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    YouTube-Star Dagi Bee warnt Eltern: Passt auf, was eure Kinder im Internet machen

    Wenn man sich mit YouTube-Star Dagi Bee trifft, sind die Fans nicht weit. Sie lauern auf Autogramme. Die 21-Jährige ist dabei erstaunlich locker und bodenständig geblieben.

    Wir haben Dagi Bee zum Interview ins RZ-Druckhaus eingeladen.
    Wir haben Dagi Bee zum Interview ins RZ-Druckhaus eingeladen.
    Foto: Jens Weber

    Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

    Zur Vorbereitung dieses Interviews habe ich Dutzende von YouTube-Videos geschaut und Ihnen dabei zugeschaut, wie Sie sich schminken und wie Sie aus Wachsmalkreide Lippenstift basteln. Protest! Das war unglaublich langweilig.

    (lacht) Das mag daran liegen, dass Sie kein Mädchen und damit nicht so ganz meine Zielgruppe sind.

    Mädchen schauen sich echt gegenseitig dabei zu, wie man sich schminkt?

    Aber ja! Fragen Sie mal eine 12- oder 15-Jährige. Das machen wir Mädels. Aber man darf uns YouTuberinnen auch nicht auf Beauty reduzieren. Ich mache auch viele Comedy-Videos.

    Stimmt. Telefonstreiche und so. Das war gar nicht mal so übel.

    (grinst) Sehen Sie! Aber man darf auch die Beauty-Themen nicht unterschätzen, das interessiert so viele! Das sind ganz simple Themen: Ich zeige den Mädels Schminkideen oder wie man sich außergewöhnliche Nägel lackieren kann, zum Beispiel mit Spritzern aus Kunstblut für Halloween.

    Man bekommt den Eindruck, Sie seien die beste Freundin von knapp 2,5 Millionen Menschen. So viele haben Ihren YouTube-Kanal abonniert.

    Es mag schon sein, dass mich manche Mädels als beste Freundin sehen. Ich nehme sie in meinen Videos ja auch wirklich in mein Privatleben mit, und wir haben quasi Spaß zusammen. Ich kann auch über mich selbst lachen.

    Über welche Themen kann man denn privat mit Ihnen reden? Politik?

    Nicht so sehr. Ich verfolge die Nachrichten leider nicht immer regelmäßig, dazu fehlt mir die Zeit. Und deshalb setze ich mich auch mit politischen Themen nicht sonderlich auseinander. Natürlich bekomme ich mit, wenn Wahlen sind, und kümmere mich dann auch intensiver um die Politik, aber ich sitze jetzt nicht mit meinem Freund am Frühstückstisch und diskutiere über solche Themen.

    Literatur?

    Deutsch war definitiv nicht mein Lieblingsfach in der Schule. (lacht) Privat war ich eigentlich immer eine Leseratte und habe sehr viele Bücher gelesen. Aber das ist wegen YouTube auch fast komplett eingeschlafen. Das ist echt traurig! Aber ich bin auch sehr beschäftigt. Ich bereite die Videos vor, drehe und schneide sie. Außerdem habe ich eine Menge Termine und muss viel reisen. Im Urlaub kann ich Bücher lesen, ja. Eine Leidenschaft habe ich sonst noch: die Kunst. Andy Warhol ist mein Lieblingskünstler. Ich mag es sehr, in einem Museum zu sein und 20 Minuten vor einem Werk zu stehen. Und einfach zu schauen. Die Gedanken laufen zu lassen.

    Das wäre doch mal eine Videoidee! Sie stehen vor einem Gemälde und erklären, was Ihnen in den Sinn kommt. Das wäre spannender als Schminken.

    (lacht) Genau, ein Tutorial "So schaut man sich im Museum ein Gemälde an". Ganz im Ernst: Das habe ich schon mit 16 Jahren gern gemacht, ich bin in Düsseldorf und Bonn in jede gute Ausstellung gegangen. Hey, jetzt wissen Sie etwas, was kaum jemand von mir weiß.

    Das will was heißen!

