40.000
  • Startseite
  • » Nachrichten
  • » Magazin
  • » RZ-Interview der Woche
  • » Magische Träume auf der Bühne: Interview mit Sándor Barkóczi
  • Aus unserem Archiv

    Magische Träume auf der Bühne: Interview mit Sándor Barkóczi

    Sándor Barkóczi ist eigentlich überhaupt kein Biest. Die Familien und Kinder lieben ihn allerdings genau in dieser Rolle: im schon legendären Disney-Musical „Die Schöne und das Biest“. Das Broadwaystück mit der Musik von Alan Menken und berühmten Songs wie „Sei hier Gast“ ist bald in Frankfurt zu sehen. Wir haben vorab mit dem Biest gesprochen. Verzeihung: mit Sándor Barkóczi.

    Wie kann man ein Biest lieben? Die schöne Belle kann es. Im Disney-Musical „Die Schöne und das Biest“ wird eine romantische Liebesgeschichte erzählt – mit viel Humor und unvergesslicher Musik. Sándor Barkóczi spielt das Biest – eigentlich ist er das genaue Gegenteil von biestig ... Foto: Stefan Malzkorn/
BB Promotion
    Wie kann man ein Biest lieben? Die schöne Belle kann es. Im Disney-Musical „Die Schöne und das Biest“ wird eine romantische Liebesgeschichte erzählt – mit viel Humor und unvergesslicher Musik. Sándor Barkóczi spielt das Biest – eigentlich ist er das genaue Gegenteil von biestig ...
    Foto: Stefan Malzkorn/
BB Promotion

    Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

    Cool, ich habe ein Meeting mit dem Biest – sollte ich Angst vor Ihnen haben?

    (lacht) Nein, das brauchen Sie nicht. Zumindest nicht vor mir als Person. Ich bin sehr schüchtern, ich mag die Einsamkeit, die Natur. Ich ziehe mich gern aus der Öffentlichkeit zurück. In mir werden Sie keine Aggressivität finden.

    Sie sind also mehr Prince Charming als das Biest.

    Das hoffe ich! (lacht) Aber Sie wissen ja, wie das Märchen ausgeht: Am Ende wird das Biest zu einem reizenden Prinzen. Mit dem habe ich definitiv mehr gemeinsam.

    Aber dennoch müssen Sie den ganzen Abend als bedrohliches Biest über die Bühne springen!

    Als Job mag ich das auch. Als Schauspieler gehe ich gern in andere Charaktere, spiele auch mal den Wütenden und Aggressiven. Was ich an der Rolle des Biests mag, ist seine Entwicklung: Ich beginne als gruseliges, schlecht gelauntes Etwas. Aber nach und nach ändert sich die Seele des Biests durch Belles Liebe. Das ist ein wundervoller Prozess. Und am Ende ändert sich dann auch passend dazu sein Körper.

    Wir lieben ja besonders auch die sprechenden Möbel im Film und Musical. Haben Sie schon mit Ihrer Ausstattung daheim gesprochen?

    (lacht) Noch nicht, aber das ist eine gute Idee! Wer weiß, was meine Möbel zu Hause antworten würden, wenn ich sie anspreche. Ich musste die Rolle auch sehr ausführlich üben, denn wir spielen auf Deutsch. Das war für mich nicht gerade einfach. Ich kann auch kein Deutsch sprechen, aber ich hatte einen sehr guten Trainer, der mir beigebracht hat, wie ich die Wörter aussprechen muss. Es sind ja viele Kinder im Publikum, und die sollen mich ja verstehen können. Ich habe den Text wieder und wieder laut gelesen und hatte eine deutsche Sprachaufnahme, mit der ich üben konnte.

    Die Filmvorlage des Musicals, Disneys „Die Schöne und das Biest“, wurde sogar für den Oscar als bester Film nominiert. Foto: pa/obs/Disney Channel
    Die Filmvorlage des Musicals, Disneys „Die Schöne und das Biest“, wurde sogar für den Oscar als bester Film nominiert.
    Foto: pa/obs/Disney Channel

    Welches deutsche Wort ist das schlimmste für Sie?

    Oh, da gibt es so einige richtig schwierige Wörter, an denen sich Ungarn die Zunge verrenken. Zum Beispiel das Wort "schrecklich". Das darf ja nicht wie "sreklik" klingen. Aber Ungarisch ist jetzt auch nicht gerade einfach, insofern will ich mich nicht über das Deutsche beschweren.

