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Berlin

Kacheln, Hubs, schnelle Hardware: Windows Phone 7

dpa/tmn

Windows Phone 7 ist der Benjamin unter den mobilen Betriebssystemen. Die intuitive Bedienung und eine übersichtliche, schnelle Oberfläche sprechen auch Einsteiger an. Doch manche werden sich an Einschränkungen stören.

Windows Phone 7
Kacheln schaffen Übersicht: Die aktive Marketplace-Tile signalisiert gerade, dass sechs Updates für Anwendungen bereitstehen. (Bild: Koark/dpa/tmn)
Foto: DPA

Kacheln, überall Kacheln: Schon optisch geht Microsoft bei seinem neuen mobilen Betriebssystem (OS) Windows Phone 7 neue Wege. Während der menülastige Vorgänger Windows Mobile mehr oder weniger das Desktop-Windows imitierte, handelt es bei dem OS, das im Oktober 2010 erschienen ist, um eine Neuentwicklung, die sich von der Google-Android- und Apple-iOS-Konkurrenz absetzt.

Windows Phone 7
Bing an Bord: Natürlich setzt Microsoft beim eigenen Smartphone-Betriebssystem auch auf die eigene Suchmaschine. (Bild: Koark/dpa/tmn)
Foto: DPA

Metro-Design nennt Microsoft die übersichtliche Kacheloptik mit schnörkellosen Navigationselementen, die an Piktogramme von Schildern oder Wegweisern erinnern. «Das macht es auch für Einsteiger interessant», sagt Ralf Trautmann vom Telekommunikationsportal Teltarif.de. «Man kann nicht so viel falsch machen.»

Windows Phone 7
Die Hubs präsentieren sich wie eine Leinwand: Auf dem Display arbeitet man sich per Fingerwisch bequem von links nach rechts oder umgekehrt. (Bild: Microsoft/dpa/tmn)
Foto: DPA

Die Kacheln (Tiles) für den E-Mail-Account, für SMS, Facebook oder Twitter signalisieren auf der frei veränderbaren Startmenü-Seite aktiv neue Nachrichten. Das Startmenü lässt sich nach links «wegwischen», und die installierten Anwendungen erscheinen. «Phone 7 ist sehr reduziert und sehr einfach zu bedienen», sagt Alexander Hengesbach, Usability-Experte beim Beratungsunternehmen Sirvaluse.

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Aufgeräumtes Postfach: Ein Fingerwisch von rechts nach links würde jetzt die Seite mit ungelesenen E-Mails aufs Display holen. (Bild: Koark/dpa/tmn)
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Ein innovatives Navigationsprinzip sind die Hubs, was so viel wie Knotenpunkte bedeutet. Hinter Kacheln wie «Office» oder «Musik & Video» verbergen sich ganze Funktionsbereiche quasi auf einer einzigen breiten Leinwand. Weil die nicht auf einmal ins Display passt, kann man per Fingerwisch nach links oder rechts seitenweise über die Leinwand navigieren. «Am Displayrand ist immer ein Anschnitt der angrenzenden Seiten zu sehen – so wird einem klar, dass es weitergeht», erklärt Hengesbach.

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Der Office-Hub: Ob es weitergeht oder nicht, erkennt der Nutzer immer am Anschnitt der nächsten Seite am rechten Displayrand. (Bild: Microsoft/dpa/tmn)
Foto: DPA

Microsoft ist streng mit seinen Lizenznehmern: Wer als Hersteller ein Smartphone mit Phone 7 als OS ausliefern will, muss nicht nur auf eigene Benutzeroberflächen verzichten: Jedes Windows-Phone hat auch nur drei Knöpfe: «Zurück», «Home» und eine Suchtaste, die Bing aktiviert. Austauschbare Speicherkarten sind nicht vorgesehen. Wenn eine Karte eingesetzt werden kann, wird sie fester OS-Bestandteil.

Technisch gilt: Ein Muss sind mindestens ein Gigahertz-Prozessor, wegen der Xbox-Live-Spieleplattform ein Grafikbeschleuniger, acht Gigabyte Speicher, ein Multitouch-Display mit 800 mal 480 Pixeln, GPS, Kompass, diverse Sensoren und eine Kamera mit mindestens fünf Megapixeln Auflösung. «Die hohen Hardware-Anforderungen machen sich positiv bemerkbar», sagt Hengesbach. Das Scrollen und Animationen seien sehr flüssig.

Bislang gibt es erst rund zehn Handys mit Phone 7 – zu Straßenpreisen zwischen 200 und 500 Euro, meist von HTC, LG und Samsung. Es sind aber viele neue Handys zu erwarten: Nokia will ab 2012 überwiegend Phone 7 statt Symbian auf Smartphones aufspielen.

Microsoft kontrolliert auch bei den Apps: Nichts kommt ungeprüft auf den Marketplace. Derzeit stehen schon mehr als 11 500 Apps zur Verfügung. Android und iOS bringen es auf 150 000 beziehungsweise 300 000 Apps, sind aber auch schon länger auf dem Markt. Die starren Vorgaben erinnerten an Apple, heißt es in einem Test der Zeitschrift «Connect». «Das führt dazu, dass sich Geräte der ersten Generation sehr ähneln, doch dafür überzeugen auch alle in der Anwendung.»

Allerdings werden Kontakte, E-Mails und Kalendereinträge über das Internet und Microsoft-Server mit dem PC synchronisiert – ein Abgleich über Kabel oder Bluetooth ist nicht möglich. «Für Leute, die es anders kennen, ist das ein Mangel», meint Trautmann. Außerdem sei Windows-Live-ID (Hotmail-Adresse) obligatorisch – zum Beispiel für die Synchronisierung oder für den App-, Spiele- und Musik-Marktplatz.

«Es ist ein recht geschlossenes System, man hat keinen Zugriff auf das Dateisystem», sagt Trautmann. Der Anwender kann sich zum Beispiel nicht wie vom PC gewohnt durch Ordnerstrukturen klicken. «Das ist eine Einschränkung.» Zum Austausch zwischen Handy und Rechner muss die Microsoft-Medienverwaltung Zune auf dem PC installiert werden. Diese verbindet sich per WLAN mit dem Zune-Player auf dem Handy.

«Negativ aus Benutzersicht ist die Notwendigkeit, die Zune-Software zu benutzen, um Filme, Fotos oder Musik zu übertragen», sagt auch Hengesbach. Bei Android hätten die Nutzer dagegen vollen Zugriff auf das Dateisystem. «Das finde ich einfacher, Software wie Zune oder iTunes ist eher umständlich.» Zune akzeptiert aber keine Dokumente wie Word- oder PDF-Dateien. Hier muss man den Umweg über Microsofts Netzwerkspeicher-Dienst Sky-Drive (25 Gigabyte) gehen oder das Dokument an eine E-Mail anhängen. Macs finden übrigens mit dem Programm Windows Connector Anschluss an Phone-7-Handys.

Ein erstes Update für Phone 7 hat es bereits gegeben. «Copy & Paste war das zentrale Feature, dass viele erwartet haben und das nachgereicht wurde», sagt Trautmann. «Es gibt aber durchaus Funktionen, die noch fehlen.» Mit dem nächsten geplanten Update könnten eine Modemfunktion (Tethering) und der Internet Explorer 9 kommen. Der aktuelle Phone-7-Browser unterstützt kein Flash.

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