitisch kann in Zeiten von Trump, Putin, Erdogan und dem IS-Terror vieles passieren, das der Kanzlerin in die Karten spielen könnte. Außerdem hat die Union den Wahlkampf noch nicht einmal substanziell eröffnet. Und dann sind da noch einige Landtagswahlen, nicht zuletzt in NRW.

    Für Schulz spricht der Obama-Effekt. 2008, aber übrigens auch 2017, wünschten sich die Amerikaner einen Wechsel im Amt. Diese Tradition ist in Deutschland – siehe Konrad Adenauer, Helmut Kohl, Angela Merkel – bislang nicht so stark ausgeprägt. Doch das steile Umfrageplus für Schulz und die SPD unterstreicht, dass sich auch die zumeist Stabilität liebenden Deutschen 2017 zumindest derzeit einen Wechsel in Berlin zu wünschen scheinen – und wenn es nur eine Abkehr von der Großen Koalition ist. Positiv stimmen kann die SPD auch, dass es ihr mit dem neuen Zugpferd Schulz gelingt, Millionen SPD-Abtrünnige, die früher für Gerhard Schröder stimmten, wieder für sich zu begeistern. Zugleich sorgt dies dafür, dass die AfD ein unerwartetes Tief durchlebt.

    Doch all dies sind eben nur Momentaufnahmen. Stutzig machen sollte die SPD, dass ihr mit dem Kandidaten Schulz plötzlich 48 Prozent der Deutschen eine Kompetenz im Bereich der sozialen Gerechtigkeit zutrauen – während es im November nur 29 Prozent waren. Dies zeigt zwar einerseits, wie sehr die Glaubwürdigkeit einer Partei mit dem Gesicht zusammenhängt, das diese Politik repräsentiert. Andererseits unterstreicht dies, wie brüchig diese Glaubwürdigkeit ist, wenn sie nur von einer Person abhängt. Will die SPD ihr Umfragehoch am 24. September in Wählerstimmen ummünzen, wird sie einen sehr langen Atem brauchen. Gelingt es ihr, aus der Personalie Martin Schulz eine Bewegung mit vielen glaubwürdigen Gesichtern zu machen, dann stehen ihre Chancen nicht schlecht. Eines ist sicher: Dieses Wahljahr wird das spannendste seit 2005.

    E-Mail: christian.kunst@rhein-zeitung.net

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