40.000
Aus unserem Archiv

Tom Wlaschiha und die Angst: Eine Synchronstimme im Interview

Tom Wlaschiha gehört zu den vertrauten Fernsehgesichtern – im neuen Disneyfilm „Arlo und Spot“ ist nur seine Stimme zu hören. Er spricht eine kleine, aber unvergessliche Rolle – und er findet das ganz in Ordnung, sagt er im Interview mit unserer Zeitung. Die erste Reihe und die große Hauptrolle müssen es nicht immer sein, sagt Wlaschiha.

Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

Arlo ist zwar ein Dinosaurier, aber er hat unglaubliche Angst vor allem. Wie schaut es bei Ihnen aus?

(schmunzelt) Nein, ein ängstlicher Mensch bin ich nicht. Natürlich habe ich wie jeder auch einmal Angst, aber wenn ich mich etwas nicht traue, dann springe ich gern einfach ins kalte Wasser. Das geht auch meistens gut.

Was erschreckt Sie?

Schlechter Geschmack. (lacht) Ansonsten weiß ich nicht, was mich erschrecken würde – denn dann würde es mich nicht erschrecken können. Doch, halt: Früher habe ich viel Theater gespielt – und da hatte ich sehr viel Lampenfieber und Panik, ich würde meinen Text vergessen.

Im Film sprechen Sie eine sehr kleine, aber extrem einprägsame Figur: einen etwas durchgeknallten Dino, der ...

Da muss ich gerade unterbrechen. Das ist nicht einfach ein Dino. Das ist ein Styracosaurus.

Ah.

Das ist eine ganz eigene Rasse, habe ich mir sagen lassen. Da müssen wir schon korrekt bleiben.

Supergroß und superängstlich ist dieser Styracosaurus.
Supergroß und superängstlich ist dieser Styracosaurus.
Foto: Disney

Durchgeknallt ist er aber.

(lacht) Er ist ein Tierchensammler, ja. Er ist ein Riesenvieh, aber nicht der Mutigste. Wie im echten Leben auch – die Größten sind ja da auch nicht immer die Tapfersten. Er traut sich überhaupt nicht aus seinem Gehölz heraus und ist durch seinen Panzer in Birkenoptik wundervoll getarnt. Auf seinen Hörnern sitzen kleine Waldtierchen, die er gesammelt hat, und jedes Tier ist für etwas gut und soll ihn vor etwas beschützen. Der eine ist ein Wecker, der andere soll ihn vor unrealistischen Plänen bewahren.

Das ist eine köstliche Stelle im Film – aber definitiv was für Erwachsene. Welches von diesen Tierchen bräuchten Sie?

Ui! Der Wecker wäre praktisch. Ansonsten brauche ich das Vieh gegen unrealistische Pläne auf keinen Fall. Ich möchte gern unrealistische Pläne haben! Man kann ja träumen. Und wenn sich der Traum auch nicht 100-prozentig erfüllt, dann erfüllt er sich vielleicht zu 80 Prozent. Das ist auch schön.

Die Sequenz dauert ja keine zwei Minuten im Film.

Echt? So kurz? Ich glaube eher, die dauert sechs, sieben Minuten.

Wir müssen mal stoppen. Aber gefühlt dauert sie auf jeden Fall sehr lange, weil sie einem im Gedächtnis bleibt. Normalerweise sind Sie aber schon Hauptrollen gewohnt, oder?

Ach, ne, ich habe lange genug auch kleine Rollen gespielt. Außerdem gibt es keine kleinen Rollen, es gibt nur uninteressante Rollen. Jede Rolle hat ihre Berechtigung, und gerade als junger Schauspieler wird man in den seltensten Fällen als Hauptrolle besetzt. Damit mir die Rolle gefällt, muss sie interessant sein, vielschichtig, keine Schablone. Dann macht sie Spaß! Auch wenn ich nur einen Auftritt habe – und ich kann trotzdem die einprägsamste Figur des Abends sein.

Tom Wlaschiha ist aus der Serie „Game of Thrones“ und vielen deutschen Produktionen bekannt. Im aktuellen Disneyfilm spricht er einen ängstlichen Dinosaurier, der zahlreiche Tierchen zu seinem Schutz gesammelt hat.
Tom Wlaschiha ist aus der Serie „Game of Thrones“ und vielen deutschen Produktionen bekannt. Im aktuellen Disneyfilm spricht er einen ängstlichen Dinosaurier, der zahlreiche Tierchen zu seinem Schutz gesammelt hat.
Foto: Disney

Da sind Sie aber eine Ausnahme. Sie als "Game of Thrones"-Schauspieler gefragt: Ihre Kollegen der "Big Bang Theory" haben fast die neueste Staffel gekippt, weil sie mehr Geld und mehr Redeanteil herausschlagen wollten. Haben Sie Ihre Rolle bei "Game of Thrones" nicht schon hochdiskutiert?

(lacht) Nein, hab ich nicht. Da hätte ich auch gar keine Möglichkeit. Ja klar, natürlich hat jeder von uns, der diesen Job macht, ein gewisses Maß an Eitelkeit. Aber das sollte nie Selbstzweck sein. Wenn ich bei einer Rolle etwas vermisse, und ich denke, dass diese Facette wichtig wäre, dann diskutiere ich auch. Aber nicht, um mehr Text zu bekommen. Das finde ich total albern.

Ihr Dino ...

Der Styracosaurus!

Derselbe. Er meditiert, wenn er runterkommen will ...

Der meditiert? Ich glaube, der ist bekifft.

