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London/Berlin

Wachstum bei Online-Musik verlangsamt

dpa

Rückschlag für die Musikbranche: Das Wachstum bei ihrem größten Hoffnungsträger, den Internet-Downloads, hat sich im vergangenen Jahr deutlich verlangsamt.

Die weltweiten Einnahmen mit digitaler Musik stiegen zwar um zwölf Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Euro) – das war erstmals mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes der Branche. Doch 2008 hatte das Wachstum noch 25 Prozent betragen. In Deutschland steckt in dem Geschäft mit digitaler Musik dagegen noch Potenzial.

Doch vor allem die Piraterie, also das illegale und kostenlose Herunterladen von Liedern und Alben, macht der Branche schwer zu schaffen. Dies bescherte ihr im vergangenen Jahr wieder Verluste, wie der Weltverband der Phonoindustrie IFPI am Donnerstag in London mitteilte. Der Verband vertritt 1400 Unternehmen in 72 Ländern.

Der Online-Boom reicht nicht aus, um die Industrie dauerhaft zu stützen: Obwohl das weltweite Geschäft mit digitaler Musik seit 2004 um 940 Prozent gestiegen ist, brachen in der gleichen Zeit die Gesamtumsätze der Branche um 30 Prozent ein. Im ersten Halbjahr 2009 waren die Branchenerlöse um zwölf Prozent zurückgegangen. Für das gesamte Jahr werden Verluste zwischen acht und neun Prozent erwartet, sagte der IFPI-Vorsitzende John Kennedy. Er rief deshalb Regierungen auf, mehr gegen Musik-Piraterie zu tun.

In Deutschland erwarte die Musikindustrie für 2009 ein Wachstum bei digitaler Musik zwischen 20 und 30 Prozent, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Musikindustrie, Daniel Knöll. Denn bisher hinkt Deutschland bei Online-Musik hinterher: «Die Deutschen zahlen bisher einfach nicht gerne im Internet.» Sogenannte physische Tonträger wie CDs, LPs und DVDs haben in der Bundesrepublik noch einen Marktanteil von 90 Prozent. In den USA liegt der Marktanteil digitaler Musik bereits zwischen 40 und 50 Prozent.

Die Piraterie schade der Branche und führe dazu, dass weniger in Musiker investiert wird: «Es wäre großartig, wenn sich diese Innovationen in mehr Marktwachstum, mehr Investitionen in Künstler und mehr Jobs niedergeschlagen hätte. Aber traurigerweise ist das nicht der Fall», sagte Kennedy.

Nach einer Studie der Marktforscher Jupiter Research bedient sich in Europa jeder fünfte Internetnutzer regelmäßig aus illegalen Tauschbörsen. In Deutschland kamen 2008 laut Knöll auf einen legal gekauften Song rund acht illegale Musikdownloads.

Das Problem Piraterie greift nun auch auf andere Branchen über – der Welt-Musikverband spricht schon von einem «Klimawandel in der Kreativen Branche»: Immer mehr Filme, Fernsehsendungen, Bücher und Computerspiele würden illegal heruntergeladen. So wurde der Film «Wolverine» binnen 24 Stunden 100 000 Mal heruntergeladen.

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