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    Geheimwaffe “Euro-Hump”: Briten schicken Oldie-Veteranen ins Schnulzenrennen

    Die Angelegenheit ist ernst. So ernst, dass bei der „Times“ der Außenpolitikchef persönlich in die Tasten greifen musste. Die überraschende Wahl des 76-jährigen Schnulzen-Königs Engelbert Humperdinck zum britischen Vertreter bei dem Eurovision Song Contest 2012 in Baku sei ein „cleverer geopolitischer Schachzug“, triumphierte Roger Boyes.

    Die angebliche Geheimwaffe der Briten: Der 76-Jährige Engelbert Humperdinck soll als Oldie für das Königreich beim Eurovision Song Contest den Titel holen.
 
    Die angebliche Geheimwaffe der Briten: Der 76-Jährige Engelbert Humperdinck soll als Oldie für das Königreich beim Eurovision Song Contest den Titel holen.  
    Foto: DPA

    London - Die Angelegenheit ist ernst. So ernst, dass bei der „Times“ der Außenpolitikchef persönlich in die Tasten greifen musste. Die überraschende Wahl des 76-jährigen Schnulzen-Königs Engelbert Humperdinck zum britischen Vertreter bei dem Eurovision Song Contest 2012 in Baku sei ein „cleverer geopolitischer Schachzug“, triumphierte Roger Boyes.

    Die Begründung: Der gute alte „Euro-Hump“ werde am 26. Mai wie eine Schlagergranate die „herrschenden Wahlblöcke in Europa aufbrechen“ und Britannia den Sieg bescheren.

    Es war jedoch bezeichnend, dass die Londoner Presse gestern erst ihre Leser darüber aufklären musste, dass der Mann, der 1969 die „Spanish Eyes“ anschmachtete, tatsächlich noch am Leben sei.

    Engelbert wer? Vielleicht werden sich die englischen Pensionäre noch erinnern können, wie sie vor 45 Jahren den Plattenverkäufern die Schmuse-Single „Release Me“ aus den Händen rissen, mit der ein glutäugiger Koteletten-Troubadour zeitweilig die Beatles vom Platz 1 verdrängt hatte. Für die Lady-Gaga-Generation ist Humperdinck jedoch kein Begriff. Ja, der ergraute „König der Romanze“ sei der älteste Interpret, der jemals am Euro-Wettbewerb teilgenommen habe, räumte gestern eine BBC-Sprecherin ein. Doch dies sei kein Nachteil. „Seit den 70er Jahren hat nicht mehr solche eine Musiklegende unser Land vertreten. Wir sind begeistert“, hieß es bei dem Sender. Die BBC hat 2012 den Eurovisionskandidaten selbst ausgewählt, statt wie immer ihre Zuschauer abstimmen zu lassen. Humperdinck wird in Baku ein bislang unbekanntes Lied des James-Blunt-Komponisten Sacha Skarbek singen, das der Grammy-Preisträger Martin Terefe produzieren soll. „Ich bin sehr aufgeregt und möchte die ganze Nation um Unterstützung bitten“, kommentierte der glückliche Sänger die „Riesenehre“ und sein Comeback in die Schlagzeilen.

    Freddie Mercury kam bekanntlich als Farrock Bulsara zur Welt. Und Engelbert Humperdinck heißt – welch eine Überraschung – nicht wirklich wie der berühmte deutsche Komponist (1854-1921), dessen Märchenoper „Hänsel und Gretel“ ein globaler Hit bleibt. Der im indischen Madras geborene Offizierssohn Arnold Dorsey legte sich vielmehr im Alter von 29 Jahren einen der „dümmsten Namen der Pop-Geschichte“ (Daily Telegraph) zu, um aufzufallen. Mit Erfolg – wenig später katapultierte die Single „Release Me“ den sanften Herzensbrecher an die Spitze der britischen Charts, wo sie sechs Wochen lang blieb. Es folgten 150 Millionen verkaufte Alben weltweit, vier Grammy-Nominierungen und ein Stern in Hollywoods „Walk of Fame“. Auf seiner Webseite behauptet Humperdinck, dass er noch vor seinem Freund Elvis die Koteletten zur Bühnenmode gemacht habe. Der ewige Romantiker war zuletzt in Indien viel populärer als in seiner Inselheimat. Das wird sich jetzt ändern. „Zeit für ein Humperdinck-Revival“, befand gestern ein Rock-Kritiker des „Daily Telegraph“.

    Die Briten haben die europäische Schlagerschlacht zuletzt vor 15 Jahren mit „Love Shine A Light“ von Katrina And The Waves gewonnen. Seitdem erlebten sie mehrere peinliche Eurovisionsblamagen wie im Fall der Liverpooler Popgruppe Jemini, die 2003 nicht einen Punkt für ihr Lied bekam. 2010 kam der Londoner Josh Dubovie als Letzter ins Ziel. Im vergangenen Jahr schafften es „Blue“ immerhin auf Platz Elf. Die Experten halten es für möglich, dass der Schnulzenveteran Humperdinck dank seiner vielen Fans in Osteuropa dem Königreich zum Durchbruch verhelfen könnte. Die britischen Buchmacher sahen ihn gestern jedenfalls weit vor Roman Lob.

    Von unserem Korrespondenten Alexei Makartsev

     

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