40.000
  • Startseite
  • » Nachrichten
  • » Netzwelt
  • » Multimedia
  • » Von der Idee zum Patent: Fiberglasfingernägel und Safttester
  • Aus unserem Archiv
    München

    Von der Idee zum Patent: Fiberglasfingernägel und Safttester

    «Wenn doch bloß an meinem Bleistift gleich schon ein Radiergummi säße...» Mit solchen Gedanken gehen sie los, die Erfindungen. Manche davon kennt später jeder aus dem Alltag. Der Weg dahin ist aber weit.

    Urkunde für die Wand
    So eine Schmuckurkunde können sich besonders stolze Patentinhaber für 15 Euro ausstellen lassen.
    Foto: Mascha Brichta - DPA

    Gesichtsmuskeltrainer, Fiberglasfingernägel, Herzmassagehandschuh: Das sind Hermann Borwalds (Name geändert) Stationen auf der Suche nach dem großen Coup. Er sitzt im Hotel in Dubai, wo er gerade Financiers für etwas ganz Neues sucht: ein Gerät, das anzeigt, ob zum Beispiel Orangensaft verdorben ist. Selbst erfunden hat Borwald seine Produkte aber nicht. Er ist Patentverwerter, er findet Erfinder. Mit ihnen zusammen oder allein meldet er Patente an - wenn es sich lohnt.

    Recherchesaal des Berliner Patentamtes
    Im Recherchesaal des Patentamtes, hier in Berlin, können Erfinder herausfinden, ob schon jemand vor ihnen die gleiche Idee hatte.
    Foto: Mascha Brichta - DPA

    Zunächst einmal kosten Patente Geld, Zeit und manchmal auch Nerven. Im Moment vergingen bis zur Patentvergabe durchschnittlich drei Jahre, sagt Bettina Berner vom Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) in München. Insgesamt müsse der Anmelder bis zur Patenterteilung mit Ausgaben von rund 400 Euro rechnen. Weitere Informationen hält das Patentamt in einer Broschüre zum Download bereit.

    Patente vor der Anmeldung recherchieren
    Früher wurden die erteilten Patente noch handschriftlich eingetragen. Heute wird alles in einer digitalen Datenbank archiviert.
    Foto: Mascha Brichta - DPA

    Maximal 20 Jahre laufe ein Patent, erklärt das DPMA. Ab dem dritten Jahr fallen Verlängerungsgebühren an, die im Laufe der Jahre steigen. Wer die 20 Jahre voll ausnutzt, zahlt insgesamt je nach Art der Verwertung zwischen 13 000 und 14 000 Euro.

    Marken schützen lassen
    Wie funktioniert der Markenschutz? Im Recherchesaal des Berliner Patentamtes können Interessierte sich zu dem Thema informieren.
    Foto: Mascha Brichta - DPA

    Auch ist nicht jede Idee patentfähig, warnt Berner. Es müsse eine technische Erfindung sein, die weltweit nicht zum Stand der Technik gehören dürfe. «Außerdem muss eine erfinderische Tätigkeit vorliegen.» Erfinderisch sei eine Idee zum Beispiel nicht, wenn sie zu naheliegend ist. Habe Herr X bereits einen neuartigen Airbag für Autofahrer erfunden, sei es nicht besonders erfinderisch, wenn Frau Y einen Airbag für Beifahrer nach demselben Prinzip entwickelt. Zudem müsse die Erfindung gewerblich nutzbar sein. Nur 40 bis 45 Prozent aller Anmeldungen haben laut Berner das Zeug zum Patent. 2011 erteilte die Behörde laut Jahresbericht fast 12 000 Patente.

    Ein Patent anzumelden, lohne daher nur, wenn der Erfinder wisse, wie er es produzieren und vermarkten könne, sagt Mike Hannemann vom Deutschen Erfinder-Verband, der auf seiner Website weitere Informationen zu diesem Thema anbietet. «Deshalb ist man gut beraten, wenn man mit der Industrie verhandelt.» Wer zum Beispiel einen besonderen Autoairbag erfunden hat, sollte ihn Autoherstellern anbieten. Dabei müsse er entscheiden, ob er das gesamte Patent abtreten wolle oder Stücklizenzen abgebe und so an jedem verkauften Teil etwas verdiene.

    Reich werden könne ein Patentinhaber durchaus, sagt Borwald. «Wenn Sie ein Produkt wirklich zum Weltmarktführer machen, dann können Sie, wenn Sie Glück haben, als Schumacher rausgehen.» Gemeint ist Formel-1-Profi Michael Schumacher, also ein echter Spitzenverdiener. Zu große Hoffnungen seien aber nicht angebracht. «So lange das nicht funktioniert, verdienen Sie halt gar nichts, null.» Eine Nase für die richtige Idee gehöre dazu. «Und das Nächste ist, dass man ganz nüchtern überlegt: Braucht das die Menschheit?»

    Eine Zahnschiene zum Trainieren der Lippenmuskeln, um Falten vorzubeugen - das braucht die Menschheit, wenn es nach Borwald geht. Solche Ideen findet er manchmal in der Datenbank des Patentamts. Eine Zahnärztin habe dort ein Gebrauchsmuster für den Gesichtsmuskeltrainer angemeldet. «Ich habe den Namen 'Lippentrainer' gesehen und gedacht, okay, das könnte was sein.» Also machte Borwald aus dem Gebrauchsmuster ein Patent.

    Das Gebrauchsmuster sei genauso ein Schutzrecht wie das Patent, koste aber weniger, laufe nur maximal zehn Jahre und brauche keine drei Jahre Bearbeitungszeit, erklärt Berner. Deshalb heiße es auch «kleines Patent». Größter Unterschied: Die Behörde prüft nicht, ob die Erfindung schutzfähig ist - das tut sie erst im Streitfall.

    Daneben gibt es auch noch das Geschmacksmuster und die Marke. Während das Patent ein Schutzrecht für technische Erfindungen sei, handele es sich beim Geschmacksmuster um ein Schutzrecht für Designs. Eine Marke sei das Schutzrecht für Namen, erklärt Berner.

    Borwald arbeitet nur mit Patenten. Momentan versucht er sich neben dem O-Safttester und dem Lippentrainer auch noch an samtweichen und trotzdem stabilen Fingernägeln aus Fiberglas. Ein anderes Projekt sei ein Herzmassagehandschuh, der «Klick» macht, wenn der Benutzer den Brustkorb des Patienten zu fest drückt. Ob ihn seine Patente schon auf Schumacherniveau gehoben haben, behält er lieber für sich.

    Informationsbroschüre zum Patent (pdf.)

    Jahresbericht 2011 des Deutschen Patent- und Markenamts (pdf.)

    Patentdatenbank zur Eigenrecherche

    Informationen zum Patent

    Informationen zum Gebrauchsmuster

    Weitere Informationen zum Geschmacksmuster

    Informationen zur Marken-Anmeldung

    Tipps und Beratungen für Erfinder beim Deutschen Erfinder-Verband

    /serviceline/technik_telekommunikation/berichte/
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    9°C - 19°C
    Sonntag

    9°C - 14°C
    Montag

    9°C - 14°C
    Dienstag

    10°C - 13°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!