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New York

New Yorks Modewoche: Blogger und Live-Shows im Web

Bisher war die New Yorker Modewoche eine äußerst exklusive Angelegenheit. Die Kollektionen für die jeweils neue Saison von Designern wie Donna Karan, Tommy Hilfiger oder Michael Kors durften sich nur geladene Einkäufer, Journalisten oder – oft auch hochbezahlte – Promis anschauen.

Bei der jüngsten Ausgabe des alle sechs Monate veranstalteten Spektakels, das am Donnerstagabend zu Ende ging, war das erstmals anders. Dem Web sei Dank. Gleich mehrere Designer entschieden sich zu einer ungewöhnlichen Offenheit: Die Denim-Marke Diesel sowie einflussreiche US-Designer wie Calvin Klein, Marc Jacobs und Rodarte übertrugen ihre Schauen zeitgleich live im Internet.

Das interessierte junge Publikum der niederländischen Jeansmarke G-Star sah zur selben Zeit die Knebelmäntel mit übergroßen Taschen und grasgrünen schwingenden Röcken, kombiniert mit blauen Strumpfhosen, die auch Popstar John Legend oder die Hollywood- Schauspielerinnen Liv Tyler und Mena Suvari bewunderten.

Über soziale Netzwerke wie Facebook hatten sie die Möglichkeit, in Echtzeit zu kommentieren. So kann jeder Modekritiker vom Sofa aus werden, ohne Verzögerung oder Verzerrung durch die Medien – «Insider» überall.

Das Ende der Exklusivität fand sich auch direkt in der ersten Reihe des Laufstegs. Dort macht seit kurzem Tavi Gevinson von sich reden. Das 13 Jahre alte Schulmädchen aus Chicago schreibt in seinem Blog «Style Rookie» (deutsch: Stil-Anfängerin) mit einer gekonnten Mischung aus naiv und professionell über das, was sie da sieht – Zitat: «Manchmal kann man Stärke nur in grauen, dreiviertellangen Röcken finden». Wer Gevinson mit ihrer übergroßen Brille und den kurz geschnittenen Haaren in ihr Notizbuch kritzeln sieht, denkt zuerst, dass sie da ihre Hausaufgaben macht. Aber sie sitzt an der Stelle, wo sonst auch die berüchtigte «Vogue»-Chefin Anna Wintour thront.

Zurück zum Wesentlichen war unterdessen die Devise bei Marc Jacobs: Der Designer hatte angeblich die Nase voll davon, dass die Aufmerksamkeit meist nicht bei seinen Entwürfen lag, sondern bei Stars wie Beyoncé oder Madonna, die seine Laufsteg-Präsentationen anguckten. «Wir bekamen so viel Presse, aber irgendwann sagte ich mir: Hat denn irgendjemand auch die Schau gesehen?», beschwerte er sich laut «Style.com». Deshalb wurden dieses Jahr kurzerhand überhaupt keine Promis zugelassen.

Zu Rezessionszeiten muss auch Marc Jacobs Prioritäten setzen. «Diese Kollektion spricht eine breitere Masse an als seine zwei letzten», befand die «New York Times».

Vielleicht passt zur neuen Offenheit auch eine Ortsveränderung: Die Modewoche fand zum letzten Mal im Bryant Park unweit der Einkaufsmeile Fifth Avenue statt. Im September zieht die New Yorker Modewoche ins Lincoln Center um.

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