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    London

    Last Exit für Nokia: Die Finnen greifen mit Windows an

    Die Show stimmt wieder bei Nokia. Vorstandschef Stephen Elop lässt sich auf seiner Hausmesse feiern wie ein Popstar. Das Abenteuer des Neuanfangs habe gerade erst begonnen.

    Nokia
    Angriff ist die beste Verteidigung: Nokia-Chef Elop will das angeschlagene Handy-Unternehmen vorantrieben.
    Foto: Daniel Deme - DPA

    Das sagt er bei der Vorstellung der ersten Nokia-Smartphones mit Windows Phone, dem Betriebssystem seines früheren Arbeitgebers Microsoft. Aber hinter dem inszenierten Glanz für das neue Flaggschiff Lumia 800 spürt man die Anspannung: Wird der Beifall im Londoner Konferenzzentrum ExCel auch den im Handy-Geschäft zuletzt so brutalen Markt überzeugen und Nokia wieder voranbringen?

    Die Finnen sind bekannt dafür, gute Hardware zu produzieren. Aber das reicht nicht mehr aus. Auch die Hersteller von Mobiltelefonen müssen heute Internet-Firmen sein, müssen ein umfassendes Ökosystem bereitstellen, wie der Verbund von Hardware, Software und Diensten in der Branche genannt wird. Das gilt vor allem für Smartphones, also für die Handys mit Computer-Funktionen und Internet-Diensten.

    Schon länger ist es deswegen für den Handy-Marktführer aus Finnland bergab gegangen. Seit dem Aus für das Nokia-Werk in Bochum (2008) hat die Nokia-Aktie inzwischen mehr als 75 Prozent verloren. In der gleichen Zeit sind Apple mit dem 2007 eingeführten iPhone und mehrere andere Hersteller mit dem 2008 gestarteten Google-System Android von einem Erfolg zum anderen geeilt.

    Jetzt soll die vor acht Monaten vereinbarte Partnerschaft mit Microsoft den Durchbruch bringen. «Das Lumia ist das erste echte Windows-Phone», sagt Elop mit einem Seitenhieb auf Konkurrenten wie HTC (Taiwan) und Samsung (Südkorea), die neben Android-Geräten auch Smartphones mit Windows Phone herstellen. Nokia aber hat von Microsoft die Erlaubnis erhalten, diese Plattform in der aktuellen «Mango»-Version mit eigener Software und eigenen Diensten zu ergänzen. So zeigt der Startbildschirm des Lumia 800 mit den typischen Windows-Kacheln auch solche für die Dienste Nokia Drive, Nokia Maps und Nokia Music.

    Vor allem die Kartendienste treibt Nokia voran und profitiert hier von der Technik der 2007 übernommenen Firma Navteq. Die mobile Navigation auf dem Lumia kenne mehr als 69 Millionen Orte, was die Zieleingabe sehr vereinfache, erklärt der bei Nokia für die Windows-Plattform zuständige Manager Kevin Shields. Bei der Präsentation zeigte er, wie man sich mit dem neuen Smartphone zu Big Ben, dem Wahrzeichen von London, führen lassen kann: «Take the first exit».

    Für Nokia soll die neue Strategie zum «last exit», zum vielleicht letzten, aber auch entscheidenden Ausweg aus schwieriger Lage werden. Weil der Smartphone-Boom noch am Anfang steht, sehen Marktforscher durchaus Chancen für Nokia, mit den Windows-Handys Anschluss zu finden an Apple und das Android-Lager. «Wir sind optimistisch, dass Nokia und Microsoft eine ausreichende gute Nutzererfahrung vermitteln können, um mit Android und iOS in Wettbewerb zu treten», meint Gartner-Expertin Carolina Milanesi. Bis 2015 sei ein Marktanteil von 18 Prozent bei Smartphones realistisch.

    Erstes Angriffsziel ist RIM mit seinen Blackberrys, wie es Microsoft-Manager Achim Berg in einem Interview der «Financial Times Deutschland» zu Beginn der Woche deutlich gemacht hat. Danach könnte das Android-Lager den neuen Nokia-Wind zu spüren bekommen. Hier schätzen Experten das Ökosystem schwächer ein, weil die Bindung zwischen Hardware und Software-Plattform weniger eng ist. Android-Nutzer «würden leicht wechseln, wenn ihnen eine gute Alternative geboten würde», meint Milanesi. »Einen iPhone-Nutzer zu überzeugen ist sehr viel schwerer.»

    Nokia wäre schon zufrieden, wenn es wieder Anschluss gewinnt an Apple und das Android-Lager. Denn der Konzern ist so global aufgestellt wie kein anderer Handy-Hersteller und bedient gezielt die Märkte in großen Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien. «Jede Sekunde werden bei Nokia 12 Handys produziert», sagte Elop, «und wir wollen das immer weiter vorantreiben.»

    So hat Nokia nun auch neben dem Flaggschiff Lumia 800 (ab Mitte November in Deutschland zum Preis von rund 500 Euro ohne Vertrag) und dem kleineren Lumia 710 (voraussichtlich Anfang 2012, etwa 320 Euro) auch eine neue Modellreihe namens Asha vorgestellt: Vier Handys zu Preisen zwischen 60 und 115 Euro (ohne Mehrwertsteuer), die das Nokia-System Symbian nutzen und dazu beitragen sollen, «die nächste Milliarde Menschen ins Internet zu bringen».

    Elop sagte, mit diesen Geräten verschwimme die bisher klare Linie zwischen Smartphones und einfachen Handys. Die Asha-Handys sollen voraussichtlich ab 2012 auch in Deutschland vertrieben werden. Bei der Präsentation aber wurden vor allem junge Menschen in Entwicklungsländern gezeigt. «Asha kommt aus der Hindi-Sprache und bedeutet Hoffnung», sagte Elop. Und das gilt nicht zuletzt für Nokia selbst.

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