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Berlin

Reger Briefwechsel Boudgoust-Schirrmacher

Boudgoust schreibt Schirrmacher, Schirrmacher schreibt Boudgoust, Boudgoust schreibt Schirrmacher. Zwei ranghohe Persönlichkeiten der deutschen Medienlandschaft sind zurzeit intensiv mit einem Briefwechsel beschäftigt.

Darin geht es um die Auftritte der öffentlich-rechtlichen Anstalten im Internet geht – und die Haltung der privaten Verleger dazu. Ausgelöst wurde die Korrespondenz zwischen dem ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust (55) und dem Mitherausgeber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ), Frank Schirrmacher (50), durch einen «FAZ»-Kommentar, der der ARD vorwarf, das «Ende der freien Presse» und «die Herrschaft des Staatsjournalismus» zu wollen. Und weil alle Beiträge «offene Briefe» sind, darf jeder mitlesen.

Hintergrund des Scharmützels auf höchster Medien-Ebene ist eine Pressekonferenz der ARD-Gremien, der Rundfunk- und Verwaltungsräte, am Dienstag vergangener Woche, die die deutschen Verleger sehr erzürnte. Die Gremien winkten alle 37 Online-Auftritte der ARD- Anstalten mit gewissen Einschränkungen durch.

Zugleich veröffentlichten sie ein Gutachten des ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, der in groben Zügen feststellte, dass Presse im Internet wie Rundfunk zu behandeln sei, was die privaten Verleger – und der private Rundfunk – als eine Art Freibrief für die öffentlich-rechtlichen Sender verstehen und damit ihre werbefinanzierten Erlösmodelle im Netz bedroht sehen.

Am Mittwoch publizierte die «FAZ» auf der Seite eins ihre Vorwürfe gegen die ARD. In seinem Ärger schrieb der ARD-Vorsitzende Boudgoust keinen gewöhnlichen Leserbrief, sondern wählte den ungewöhnlichen Weg des offenen Briefs: als «geschichtsvergessen und maßlos» bezeichnete er die «FAZ»-Wortwahl, «einer seriösen Zeitung für unwürdig».

Schirrmacher reagierte ungehalten. Ihm behagte überhaupt nicht, dass der ARD-Vorsitzende sich in dieser Form über den Autoren beklagte: «Sie kennen den betreffenden Redakteur. Das persönliche Gespräch, auch über einzelne Formulierungen, wäre gewiss hilfreicher gewesen», belehrte Schirrmacher seinen Widersacher.

Außerdem, so der «FAZ»-Herausgeber, habe ihn der Inhalt des Schreibens nicht überrascht, «weil es ja bereits einen Tag, bevor ich es erhielt, auf der Internet-Startseite der ARD zu lesen war», schrieb Schirrmacher nun am Montag in der «FAZ».

Die ARD bemühte sich, klarzustellen, dass der offene Brief Boudgousts «selbstverständlich» vorher am Mittwoch an Schirrmacher gegangen sei und sogar vorab noch in dessen Büro telefonisch angekündigt wurde, wie ein Sprecher erklärte. Er habe ihn nicht im Urlaub stören wollen, fügte Boudgoust in einem weiteren offenen Brief hinzu, der am Montag bei « www.ard.de» veröffentlicht wurde.

Inzwischen hatte nach den massiven Verlegerprotesten gegen die ARD und das Gutachten des Ex-Verfassungsrichters Papier auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) das Papier-Papier zu den Online-Angeboten von ARD und ZDF kritisiert. «In dem Gutachten werden Wunschpositionen der ARD juristisch untermauert, aber deshalb muss es nicht das letzte Wort sein», sagte Neumann der Zeitschrift «Focus».

Die Grünen reagierten mit Unverständnis auf die Kritik. Neben dem Hörfunk und Fernsehen müsse das Internet als dritte Säule der Öffentlich-Rechtlichen etabliert werden, sagte Bundesvorstandsmitglied Malte Spitz dem Portal «Handelsblatt Online».

Der Streit ist vermutlich längst nicht am Ende. Wahrscheinlich hat er vorerst eine kleine Pause. «Vielleicht können wir unsere Debatte nach Ihrem Urlaub in einem persönlichen Gespräch fortsetzen», bot Boudgoust an und ergänzte in dem vorerst letzten Brief an Schirrmacher: «Unabhängig davon wünsche ich Ihnen noch ein paar erholsame Ferientage.»

ARD zum Briefwechsel mit Link zur «FAZ»

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