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    Rockig, röhrig, Bonnie Tyler

    Manchmal nimmt man die Arbeit gern mit nach Hause: Bonnie Tyler ruft um 21 Uhr auf dem Privatanschluss an und klingelt mitten ins Wohnzimmer hinein. Sofort startet die muntere Plauderei – und man mag Bonnie schrecklich gern zuhören. Denn: Die Stimme der Rockröhre klingt auch beim normalen Sprechen „tpyisch Bonnie Tyler“.

    Ihre Stimme ist unverwechselbar: Wenn Bonnie Tyler losröhrt, dann gibt es wohlige, kribbelnde Gänsehaut im Publikum. Im Interview erzählt sie uns, dass sie von den Jungs wegen ihrer Stimme richtiggehend beneidet wird.
    Ihre Stimme ist unverwechselbar: Wenn Bonnie Tyler losröhrt, dann gibt es wohlige, kribbelnde Gänsehaut im Publikum. Im Interview erzählt sie uns, dass sie von den Jungs wegen ihrer Stimme richtiggehend beneidet wird.
    Foto: picture alliance

    Von unserem Journal-Chef Michael Defrancesco

    Bonnie, bald geht es für Sie wieder auf Tournee. Fühlen Sie sich bereit?

    Darling, für die Bühne bin ich immer bereit! Ich wurde bereit für die Bühne geboren! (lacht) Aber mal im Ernst: Ich freue mich wirklich auf die Tour und auf Deutschland, ich war bei euch schon sehr lang nicht mehr unterwegs. Ich bringe eine großartige Band mit, und wir werden es richtig krachen lassen. Live mag ich einfach.

    Hören Sie Ihre eigenen Klassiker noch gern? Was passiert mit Ihnen, wenn Sie "Holding out for a Hero" im Radio hören?

    Beim Autofahren sollte ich besser nicht headbangen, Darling. (lacht) Aber es ist immer ein Wahnsinn, wenn jemand meine Musik im Radio spielt, auch nach all den Jahren noch. Das fühlt sich für mich an wie 1976. Schon als Kind wollte ich immer in einer Band singen, aber ich konnte nicht mal erträumen, dass ich eine solch lange und erfolgreiche Karriere haben würde. Dass ich 2016 immer noch Shows auf der Bühne haben würde.

    Wollten Sie als Kind berühmt sein?

    Nein, das war überhaupt nicht das, was ich im Sinn hatte. Ich sah als Kind ein Mädchen, das in einer Band sang, und wusste, dass ich so etwas auch machen wollte. Ich wollte auf der Bühne stehen und kraftvolle Songs singen. Es ging mir nicht um den Ruhm, sondern um die Musik! Und auf einmal wurde der Traum war: Ich hatte eine Band, und wir spielten in kleinen Klubs. Sieben Jahre lang taten wir das, bevor ich entdeckt wurde. Aber in diesen sieben Jahren tat ich schon genau das, wovon ich geträumt hatte: in einer Band zu singen! Der Rest kam dann einfach. Und ich bin Gott dankbar, dass der Ruhm erst so viel später kam. Die Jahre mit der kleinen Band waren richtig schön.

    War Ihre Familie sehr musikalisch?

    Ja. Meine Mutter hatte eine wunderschöne Stimme, und sie liebte die Oper! Sie war unglaublich talentiert, aber sehr schüchtern. Sie hörte und sang Oper, wo auch immer sie war. Und auch meine Geschwister liebten die Musik. Meine älteste Schwester stand auf Frank Sinatra, mein ältester Bruder auf Elvis. Eine andere Schwester liebte die Beatles, meine jüngste Schwester war verrückt nach Motown-Sachen. Drei von uns wurden später professionelle Sänger. Ein Bruder ist auch ein Rocksänger geworden – die Musik liegt in unseren Genen. Ich war vor allen Dingen inspiriert von Tina Turner! Ich war verrückt nach ihr. Ich hörte sie ständig in meinem Schlafzimmer als Kind. Ich stand vor dem Spiegel, hatte meine Haarbürste als Mikro in der Hand und röhrte Tina Turner. (lacht)

    War es für Sie als Frau schwierig, in einer Männerwelt als Rockstar akzeptiert zu werden?

    Ich fand es einfach. Ich habe nun einmal diese rockige Stimme. 1976 musste ich mich operieren lassen, um Knötchen auf den Stimmlippen zu entfernen. Mein Arzt sagte mir, dass ich nicht sprechen sollte, aber daran hielt ich mich nicht. Nach sechs Monaten fühlte ich mich besser, aber meine Stimme wurde von Woche zu Woche rauchiger. Das war Rock'n'Roll, Darling, das kannst du mir glauben! Die Jungs waren hellauf begeistert von meiner Stimme. Meine Rock-Kollegen sagten zu mir: "Bonnie, damit wir so klingen können wie du, müssen wir hart arbeiten!" (lacht) Sie rauchten Zigaretten oder tranken eine Menge Whisky, um eine schöne rauchige Rockstimme zu bekommen. Bei mir war das alles natürlich.

    Sie konnten gesund leben und trotzdem rauchig klingen.

    Ganz genau. Ich habe nie geraucht.

