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Exzellenter Sound hinter Apple-Gartenmauer: HomePod im Test

Nach dem Überraschungserfolg mit den drahtlosen Ohrhörern AirPods startet Apple mit dem vernetzten Lautsprecher HomePod sein zweites Soundprojekt. Bislang beherrscht der HomePod zwar nur Englisch, aber noch im Frühjahr soll auch eine deutsche Version zu haben sein.

Fingertipper zum Aufwachen
Ob «Hey Siri» oder ein Fingertipper zum Aufwachen auf den Deckel: Der Homepod wird überwiegend per Sprache gesteuert. Dass Siri mithört, zeigt die bunte Animation im Display an.
Foto: Andrea Warnecke – dpa

Berlin (dpa/tmn). Auf den ersten Blick kommt Apple mit seinem vernetzten Lautsprecher HomePod recht spät zur Party. Amazon hat seit drei Jahren seinen Amazon Echo im Programm. Google Home gibt es seit mehr als einem Jahr. Doch der iPad-Erfolg zeigt: Apple hat schon mal einen Markt von hinten aufgerollt.

Einrichtung des HomePod
Die Einrichtung des HomePod dauert nicht lang. Einfach das iOS-Gerät in die Nähe halten und den Anweisungen folgen. Der Rest geschieht fast von allein.
Foto: Andrea Warnecke – dpa

Vorgestellt wurde der HomePod bereits im Sommer 2017. Doch es sollte noch Monate dauern, bis die ersten Exemplare des 2,5 Kilo schweren Lautsprechers im Laden stehen – vorerst nur in den USA, Großbritannien und Australien. In Deutschland soll das Gerät „in diesem Frühjahr“ verfügbar sein. Deswegen wurde für diesen Praxistest ein HomePod in London gekauft.

Bei «Personal Requests» aufpassen
Beim Einrichten des HomePod sollten Nutzer aufpassen. Wer die persönlichen Anfrage «Personal Requests» aktiviert, erlaubt möglicherweise auch anderen den Zugriff per Sprache auf eher persönliche Infor
Foto: dpa

Doch wer mit dem Gedanken spielt, in absehbarer Zeit einen smarten Lautsprecher zu kaufen, sollte vielleicht „dieses Frühjahr“ abwarten. Denn für Besitzer eines iOS-Geräts könnte der HomePod eine attraktive Alternative zum Amazon Echo, Google Home oder zu Soundsystemen von Sonos und anderen Audiospezialisten sein. Android wird nicht unterstützt.

HomePod 20 Zentimeter groß
Der HomePod ist knapp 20 Zentimeter hoch und wiegt etwa 2,5 Kilogramm.
Foto: Andrea Warnecke – dpa

Die Einrichtung des HomePods ist kinderleicht: Man benötigt lediglich ein Apple-Gadget mit mindestens iOS-Version 11.2.5 (iPhone ab dem 5s, ein iPad der fünften oder ein iPod Touch der sechsten Generation). Einstellungen wie das WLAN-Passwort oder die iCloud-Daten werden in Sekunden auf den HomePod übertragen.

Musik über den HomePod hören
Wer Kunde von iTunes match oder Apple Music ist, kann den HomePod nach der Einrichtung auch ohne iOS-Gerät per Sprache steuern. Musik von anderen Quellen lässt sich per AirPlay an den Lautsprecher sen
Foto: dpa

Schon der erste Soundcheck zeigt: Er spielt klanglich in einer anderen Liga als die Mitglieder der Echo-Familie von Amazon. Das hat auch damit zu tun, dass die Ingenieure im Soundlabor in Cupertino einen anderen Ansatz verfolgen. Im HomePod steckt ein kräftiger A8-Chip (wie im iPhone 6S). Er analysiert nicht nur Sprachkommandos für Siri, sondern beeinflusst aktiv den Klang. Mit einer Technik, die Apple „Beamforming“ (Richtstrahlverfahren) nennt, passen sich insbesondere die sieben, kreisförmig angeordneten Hochtöner an den jeweiligen Song und den Raum an.

HomePod im Test
Im Inneren des HomePod stecken ein Tieftöner und sieben Hochtöner. Sie passen ihre Tonausgabe an den Standort des Lautsprechers und die Beschaffenheit des Raumes an.
Foto: Andrea Warnecke – dpa

Tatsächlich klingt der HomePod exzellent. Egal, ob Pop, Hiphop oder Rock gespielt wird. Auch Jazz-Klassiker wie „Take Five“ von Dave Brubeck spielt der Lautsprecher mit einer beeindruckenden Klangfülle. Die mittleren Töne wirken transparent, die Höhen absolut klar. Die Bässe des unterhalb des Touch-Displays eingebauten Tieftöners klingen bei aktuellen Dance-Songs wie „Fuego“ von Alok & Bhaska nicht dumpf und klapperig wie bei etlichen anderen Lautsprechern, sondern tief und satt.