    Die geheimnisvolle Dagi Bee hat ein Geheimnis gelüftet. (grinst)

    Für Erwachsene ist das ja wirklich oft geheimnisvoll, was die heutige Jugend macht und toll findet. Sie sind 21 - was ist jungen Menschen heutzutage wichtig?

    Manchmal hat man den Eindruck, dass es Katzenvideos im Internet sind. Auf jeden Fall spielt das Smartphone eine riesige Rolle - es läuft ja praktisch nichts mehr ohne das Smartphone bei uns. Egal, ob Twitter, Facebook oder Snapchat. Obwohl ich dieses angebliche Jugendwort Smombie - also eine Zombie, der nur auf sein Smartphone schaut - noch nie gehört hatte. Aber es stimmt schon, dass wir ohne unser Handy aufgeschmissen sind.

    Von wem lässt man sich als junger Mensch heute noch was sagen?

    Von meinen Eltern lasse ich mir was sagen. Ich lasse mir sogar von ihnen sagen, ob meine Videos gut oder schlecht sind. Einmal habe ich mir für ein Video zusammen mit meiner Cousine Essen auf den Kopf geschmiert und fand das lustig, aber meine Eltern haben gesagt, dass das gar nicht geht. Und das habe ich mir wirklich zu Herzen genommen und mache so einen Quatsch nicht mehr mit Lebensmitteln. Auch wenn das Video bei meiner Community auf YouTube supergut angekommen ist ...

    Wovon träumen Sie mit Anfang 20?

    Als ich mit 18 Jahren mit YouTube angefangen habe, hatte ich noch sehr jugendliche Träume. Inzwischen bin ich 21 und merke, dass meine Vorstellungen erwachsener werden - auch wenn das meiste noch in weiter Ferne liegt und ich einfach den Moment genieße. Ich bin mit meinem Freund zusammengezogen und könnte mir irgendwann eigene Kinder vorstellen. Oder habe den Gedanken, in einigen Jahren ein Haus zu bauen. So Dinge waren mir mit 18 Jahren völlig egal. Aber wie gesagt - alles noch lange hin! (lacht)

    Sie werden in den Videos sehr privat.

    Stimmt schon. Ich habe erzählt, dass wir eine neue Küche bekommen. Ich weiß, dass das sehr privat ist. Aber ich werde mich nicht mit meinem Freund zusammen vor die Kamera setzen und rumknutschen oder so.

    Ist beim Knutschen zugucken langweiliger als beim Schminken zugucken?

    (schmunzelt)

    Sie haben nicht nur Freunde im Internet. Es gibt auch viele "Hater" - also Menschen, die Sie beschimpfen.

    Neid ist ein großes Problem, ja. Ich bekomme sehr beleidigende Kommentare. "Du bist scheiße" ist noch nett. Aber die Menschen schreiben mir: "Warum lebst du überhaupt?", "Bring dich um!" und sogar: "Warum hast du nicht in dem Germanwings-Flug gesessen, der in den Alpen abgestürzt ist?" Warum machen Menschen so etwas? Das können meine Eltern lesen! Manche schreiben mir: "Du machst das alles nur, um Geld zu verdienen. Du bist geldgeil." Ja, genau, ich verdiene damit Geld - ist das etwas Schlechtes? Ich arbeite hart, auch wenn das Ergebnis so leicht aussieht. Und Geld für seine Arbeit zu bekommen, das ist doch nicht verkehrt!

    Hat Facebook dazu geführt, dass wir roher geworden sind?

    Ja. Der Hass, der im Internet unterwegs ist, ist unglaublich. Und er trifft viele: von den Schwachen in der Gesellschaft bis hin zu bekannten Persönlichkeiten. Auch in Facebook-Kommentaren streiten die Leute oftmals nicht mehr, sondern sie beleidigen sich lieber. Und wie viele Schüler werden auf übelste Weise übers Internet gemobbt! So etwas gab es früher in diesem Ausmaß einfach nicht.

    Sie sind ein Star des Internets - können Sie etwas dagegen tun?

