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    Kommentar: Krieg und Frieden dürfen kein Teil der Trump-Show sein

    Nichts dagegen, dass jemand noch viel zu lernen hat. Nichts dagegen, dass jemand häufig seine Meinung ändert. Und nichts dagegen, dass jemand munter Handlungsoptionen ausprobiert. Aber muss dieser außenpolitisch reichlich unbedarfte Jemand ausgerechnet den Oberbefehl über die mächtigsten Streitkräfte der Erde führen – und dazu auch noch den Finger am Atomknopf haben?

    Dietmar Brück kommentiert.
    Dietmar Brück kommentiert.
    Foto: Jens Weber

    Dietmar Brück zu den jüngsten Entwicklungen rund um Donald Trump

    Donald Trump agiert ganz offensichtlich ohne Plan. Zumindest ohne einen nachvollziehbaren. Bislang war ihm Syrien reichlich egal. Flüchtlinge von dort wollen die USA ohnehin keine mehr aufnehmen. Doch plötzlich hat den US-Präsidenten ein Giftgasanschlag angeblich so tief berührt, dass er seiner Entrüstung mit einem Raketenangriff auf eine syrische Militärbasis Luft machen musste. Das mag manch einen angesichts der chronischen Tatenlosigkeit von Trumps Vorgänger Barack Obama mit einer gewissen Genugtuung erfüllen. Problemetisch ist es dennoch, da das impulsive Handeln des neuen US-Präsidenten offensichtlich keiner klug durchdachten Strategie folgt, sondern eher als Bestandteil eines außenpolitischen Lotteriespiels erscheint.

    Verschärfend kommt hinzu, dass Trumps innenpolitische Bilanz bislang desaströser als die all seiner Vorgänger ist. Nicht einmal die eigene Partei versammelt er hinter sich. Da ist die Verlockung groß, außenpolitisch den starken Mann zu markieren. Zumal die Amerikaner ihn plötzlich feiern. Trump lernt schnell, was Popularität und die Manipulation von Massen angeht. Hoffentlich erliegt er nicht der Versuchung, seine politischen Niederlagen künftig mit außenpolitischen Offensiven zu übertünchen. Den Preis dafür würden immer andere zahlen.

    Trumps nächstes Handlungsfeld könnte Nordkorea sein. Diktator Kim Jong Un ist zwar nicht ganz so irre, wie es nach außen hin scheint, aber er treibt kontinuierlich ein brisantes Atomwaffenprogramm voran. Ihn stoppen kann nur China, da Nordkorea wirtschaftlich von seinem großen Nachbarn vollkommen abhängig ist. Doch China will keine Sanktionspolitik, die das kleine Land wirtschaftlich ruiniert, da es eine riesige Flüchtlingswelle befürchtet. Und es will auch keinen Krieg provozieren. Selbst mit konventionellen Waffen könnte Nordkorea die südkoreanische Millionenstadt Seoul in Schutt und Asche legen. Die Hauptstadt Südkoreas befindet sich nicht weit entfernt von der Grenze – und ist besonders verwundbar.

    Trump muss hier also vorsichtig agieren. Er kann zwar ein paar Kriegsschiffe als Reaktion auf die jüngsten Raketentests verlegen, aber ein Angriff würde möglicherweise eine nicht kalkulierbare Kettenreaktion auslösen. Man kann sich nur wünschen, dass ihm dies sein Stab oder auch der chinesische Staatschef Xi Jinping eingebläut haben. Der Nordkoreakonflikt ist hochgradig explosiv.

    Keine Frage: Trump ist als Staatschef vor einer Menge militärischer und außenpolitischer Profis umgeben. Sie werden ihn mit ihren Analysen füttern, sein Handeln beeinflussen. Doch am Ende entscheidet ein US-Präsident stets allein. Trump wird daher noch beweisen müssen, dass er in der Lage ist, mit seiner Rolle als US-Oberbefehlshaber verantwortungsvoll umzugehen. Spätestens wenn es um Krieg und Frieden geht, muss die Donald-Trump-Show endgültig Sendepause haben.

    E-Mail: dietmar.brueck@rhein-zeitung

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