Bitte was?

Glauben Sie nicht? Vielleicht meditiert er bekifft?

Verzeihung, das ist ein Disneyfilm ...

Oh. Ah. Richtig. Sie meinen, er meditiert nur?

Sie haben die Rolle als bekifften Dino angelegt?

Styracosaurus.

Mhm, genau.

Das war durchaus mein Gedanke beim Sprechen, muss ich zugeben. Aber jetzt, wo Sie mich auf den Zwiespalt aufmerksam machen. Er ist ein Meister der Meditation. Definitiv. Er muss wahrscheinlich nicht kiffen.

Wie kommen Sie denn runter? Sagen Sie bitte nicht durch Kiffen.

Nein, nein. Ich meditiere aber auch nicht. Ich schlafe. Schlafen ist eins meiner liebsten Hobbys. Für Meditieren und Yoga habe ich leider überhaupt keine Geduld.

Arlo, der Dinosaurier, und Spot, der wilde Menschenjunge, sind Freunde.
Arlo, der Dinosaurier, und Spot, der wilde Menschenjunge, sind Freunde.
Foto: Disney

Der Film handelt nicht nur von der Angst, die überwunden werden muss, sondern zeigt einen herrlichen Aspekt: Die Dinosaurier sind zivilisiert und betreiben Farmen, die Menschen sind die Wilden und grunzen und schnüffeln und gehen ihren Instinkten nach. Das ist geradezu philosophisch.

Ja, Arlo hält sich einen Hausmenschen. Das ist eine sehr schöne Idee. Und wenn man sich bei den Menschen so umschaut, dann weiß ich nicht, ob so wirklich eine Entwicklung stattgefunden hat. Von daher ... Das ist ein sehr guter Seitenhieb auf die sogenannte Zivilisation. Die Frage ist ja auch, was zivilisiert ist. Niemand behauptet ja von sich, unzivilisiert zu sein, egal, wie abstrus seine Überzeugungen sind oder sein Handeln ist.

Umso wichtiger ist die Familie, die zusammenhält. Im Film müssen sich die Kinder es verdienen, dass sie ihren Fußabdruck neben den von Vater und Mutter setzen können – es ist eine Auszeichnung. Haben Sie sich Ihren Abdruck schon verdient?

Innerhalb meiner Familie? Ich glaube schon. Ich hatte es aber auch nicht so schwer wie Arlo. Erstens bin ich der Erstgeborene; da hatte es dann eher mein Bruder schwer, denn der wurde in der Schule immer mit meinem Namen angesprochen. Das hat ihm eine Zeit lang schon sehr zugesetzt. Ansonsten war ich auch damals kein ängstlicher Typ. Ich bin ja in der DDR in der Nähe von Dresden aufgewachsen und hatte es mir damals immer vorgestellt, wie es wäre, zu verreisen und hinter die Mauer zu schauen. Ich wollte schon relativ früh selbstständig sein und einfach weg. Von daher war ich nie der Arlo-Typ, der sich nicht von der Farm runtertraut. Mein Traum war eher eine Sehnsucht, im Wissen, dass es nicht möglich ist unter den damaligen Verhältnissen. Und jetzt kann ich meinen Job, den ich sehr gern mache, auch noch damit verbinden, dass ich um die Welt reise – das ist eine perfekte Kombination.

Als Ihr Traum dann wahr wurde: Haben Sie diesen Moment überhaupt realisiert?

Das ist ein interessanter Punkt – es gibt ja meistens nicht den einen Moment, an dem ein Traum wahr wird und an dem ich das bemerke und sage: "Jetzt ist mein Traum wahr geworden." Bei mir war es eher wie ein Weg. Es passieren Dinge, man muss ab und zu Umwege nehmen. Ich habe auch nicht immer offene Türen eingerannt. Ich wusste aber immer ungefähr, wo es hingehen soll. Deswegen gilt für mich, dass der Weg das Ziel ist. Ich weiß nicht, was kommen wird, aber ich habe eine Vorstellung davon, was ich noch möchte.

Biografie: Tom Wlaschiha wurde 1973 in Dohna bei Dresden geboren. Fernsehbekannt wurde er weltweit als mysteriöser Jagen H’ghar in der zweiten und fünften Staffel der Serie „Game of Thrones“. Der viersprachige Schauspieler spielt ansonsten nationale und internationale Theater-, Fernseh- und Kinorollen wie etwa in „Verliebte Jungs“ (2001), „Krabat“ (2008) oder „Die Wolke“ (2006) oder „Frisch gepresst“ (2012). Aktuell steht er für die sechste Staffel von „Game of Thrones“ vor der Kamera.

Der Film: Was wäre, wenn der Meteorit vor 65 Millionen Jahren die Erde verfehlt hätte und die Dinosaurier nicht ausgestorben wären? Der neue Disneyfilm „Arlo und Spot“ erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Dinosaurier und Menschenkind.

RZ-Interview der Woche
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
Anzeige
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Montag

11°C - 18°C
Dienstag

6°C - 15°C
Mittwoch

5°C - 12°C
Donnerstag

4°C - 11°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

UMFRAGE
Schnörzen, Dotzen oder Gribschen - Wer tut's noch?

Nach dem Martinszug ziehen die Laternenkinder mit ihren Eltern nochmal los. Sie klingeln an Haustüren, singen Martinslieder und bekommen dafür Mandarinen, Nüsse oder Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt je nach Region Schnörzen, Dotzen oder Gribschen. Aber gibt es diese Tradition überhaupt noch?

Anzeige
Wirtschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!