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    Kommentar: Die große Beschränktheit

    Die Möglichkeiten des Internets werden gepriesen. Das Netz ermöglicht es uns, Entwicklungen auf der ganzen Welt mitzuverfolgen, selbst zu recherchieren, verschiedene Meinungen zur Kenntnis zu nehmen. Es hat den Horizont der Menschen erweitert, so wird gern behauptet. Aber stimmt das wirklich? Die Art und Weise, in der Nutzer sich nicht nur beim Flüchtlingsthema in den Kommentarspalten der Onlinemedien oder in den sozialen Medien äußern, lässt eher einen anderen Schluss zu. 

    Rena Lehmann
    Rena Lehmann

    Rena Lehmann zum Hass im Netz

    Das Internet ermöglicht auch das krasse Gegenteil von Horizonterweiterung: den Rückzug in die Nische nämlich, in ein Refugium, in dem nur noch das zur Kenntnis genommen wird, was das eigene Weltbild bestätigt. Und in dem man noch für die verquersten Positionen eine beträchtliche Zahl von Gleichgesinnten finden kann.

    Experten sprechen von „kognitive Dissonanz“

    Das Internet verstärkt diesen Effekt, den Wissenschaftler "kognitive Dissonanz" nennen. Wir nehmen am liebsten das auf, was uns in unserer Haltung bestätigt, und empfinden andere Sichtweisen eher als störend. Ganz automatisch steuern wir deshalb eher Inhalte an, die unsere Welt eben gerade nicht aus den Angeln heben. So tickt der Mensch. Mit den neuen Möglichkeiten der Filter und Foren aber, die das Internet bereithält, funktioniert die Nischenbildung und Verkapselung des Einzelnen besser als je zuvor. Der Mensch wird zum Regisseur seiner eigenen Realität. Wer sich ausschließlich für seinen heimischen Fußballverein, seinen Freundeskreis und ausländerfeindliche Schriften interessiert, kann die Dienste auf seinem Smartphone oder Laptop so einstellen, dass er ausschließlich Meldungen zu diesen Themen erhält.

    Andersdenkende - gibt es die?

    Die Möglichkeit der großen Auswahl wird so zur großen Einschränkung. Wer sich aber ständig nur noch mit den eigenen Interessen befasst, wird über die Zeit den Eindruck gewinnen, dass auch nur noch diese Interessen von Bedeutung sind. Kommt es dann doch zur Konfrontation mit Andersdenkenden, explodiert ein Pulverfass. Die enthemmten und hasserfüllten Facebook-Einträge der vergangenen Wochen zeigen überdeutlich: Hier sind alle Hemmschwellen gefallen, hier gilt offenbar nur noch das Recht des Tabuloseren. Was man tun kann? Leider wenig. Aber vielleicht würde eine strafrechtliche Konsequenz oder eine Reaktion von Facebook die Täter doch mal wieder daran erinnern, dass sie nicht allein auf der Welt sind.

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