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    London

    “Mind the Gap”: Witwe erhält U-Bahn-Stimme ihres Ehemannes zurück

    Mit dem legendären Satz "Mind the Gap" warnt Londons U-Bahn die Fahrgäste vor der Lücke zwischen Bahnsteig und Zug - für die Witwe eines früheren Sprechers der automatischen Ansagen hat der Satz aber noch eine tiefere Bedeutung. Die U-Bahn-Gesellschaft hat der rührenden Geschichte zu einem Happy End verholfen.

    London - U-Bahn
    U-Bahn-Station in London.
    Foto: Andreas Gebert - DPA

    Die Mitarbeiter der Londoner U-Bahn-Station Embankment sahen oft die sanfte Frau mit der randlosen Brille und den grauen Haaren. Sie kam sechs Jahre lang hierher, um auf einer Bank zu sitzen. Züge hielten und fuhren davon, doch Margaret McCollum stieg nicht ein, sondern sie beobachtete lediglich die aussteigenden Menschen und lauschte der Ansage von Band, die vor dem Spalt zwischen Wagen und Bahnsteig warnte: „Mind The Gap!“. Manchmal erhellte ein Lächeln ihr Gesicht. Die 65-jährige Londonerin kannte bestens diese kräftige, dunkle Stimme, die zu ihr alleine zu sprechen schien. Bis sie eines Tages plötzlich verstummte.  Hier ist sie auf einer älteren Aufnahme zu hören: 

    Es ist eine einfache, bewegende Liebesgeschichte. Eine britische Ärztin verliebt sich 1992 auf einer Urlaubsreise nach Marokko in ihren gut aussehenden Reiseführer. Oswald Lawrence ist ein früherer Schauspieler, der in den 60er Jahren kleinere Rollen in Kino- und Fernsehfilmen gespielt hat. In den 90ern erinnern sich nicht viele an seinen Namen, doch viele Tausende Menschen hören weiterhin seine Stimme: „Mind the Gap!“ Die Londoner „Tube“ lässt seit 1969 die Reisenden vor der berühmt-berüchtigten Lücke warnen, und Lawrence ist einer der wenigen Menschen, die für die weltberühmte Ansage ihre Stimme geliehen haben. McCollum heiratet ihren Geliebten und lebt mit ihm glücklich im Norden der Metropole, bis der 80-jährige Brite 2007 an den Folgen einer Herzkrankheit stirbt. Es ist ein großer Verlust für Margaret, die fortan oft in den Untergrund steigt, um ihren Oswald zu hören und Trost zu finden.

    Doch die Digitalisierung der ältesten U-Bahn der Welt schreitet voran, und der verstorbene Schauspieler ist immer seltener auf der Northern Line zu hören - bis am 1. November 2012 auch Embankment als letzte Station die vertraute Stimme abschaltet und durch eine sterile Computer-Ansage ersetzt. Margaret ist entsetzt. Sie schreibt der Transportbehörde Tfl einen Brief mit der Bitte, wenigstens eine Kopie des alten „Mind the Gap“ als Andenken an ihren Mann zu erhalten. Die CD trifft kurz vor Weihnachten ein. Unerwartet bekommt die Pensionärin vom Chef von London Underground, Nigel Holness, ein weiteres Geschenk. Holness ist von Margarets Geschichte so gerührt, dass er seine Techniker anweist, die akustische Änderung auf der Northern Line wieder rückgängig zu machen.

     Am vergangenen Donnerstag war Oswald Lawrence erstmals seit Monaten wieder in der zentralen Station zu hören, und McCollum freute sich über ein Happy End. Angeblich kann die nostalgische Aufnahme aus den 60ern zurzeit wegen „technischer Schwierigkeiten“ nicht permanent abgespielt werden. Doch Tfl arbeitet nach eigenen Worten an einer dauerhaften Lösung.

    Von Alexei Makartsev

     

     

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