    Vermissen Sie manchmal die kleinen Klubkonzerte aus dem Anfang Ihrer Karriere?

    Ach, das habe ich sieben Jahre lang gemacht. Für den Anfang einer Karriere ist das genau richtig. Man lernt in den Klubs so viel! Man lernt, wie man ein Konzert aufbaut, wie man mit Publikum umgeht. Und man singt so viele verschiedene Musikstile, das ist auch sehr wichtig. Heute stehe ich aber schon mehr auf die großen Shows. Gut, manchmal mache ich auch noch bewusst kleine Konzerte. Ich komme zum Beispiel gerade aus der Schweiz zurück, wo wir am Wochenende ein paar Klubshows hatten. Unplugged, vor einem kleinen Publikumskreis. Das hat schon etwas Intimes und Besonderes. Aber glücklicherweise verkaufen wir noch genügend Tickets auch für große Shows! Und gerade da erleben die Leute doch noch einmal mehr als beim Klubkonzert. Sie singen mit, sie tanzen, sie haben Spaß! Und längst ist eine neue Generation von Fans herangewachsen. Die Großeltern und Eltern haben längst ihre Kinder und Enkel dabei.

    Die Leute denken bestimmt, dass Sie als Rockstar immer taff und ein harter Kerl sind. Ist das richtig? Oder sind Rockstars manchmal auch richtig schüchtern?

    (lacht) Schüchtern bin ich nicht mehr, das war ich aber früher! Erinnern Sie sich daran, als ich in den 70ern im deutschen Fernsehen zu sehen war?

    Äh – nein.

    Natürlich erinnerst du dich nicht daran, Darling, du bist zu jung dafür.

    Leider ja. Was habe ich verpasst?

    Ah, ich war damals wie ein kleines Lämmchen auf der Bühne.

    Nein.

    Doch, doch.

    Das kann man sich heute kaum vorstellen.

    Nicht wahr? Bonnie Tyler war ein kleines, verhuschtes Lämmchen. Ich war sooo schüchtern! Jetzt bin ich das nicht mehr, auf keinen Fall. Heute bringt mich nichts mehr aus der Fassung. Das kommt einfach auch ganz normal mit dem Älterwerden und der Lebenserfahrung. Und mir ist auch viel mehr egal als früher! Das kommt auch noch dazu. Ich mache mir weniger Sorgen, sondern ich lebe einfach und versuche, mein Leben zu genießen. Wenn mir irgendetwas nicht passt, rege ich mich nicht drüber auf, sondern drehe mich um und gehe meinen Weg einfach weiter. Und nach der Show gehe ich von der Bühne, und dann gehe ich mit meinen Jungs von der Band an die Bar, und wir feiern.

    Aha, da helfen Sie doch der rauen Stimme nach, hm?

    (lacht) Ich sagte nur, dass ich nicht rauche, Darling! Wir genießen das Leben auf Tournee, und wir genießen das Leben ganz im Allgemeinen.

    Ist ein Nummer-eins-Hit heute noch etwas Besonderes für Sie?

    Ich weiß, dass ich höchstwahrscheinlich keinen Nummer-eins-Hit mehr haben und kein Rekordalbum mehr herausbringen werde. Das ist aber okay.

    Woran liegt das? Genug Fans gibt es ja noch.

    Das stimmt, aber in diesen Zeiten verkauft sich Musik nicht mehr so gut wie damals, als ich begonnen habe. Damals verkaufte ich 36 000 Schallplatten pro Tag!

    Pro Tag?

    Pro Tag, Darling! Es gab Tage, da verkaufte ich 50 000, ja sogar 52 000 Schallplatten. An einem einzigen Tag! Das ist vorbei. Heutzutage aber interessieren sich die Leute immer weniger für Musikalben, sie wollen lieber Liveshows haben. Das Geld verdient man heute auf der Bühne. Und da habe ich Glück, dass ich all die Jahre meiner Karriere immer auch viel auf der Bühne gestanden habe. Livekonzerte waren immer ganz besonders und ganz besonders wichtig für mich. Also ist das für mich heute kein Problem. Manche meiner Kollegen trauen sich ja nicht mal, live zu singen! Die brauchen ein Playback auf der Bühne. Bei mir ist das nicht so. Ich singe immer live und liebe es. Yeah.

     

    Wissenswertes:

    Biografie: Bonnie Tyler wurde 1951 in Wales geboren. Schon als Kind träumte sie davon, Sängerin in einer Band zu sein. 1975 produzierte sie ihre erste Single, Erfolg hatte sie mit ihrer zweiten Single, „Lost in France“, die in Deutschland auf Platz drei kam. Mit „ It's a Heartache“ schaffte sie 1978 den ersten Welthit, 1982 folgte „Total 
Eclipse of the Heart“ von Jim Steinman und 1984 das legendäre „Holding out for a Hero“. 2013 trat sie für Großbritannien beim Eurovision Song Contest in Malmö an, ihr Lied „Believe in me“ schaffte es aber lediglich auf den 19. Platz. Ihr aktuelles Album heißt „Rocks & Honey“.


    Live zu sehen ist Bonnie Tyler am 9. November in der Westfalenhalle Dortmund. Tickets gibt es im Internet unter www.rhein-zeitung.de/tickets

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