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London

Google Street View als Kuriositäten-Kabinett

dpa

Wer ist der Mann mit dem Pferdekopf, der im schottischen Aberdeen so relaxed an einer Mauer steht – als wäre nichts dabei, als halbes Pferd herumzulaufen? Was ist mit dem kleinen Mädchen passiert, das leblos auf einer Straße in Worcester liegt?

Google Street View
Das Bildschirmfoto zeigt ein am Boden liegendes Mädchen, das von Google Street View in Worcester fotografiert wurde. Fast wöchentlich werden in Großbritannien solche kuriosen Aufnahmen veröffentlicht.

Und ist Wendy Southgate aus Suffolk tatsächlich die Frau, die am häufigsten auf Google Street View auftaucht – weil die Kamera ihr zufällig genau auf ihrer Route hinterherfuhr, als sie grade mit ihrem Hund Trixie Gassi ging? In Großbritannien hat das digitale Welt-Abbild in dem Google- Dienst seit seiner Einführung vor mehr als einem Jahr bereits jede Menge moderner Mythen produziert. Gab es am Anfang vor allem Kritik, haben sich die Briten mittlerweile mehr oder weniger an den Dienst gewöhnt. Unter seinen Anhängern scheint sogar so etwas wie ein Wettbewerb ausgebrochen zu sein, die skurrilsten Alltagsszenen zu entdecken.

Fast wöchentlich kommt etwas Neues ans Tageslicht. Das «tote Mädchen» zum Beispiel stellte sich als die zehn Jahre alte Azura heraus, die hingefallen war. Um ihren Spielkameraden zu ärgern, tat sie so, als ob sie tot wäre – durch Zufall gerade, als die Google- Kamera Klick machte. Kommentar der Mutter: «Ich wünschte, sie wäre immer so ruhig.»

Wer sich hinter dem Pferdekopf in Aberdeen versteckt, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Nach dem Auftauchen des schrägen Fotos allerdings brachen im Internet heftige Diskussionen aus. Menschen aus der ganzen Welt behaupteten, den mysteriösen «Horse Boy» schon bei sich in der Nähe gesehen zu haben.

Am Anfang stand allerdings auch auf der Insel der Protest gegen die Fotos von Häusern, Straßen, Autos und natürlich Menschen, die im Internet für jeden zugänglich sind. In der Stadt Milton Keynes musste im Frühjahr 2009 sogar die Polizei anrücken, weil wütende Anwohner das Auto blockierten, mit dem Google die Fotos für den Internetdienst machte. «Das ist sowas von penetrant», beschwerte sich damals eine Frau. «Nicht alle neuen Ideen und Technologien sind auch gleichzeitig gut», sagte ein anderer Nachbar.

Gleich, nachdem der Dienst freigeschaltet war, musste Google einige Bilder sperren. Zwar kam nie ans Tageslicht, welche das waren, aber Zeitungen waren sich einig: Ein Mann, der in London in einen Sex Shop ging; ein anderer, der sich auf der Straße übergeben musste; jemand, der verhaftet wurde – und noch einige weitere Szenen, bei denen sich die Beteiligten lieber nicht vom ganzen Land beobachten lassen wollten.

Jeder, der sich über ein Bild beschweren will, kann das gleich über die britische Google-Internetseite tun. Dann werden die Fotos herausgenommen. Gesichter und Nummernschilder werden laut Google ohnehin nur verwischt gezeigt. «Die Bilder von Street View zeigen einen Schnappschuss der britischen Straßen und unterscheiden sich in nichts von dem, was jeder selber überall im Land sehen kann», sagt eine Google-Sprecherin zu den Beschwerden. «Manchmal bedeutet das eben auch, dass unsere Kameras ohne Absicht komische oder unpassende Momente festhalten, wenn sie daran vorbeifahren.»

Die meisten Briten sehen Street View allerdings mittlerweile mit Pragmatismus. «Ich finde es super», sagt etwa der 33 Jahre alte Paul Couling aus Chelmsford, der momentan in Deutschland lebt. «Ich liebe es, zu schauen, wo Bekannte von mir wohnen, bei denen ich noch nie gewesen bin. Als meine Schwester umgezogen ist, konnte ich mir ihre Straße und ihre Wohnung anschauen. Manchmal gucke ich mir auch Orte an, an die ich fahren will, zum Beispiel Hotels oder Restaurants. Dann weiß ich gleich, ob es sich lohnt oder nicht.»

Street-View-Bilder vom «Horse Boy»

Vermeintlich totes Mädchen in Google Street View

Britische Google-Beschwerdeseite

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