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    Nicht alle Cloud-Dienste verdienen Vertrauen

    Cloud-Dienste können das Leben ungemein erleichtern - mit ihnen greifen Nutzer von überall auf ihre Daten zu. Doch wer viel Wert auf Datenschutz legt, sollte zweimal überlegen, wo er seine privaten Informationen ablegt.

    Rechenzentrum
    Die Cloud ist kein umwölkter, anonymer Ort für Daten, sondern die Serverfarm einer Internetfirma. Welche vertrauenswürdig sind, sollte man sorgfältig prüfen.
    Foto: Franziska Koark - DPA

    Cloud-Dienste sind furchtbar praktisch. E-Mails, Kontakte, Termine, Fotos, Filme und Dokumente: Alles lässt sich im Browser oder mit dem Smartphone aufrufen und bearbeiten. Ein Abgleich zwischen den Geräten geschieht wie von Geisterhand übers Netz. Doch die Cloud ist kein umwölkter, anonymer Ort für Daten, sondern die Serverfarm einer Internetfirma. Welche vertrauenswürdig sind, sollte man sorgfältig prüfen - und sich im Zweifel unabhängig machen. Denn viele Dienste lassen sich in Eigenregie realisieren.

    Cloud-Dienste sind oft nur deshalb kostenlos, weil Inhalte und Nutzerverhalten für individuelle Werbung ausgewertet werden. «Google scannt die E-Mail-Inhalte, um Werbung passgenau einblenden zu können», nennt Marit Hansen, Stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein, ein Beispiel. «Dafür muss man ein Bewusstsein haben.»

    Viele der Cloud-Anbieter sind zudem US-Unternehmen. Sie sind dazu verpflichtet, US-Behörden Datenzugriff zu gewähren - selbst wenn das Rechenzentrum auf deutschem oder europäischem Boden steht und der Nutzer Kunde bei einer rechtlich selbstständigen Tochter des US-Unternehmens ist, erklärt Hansen. Es gebe auch einige EU-Länder mit weitgehenden Zugriffsermächtigungen. Darunter sei Schweden mit einem Abhörgesetz für den gesamten grenzüberschreitenden Datenverkehr. Inklusive der Befugnis, anderen Länder Daten weiterzugeben.

    Der Datenschutzverein FoeBuD hat der Cloud deshalb 2011 einen Big Brother Award verliehen. «Bei der Wahl zwischen kurzfristigem ökonomischen Vorteil und einem langfristigen abstrakten Wert wie Privatsphäre zieht der abstrakte Wert fast immer den Kürzeren», hieß es in der Laudatio. Es gelte, sich «technisch und juristisch kundig zu machen und nicht immer den bequemsten Weg zu gehen».

    Während die Datenübertragung zwischen Nutzer und Cloud meist noch verschlüsselt abläuft, ist dies bei der Speicherung und Verarbeitung auf Anbieterseite oft nicht mehr oder nicht wirksam der Fall. Denn zielgerichtete Werbung oder neue servergebundene Dienste wie die Sprachassistenz auf iOS- oder Android-Handys funktionieren nur mit Klartext. Und Anbieter, die verschlüsselt speichern, können Daten wieder entschlüsseln - so auch Apple mit der iCloud, erklärt Hansen.

    «Die Frage ist, wem traut man und wie ist der Rechtsschutz», sagt die Datenschützerin. «Wenn man die AGBs durchsieht, steht schon oft ehrlich drin, wonach die Inhalte durchleuchtet werden.» Mancher Anbieter behält sich zum Beispiel Kontrollen vor, um Daten wegen Nacktheit, Gotteslästerung oder Obszönität löschen zu können. Man sollte wissen, woher das Unternehmen oder dessen Mutter kommt. Deutsche Anbieter genießen wegen des strengen Datenschutzes hierzulande einen Vertrauensvorschuss. Zum Nulltarif gibt es ihre Dienste aber seltener. «Vielleicht muss man auch einmal fünf oder zehn Euro bezahlen», sagt Datenschützerin Hansen.

    Natürlich sind nicht alle Daten im gleichen Maße sensibel oder schützenswert. Wer - zumindest teilweise - werbefinanzierte oder ausländische Anbieter nutzen möchte, sollte seine Daten über verschiedene Dienste streuen. Vor allem bei Onlinespeichern ist die Datenverschlüsselung ratsam, zum Beispiel mit Freeware wie TrueCrypt oder BoxCryptor, das als virtuelles PC-Laufwerk eingebunden wird.

    Auch beim Mailen liegt die Unabhängigkeit näher, als man denkt. Die meisten deutschen Hoster wie Domainfactory, 1&1, Host Europe, Strato oder SynServer bieten ab rund einem Euro im Monat Mailserver mit eigener Internetadresse an. Auch Exchange-Server-Lösungen zum zusätzlichen Verwalten und Synchronisieren von Kontakten und Terminen sind zu haben. Das Beantragen und Einrichten ist kein Hexenwerk.

    Viele weitere Cloud-Dienste lassen sich in Eigenregie ersetzen, wenn man bei den Hostern einen virtuellen Server (V-Server) bucht. Kosten: ab fünf Euro im Monat. Seine Daten gar nicht aus der Hand geben braucht, wer zu Hause einen alten Rechner, ein altes Notebook oder einen besseren Netzwerkspeicher (NAS) zum Server umfunktioniert und diesen per DynDNS-Dienst ständig erreichbar macht.

    Eine umfangreiche und kostenlose Cloud-Suite, die man auf seinem Server installieren kann, heißt OwnCloud. Sie hält Dateien, Kontakte und Termine zwischen mehreren Rechnern synchron und kann auf dem Server abgelegte Daten verschlüsseln. «Das ist genau das, was man haben möchte, wenn man von Google, Dropbox und Konsorten weg will», sagt Oliver Diedrich von der Computerzeitschrift «c't». Die Suite ist sehr anwenderfreundlich gestaltet: Kalender, Adressbuch, Editor, Fotogalerie und ein Musikplayer können in jedem beliebigen Browser oder per Client-Software aufgerufen werden. Apps für Android und iOS-Geräte sollen bald fertiggestellt werden. Wer selbst Server betreibt, dürfe aber nicht vergessen, Daten oder Mails regelmäßig zu sichern, rät Diedrich. «Viele Hoster bieten Backup-Platz an.»

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