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    Kommentar: Das Handy als Wanze zerstört die Privatsphäre

    Ein bisschen Spionagesoftware auf Handy oder PC geschmuggelt und schon haben die Ermittler wieder den Anschluss an moderne Zeiten. Das Handy als Wanze: Klingt gut – ist es aber gefährlich. 

    Jochen Magnus kommentiert.
    Jochen Magnus kommentiert.

    Jochen Magnus zum „Staatstrojaner“

    Denn hinter dem Staatstrojaner steckt komplizierte Software, die erst mal eingeschmuggelt werden will. Der Staat muss sich dazu der gleichen Methoden bedienen wie Hacker, die zum Beispiel Erpressungssoftware herstellen – und im selben Milieu operieren. Es wird nicht lange dauern, bis der erste „Staatstrojaner“ von infizierten Geräten abgegriffen, modifiziert und von Hackern zu eigenen Zwecken missbraucht wird – ähnlich einem Diebstahl aus einer Waffenkammer der Polizei.

    Aber vor allen Dingen: Unsere Privatsphäre wäre dahin – wir speichern schließlich Bilder, Töne und Unterhaltungen unseres Lebens auf smarten Geräten und nichts bliebe privat, wenn man in ein Fahndungsraster geriete, an übereifrige Beamte oder eben an jene Hacker, die genau die gleichen Hintertürchen öffnen, die der Staat schätzt (und schützt?)

    Genau deshalb hat das Bundesverfassungsgericht für die Onlinedurchsuchung schon vor Jahren engste Grenzen gezogen. Da nutzt auch keine juristische Spitzfindigkeit: grundrechtssicheres Hacken ist und bleibt eine Schimäre und der Gesetzesentwurf der Regierungskoalition eine Provokation des Verfassungsgerichts. Unwürdig ist auch die hastige Art und Weise seines Zustandekommens: Eine öffentliche Diskussion sollte vermieden werden, wie peinlich für christliche und soziale Demokraten!

    Im Übrigen sind die Ermittler ja nicht wehrlos, wie Politiker gern behaupten: Wanzen, Richtmikrofone, Beschlagnahmungen sind legale Fahndungsmethoden, die sich gegen konkret Verdächtige richten und nicht – wie die Staatstrojaner – gegen alle Unbescholtenen.

    Der Staatstrojaner schmuggelt Spione aufs Handy

    Früher klemmten die Ermittler ein Kabel an die Telefonleitung und konnten lauschen – eine richterliche Genehmigung vorausgesetzt. Ähnlich funktioniert es in den Zeiten des Internets: Die Netzanbieter (Provider) sind verpflichtet, Abzweigungen für die Ermittler bereitzustellen. Doch seit WhatsApp, iMessage und Co. die Nachrichten und Gespräche verschlüsselt übertragen, nützt all der Aufwand nichts: Polizei und Geheimdienste sehen und hören nur noch Rauschen.

    Deshalb sollen die Handys selbst zur Wanze werden: Wie das sagenhafte Trojanische Pferd einst Krieger in die Stadt schmuggelte, soll scheinbar harmlose Software eingeschleust werden. Damit lauscht der Staat direkt am Mikro und schaut den Benutzern schon beim Tippen auf die Finger – bereits vor der Verschlüsselung. jo

    „Trojaner“-Gesetz: Überwachung bei WhatsApp und Co
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