    Ich versuche es. Mit ein paar Freunden arbeite ich derzeit an einem Video gegen Internethass. Ich arbeite Fälle auf, die real passiert sind: Zum Beispiel hat ein Exfreund Nacktfotos, die er von seiner Freundin gemacht hatte, nach der Trennung ins Internet gestellt. Das Mädchen war so geschockt, dass es Bleichmittel geschluckt und sich umgebracht hat. Das geht zu weit. Ich möchte den Leuten zeigen, was dieser Hass auslösen kann, was Hater anrichten. Ich habe ein dickes Fell. Wenn mir jemand in die Kommentare schreibt, dass ich mich umbringen soll, dann zucke ich mit den Achseln. Aber es gibt Leute, die lesen so einen Kommentar unter einem ihrer Fotos und tun das wirklich! Die bringen sich um, weil sie keinen Ausweg mehr sehen aus dem Cybermobbing. Warum muss man solche Kommentare schreiben? Mir gefallen auch nicht alle Dinge, die ich sehe. Aber ich kann doch den Mund halten.

    Das Internet ist so herrlich anonym.

    Ganz genau. Diese Menschen sind unglaublich feige. Glauben Sie mir: Ich mache jetzt seit drei Jahren YouTube-Videos, und ich bin kein einziges Mal auf der Straße angesprochen worden, dass ich doof bin. Noch nie hat mir jemand das ins Gesicht gesagt. So viele "Bring dich um"-Kommentare, wie ich bekomme - da müsste ich doch schon längst einen von denen getroffen haben. Aber die trauen sich das nicht, mir so etwas ins Gesicht zu sagen. Gut, ich bettel jetzt auch nicht darum - aber es ist schon auffällig. Es wissen auch viele nicht, dass man für so etwas angezeigt werden kann - auch im Internet. Manche schreiben das sogar unter ihrem echten Namen. Dann schaue ich mir die Profilbilder an - die sind elf Jahre alt!

    Haben die keine Eltern?

    Die Eltern wissen oft nicht, was im Internet passiert. Das ist mein großer Appell: Liebe Eltern, passt auf, was eure Kinder im Internet machen! Da postet mir ein zehnjähriges Mädchen, süß wie meine kleine Schwester, den Kommentar "Du Hure" unter eines meiner Instagram-Fotos. Was ist in dieser Familie los? Viele sind auch schlicht zu jung fürs Internet. Ich passe zum Beispiel auf meine kleine Schwester im Internet auf: Ich helfe ihr, was man twittert und was nicht. So lernt sie, wie man sich im Internet verhält. Die Eltern sollen jetzt nicht ihre Kinder stalken und alle privaten Nachrichten lesen. Aber sie sollten schauen, was ihre Kinder öffentlich schreiben, in Postings und Kommentaren. Was sie anderen Leuten schreiben. Das ist wirklich schockierend.

     

    Mehr über Dagi Bee:

    Dagi Bee wurde 1994 in Düsseldorf geboren. Nach Abschluss des Fachabiturs begann sie zunächst eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Von 2011 bis 2015 führte Dagi Bee eine Beziehung mit dem YouTuber Liont. Da dieser mit seinem Kanal LiontTV bereits auf dem Videoportal YouTube vertreten war, trat Dagi Bee in einigen seiner Videos in Erscheinung. 2012 veröffentlichte Dagi Bee unter dem Titel „No-Gos bei Jungs“ ihr erstes Video über ihren eigenen Kanal. Im Folgenden veröffentlichte sie regelmäßig neue Videos, die sich inhaltlich vor allem mit Mode und Kosmetik beschäftigen, in letzter Zeit aber auch die Themen Reise und Comedy anschneiden. Sie hat knapp 2,5 Millionen Abonnenten. Auch die Kinobranche hat sie entdeckt: So hatte die 21-Jährige einen Kurzauftritt in „Fack ju Göhte 2“ und spielte auch in „Bruder vor Luder“ mit. Ihre Fans sind meist Mädchen zwischen 10 und 25 Jahren.

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