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    Social TV: Gemeinsam fernsehen im Netz

    Berlin/Mannheim (dpa/tmn) - Ein gutes Drittel der TV-Zuschauer in Deutschland nutzt Internet und Fernsehen bereits parallel. Der Austausch über das TV-Programm findet vor allem über Twitter statt, auf Fernsehen spezialisierte Portale und Apps existieren aber bereits.

    Frau beim parallelen Fernsehen und Surfen
    Viel Platz auf dem Sofa, aber trotzdem nicht alleine: Über Soziale Netzwerke können TV-Zuschauer über das aktuelle Programm schimpfen oder diskutieren.
    Foto: Monique Wüstenhagen - DPA

    Die Internet-Gemeinde kennt keine Gnade. «Na, das war mal ein Grottenkick», fasst einer das Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zusammen. Auch Moderator Markus Lanz und seine Talkshow-Gäste bekommen ihr Fett weg: «Gesamt-IQ der heutigen Sendung: 25», lästert ein anderer Twitterer. Und jeder darf mitlesen. Vorbei die Zeiten, in denen es sich die Familie vor dem Fernseher gemütlich gemacht und gemeinsam über die skurrilen Anzüge von Thomas Gottschalk hergezogen hat. Diskutiert, geschimpft und mitgefiebert wird stattdessen zunehmend im Netz, vor allem in sogenannten sozialen Medien wie Facebook und Twitter.

    «Zugespitzt kann man sagen: Social Media ist das neue Lagerfeuer», sagt Soziologe Benedikt Köhler, der an der Social Media Akademie in Mannheim lehrt. Anders als bei der abendlichen Familien-Fernsehrunde müssten keine Kompromisse in der Programmwahl mehr ausgehandelt werden. «Egal, für welche Formate man sich interessiert, man findet in Social Media immer eine Bezugsgruppe, die sich ebenfalls für genau dieses Thema interessiert», erklärt Köhler. Das gemeinsame Fernsehen im Netz liegt vor allem bei den Jüngeren im Trend, der Trend dazu geht Köhler zufolge aber mittlerweile quer durch die Bevölkerung.

    In vielen Wohnzimmern sei es mittlerweile Standard, Internet und Fernsehen gleichzeitig zu benutzen, sagt Köhler. Aktuelle Zahlen bestätigen das: Ein gutes Drittel der Zuschauer in Deutschland (34 Prozent) nutzt Fernsehen und Internet zumindest gelegentlich parallel. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid unter 895 TV-Nutzern zwischen 14 und 49. Als zweiter Bildschirm («Second Screen») dienen Smartphones (32 Prozent) und Tablets (8 Prozent), vor allem aber das Notebook (71 Prozent). Schließlich lassen sich Kommentare zum aktuellen Geschehen mit der klassischen Tastatur oft schneller verfassen als am Touchscreen.

    Noch konzentrieren sich die virtuellen Diskussionen rund um das TV-Programm vor allem auf den Kurznachrichtendienst Twitter. Den Trend, der aus Amerika langsam über den großen Teich nach Deutschland schwappt, haben einige Unternehmer jedoch bereits erkannt und bieten eigene Portale wie «couchfunk.de» oder «zapitano.de» an, oft auch mit eigener App. Die Benutzerführung ist auf den ersten Blick etwas übersichtlicher als bei Twitter: Während man Diskussionen über eine bestimmte Sendung hier meist über die sogenannten Hashtags mit dem Zeichen «#» findet, können Nutzer der Plattformen das gewünschte Programm einfach aus einer Liste auswählen.

    «Die Plattformen versuchen, diejenigen zu gewinnen, die an Twitter kein Interesse haben oder es vielleicht nicht kennen», sagt Christopher Buschow vom Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover. Damit das gelingt, bieten sie Mehrwerte wie das aktuelle TV-Programm, einen eigenen Bundesliga-Ticker oder Promi-News. Darüber hinaus können Schauspieler aus Filmen oder Serien bewertet werden - von «mies» bis «super».

    Die Plattformen haben jedoch einen Nachteil. «Dort ist es sehr viel schwieriger, meinen Freundeskreis wiederzufinden», erklärt Soziologe Benedikt Köhler. Momentan hätten die allgemeinen sozialen Netzwerke deshalb noch die Nase vorn, sagt der Social-Media-Experte.

    Genutzt werden die Angebote aufgrund völlig unterschiedlicher Motive, wie Studien zeigen. «Zum einen verlagern Menschen ihre Aktivität ins Internet, wenn ihre Aufmerksamkeit für den TV-Bildschirm nachlässt», sagt Benedikt Köhler. Zum anderen sei genau das Gegenteil der Fall. «Sendungen, die Zuschauer besonders stark involvieren und emotionalisieren, werden mit Informationen und Unterhaltungen aus dem Web angereichert.»

    Die Internetnutzer haben für bestimmte Sendungen besondere Vorlieben. «Es eignen sich vor allem Formate, die live übertragen werden, zum Beispiel Sport oder politische Debatten in Talkshows», sagt Christopher Buschow. Viel Gesprächsstoff böten auch Formate, die konstant stattfinden, wie tägliche Serien oder der sonntägliche Tatort. Besonders intensiv ist der Austausch im Internet über Großereignisse wie Fußball-Weltmeisterschafen, die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele und den Eurovision Song Contest.

    Für Fernsehsender ergeben sich daraus neue Möglichkeiten. «Social Media ist ein guter Feedback-Kanal, aus dem man Dinge lernen kann», sagt Buschow. Lob und Kritik wird den Sendern damit in Echtzeit geliefert. Und auch Zuschauer haben damit höhere Chancen, dass ihre Kritik und ihr Lob gehört werden.

    Studie zur Parallelnutzung von Internet und TV

    Hier geht es zu «couchfunk.de»

    Online-Portal «zapitano.de»

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