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Düsseldorf

Echte Hilfe oder PR? Bewertungen im Web einschätzen

dpa/tmn

Stolze 650 Euro kostet das Offiziersmesser, und seine 141 Funktionen sind nicht zu verachten. Und trotzdem wollen manche noch mehr: einen Teilchenbeschleuniger etwa oder auch besser aufgeteilten Stauraum.

Selbst wer häufig auf dem Schlauch steht, wird bemerken: Diese Kunden-Einträge bei Amazon sind nicht ernstzunehmen. Doch leider stehen nicht immer Spaßvögel hinter gefälschten Bewertungen. Oft sind es PR-Profis, die Produkte und Dienstleistungen gezielt ins ihnen rechte Licht rücken wollen.

Der Schmu funktioniert etwa folgendermaßen: Ein Unternehmen möchte seiner neuen App fürs iPhone zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Daher spannt sie eine Agentur ein: Sie soll Blogger dazu bringen, lobende Beiträge über die Software zu verfassen. Oder ein Konzern hat den Eindruck, er komme in der öffentlichen Wahrnehmung nicht gut genug weg und gibt aus diesem Grund Geld dafür aus, dass in Foren und Blogs immer mal wieder sinngemäß zu lesen ist: «Ich bin hoch zufrieden mit denen, die sind bei weitem nicht so schlecht wie ihr Ruf.»

Wie häufig versucht wird, Netznutzer auf der Suche nach Infos über Waren und Dienstleistungen mit gefälschten Bewertungen hereinzulegen, weiß wohl niemand. «Aber man sollte damit rechnen», sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Aus Sicht der Schummler ist das verständlich. Denn immer wieder belegen Umfragen, wie viele Anwender solche Bewertungen beachten, wenn sie irgendwas oder auch irgendwo kaufen wollen. So ermittelte vor wenigen Monaten die GfK-Marktforschung, dass fast jeder zweite potenzielle Kunde von Onlineshops (46,4 Prozent) erstmal ein Auge darauf wirft, welche Erfahrungen andere mit dem Anbieter gemacht haben.

«Wer ein geschultes Auge hat, erkennt gefälschte Einträge an geschliffenen Sätzen, die ein normaler Nutzer nicht schreiben würde», sagt Jan Bruns vom Magazin «Computerbild» in Hamburg. Stutzig sollte man auch bei Aussagen werden, die sich mit der Werbung der jeweiligen Firma decken. «Ein Beispiel ist die 12-Megapixel-Kamera, bei der es in der Bewertung komischerweise um genau die beworbene grandiose Bildqualität geht.»

Überhaupt die Lobhudelei: Wo nicht abgewogen und ausschließlich gejubelt wird, ist Vorsicht geboten, rät Maurice Shahd vom BITKOM, dem IT-Branchenverband aus Berlin. Auf Webseiten, die diese Funktion bieten, empfehle sich dann ein Blick auf die weiteren Einträge des Nutzers. «Wenn man dann sieht, dass der im letzten Jahr 20 Digicams oder Verstärker positiv rezensiert hat, kann man sich schon fragen: Hat der nichts anderes zu tun oder zu viel Geld?» Oder man zieht daraus den Schluss, dass hier jemand im Auftrag eines Dritten und vielleicht gegen Entlohnung professionell Positives schreibt.

Obwohl Web-Bewertungen eine heikle Sache sind, verteufeln Experten sie nicht. Auch Bruns ist überzeugt, dass die Postings hilfreich sein können, sofern der Leser den «richtigen Filter im Kopf» hat, also etwa aufmerksam genug liest. Diesen Einschätzungen gibt eine neue «Computerbild»-Untersuchung von 21 Bewertungsportalen Nahrung. Die Tester fanden nach Jan Bruns' Worten nur wenige gefälschte Bewertungen. Außerdem hatten sie selbst solche verfasst und kamen damit meist nicht durch – wegen wachsamer Communitys und tauglicher Prüfmethoden der Betreiber. «Wir haben aber schon in der Formulierung deutlich gemacht: Da stimmt was nicht.»

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