Tondurchlässiges Gitternetz
Ein Großteil des HomePod ist mit einem tondurchlässigen Gitternetz umhüllt.
Foto: Andrea Warnecke – dpa

Wäre der Sound das alleinige Kriterium, würde der HomePod die Konkurrenz in den Schatten stellen, selbst gute Lautsprecher wie den Sonos Play:1. Erst mit dem Play:5 ist Sonos wieder mit etwas mehr Wumms im Vorteil. Der größte Sonos-Lautsprecher kostet mit 575 Euro aber auch deutlich mehr als der Apple HomePod.

Stromanschluss
Achtung, Kabel: Der Stromanschluss ist fest mit dem Lautsprecher verbunden.
Foto: Andrea Warnecke – dpa

Allerdings kann der HomePod derzeit nur im Apple-Universum bestehen. Er ist das, was US-Amerikaner einen „walled garden“ nennen, also einen abgeschirmten Garten hinter einer Mauer. Alles ist bequem, sicher und funktioniert. Nur benötigt man für den Betrieb eines HomePods nicht nur ein aktuelles iOS-Gerät, sondern auch die entsprechenden Musik-Dienste mit dem Apfel-Logo.

HomePod mit UK-Stecker
Aktuell gibt es den HomePod erst in den USA, Australien und Großbritannien zu kaufen. Wer sich ein Gerät von der Insel kommen lässt, sollte aber wissen, dass es ihn nur mit dem klobigen UK-Stecker gib
Foto: dpa

Zwar kann man via AirPlay vom iPhone aus beliebige Inhalte auf den Pod streamen. Will man aber ohne iPhone, iPad, Apple TV oder iPod touch auskommen und direkt per Sprachkommando Musik auf dem HomePod abspielen, kommt man um ein Abo bei Apple nicht herum. Mit iTunes Match (25 Euro im Jahr) gelangt die eigene iTunes-Bibliothek in die Cloud und damit auch auf den HomePod. Und für knapp zehn Euro im Monat oder knapp 100 Euro im Jahr gibt es über Apple Music Zugriff auf rund 40 Millionen Songs.

HomePod kommt im Frühjahr
In Deutschland soll der HomePod im Frühjahr in den Handel kommen.
Foto: Andrea Warnecke – dpa

Hier sind sowohl die Amazon-Geräte als auch das Sonos-System viel flexibler und bieten etwa eine direkte Unterstützung für Spotify, um den Streamingdienst direkt auf den Lautsprecher zu bringen. Zudem bringen immer mehr Hersteller auch Lautsprecher, die neben Amazons Alexa einmal auch den Google Assistant an Bord haben werden – etwa Sonos mit dem Modell One.

Angesichts dieser Konkurrenz könnte es durchaus sein, dass Apple in die Mauer seines „walled garden“ doch noch das ein oder andere Tor einbaut. So kann man inzwischen auf dem Apple TV nicht nur Filme beim Apple-Dienst iTunes ausleihen und kaufen, sondern Videos von Netflix, Sky, Maxdome oder Amazon Prime anschauen. Beim HomePod gibt es aber derartige Ankündigungen bislang nicht.

Während man also auf eine Öffnung des „walled garden“ nur vage hoffen kann, hat Apple andere Verbesserungen bereits angekündigt. Derzeit kann man weder zwei Homepods zu einem Stereopaar verknüpfen, noch kann man ein Musikstück in mehreren Räumen auf HomePods synchronisiert abspielen. Hier haben andere Anbieter die Nase vorn. Apple will beide Funktionen mit dem erweiterten Standard AirPlay 2 als Update nachliefern, vermutlich noch im ersten Halbjahr 2018.

Wie sich der smarte Apple-Assistent Siri auf Deutsch schlagen wird, wird erst klar, wenn der HomePod auch in Deutschland angeboten wird. Auf Englisch macht er auch in Deutschland eine ganz gute Figur. Am Standort Berlin gab es etwa konkrete Vorschläge für italienische Restaurants in der Umgebung. Die Vielzahl der Audio-Apps („Skills“), die Amazon für seine Echo-Lautsprecher im Programm hat, sucht man bei Apple aber zum HomePod-Start vergebens.

Interessenten aus Deutschland, die sich schon vor dem Marktstart hierzulande einen HomePod in Großbritannien für 319 Pfund (knapp 360 Euro) zulegen wollen, sollten wissen, dass der Lautsprecher nur mit einem fest montierten Stromkabel ausgeliefert wird. Wer den englischen HomePod an eine deutsche Steckdose anschließen möchte, braucht also einen Adapter – und das würde Apple-Chefdesigner Jony Ive gar nicht gefallen.

Persönliche Anfragen

An einer Stelle der Einrichtung sollten Nutzer aufpassen: Wenn sie beim Setup persönliche Anfragen („Personal Requests“) erlauben, können auch andere über den HomePod per Sprachbefehl persönliche iMessages senden oder sich vorlesen lassen, wenn sich ein iOS-Gerät im selben Netzwerk befindet. Wer das nicht möchte, sollte diese Funktion nicht aktivieren.

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