    Sie leben in Budapest.

    Ja, und ich habe dort meine Ausbildung zum Sänger absolviert. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich dort verbracht. In den 70ern hatte ich mit Freunden dort eine Rockband! Ich spielte das Keyboard. Als ich dann zum ersten Mal bei einem Lied sang, waren alle perplex und sagten: "Vergiss das Keyboard, du bist ab sofort unser Sänger!" (lacht) Das war für mich damals erst einmal kein Kompliment. Aber ich merkte dann, dass ich besser singen als Keyboard spielen kann. Und nach und nach hatte ich dann den Wunsch, Profisänger zu werden und eine richtige Ausbildung zu machen.

    Haben Sie gern Schultheater gespielt?

    Das hatten wir damals in der Schule nicht, zumindest habe ich da nicht mitgemacht. Erst, als ich zur Uni ging, habe ich mich dafür interessiert. Und ich habe gemerkt, dass ich besonders Musicals ganz besonders liebe.

    Ist die Ausbildung zum Schauspieler und Musicalsänger in Budapest anders als zum Beispiel in Wien?

    Ich kann das nicht gut vergleichen mit anderen Ausbildungsgängen. Wir in Ungarn legen natürlich Wert darauf, unsere eigene Tradition zu unterrichten. Musicals kommen in der Regel aus den USA oder aus Großbritannien – wir in Ungarn lieben traditionell eher die Operette. Für uns Ungarn ist das manchmal schwierig, eine große Broadway-Show zu verstehen und aufzuführen – die Operette ist ja schließlich ganz anders. Nicht so riesig, so gigantisch.

    Träumen Sie eher vom Broadway oder von der schönen Operette?

    (lacht) Inzwischen mag ich den Broadway wirklich sehr, ohne aber die Operette nicht mehr zu mögen. Vielleicht kann ich ja auch mal am Broadway spielen! Obwohl es für mich auch eine große Ehre ist, in Wien, in Deutschland, in der Schweiz oder in Ungarn aufzutreten. Wer weiß schon, wo einen der Weg hinführt. Ich liebe es, die Welt anzusehen und auf Tournee durch viele Länder zu gehen. Das ist sehr interessant. Ich bin jetzt 27 Jahre alt, und vielleicht entscheide ich mich irgendwann dafür, fest nach New York zu gehen und es wirklich am Broadway zu versuchen. Das wäre schon ein Traum. Aber bis es so weit ist, genieße ich es, in Europa unterwegs zu sein und dort aufzutreten.

    Als Biest treten Sie besonders vor Familien mit Kindern auf. Ist das für Sie eine besondere Herausforderung?

    Ja, definitiv, für Kinder zu spielen, ist noch einmal etwas ganz anderes. Vor allen Dingen habe ich auch eine größere Verantwortung, wenn Kinder im Saal sind. Mit Kindern ist es aber auch einfacher als mit Erwachsenen: Sie gehen richtig in der Geschichte auf und glauben alles sofort. Sie stecken tief in der Magie. Auch deshalb liebe ich das Biest so. Und die Musik ist so schön!

    Alan Menken!

    Er ist einer der größten Komponisten unserer Zeit, definitiv.

    Sándor Barkóczi ist in Ungarn aufgewachsen und eigentlich mit der Operette groß geworden.
    Sándor Barkóczi ist in Ungarn aufgewachsen und eigentlich mit der Operette groß geworden.

     

    Zur Person

    Biografie Sándor Barkóczi wurde 2010 ins Ensemble des Budapester Operettentheaters aufgenommen. Bereits während seines Studiums am Pester Broadway Stúdió, der Ausbildungsstätte des Budapester Operettentheaters, sammelte er in dem Klezmer-Musical „Brauttanz“, im ungarischen Musical „Abigail“ und im Märchenmusical „Trubel im Wald“ erste Bühnenerfahrung. Zu Sándor Barkóczis letzten Bühnenrollen gehören die des Prinz Imre in der neuen Version der ungarischen Rockoper „Gott, mit dir!“ und Lehrer Kalmár in „Abigail“. Sándor wirkte in weltbekannten Operetten wie beispielsweise als Schultheiß in „Die Csárdásfürstin“ mit. Neben seinem Engagement am Budapester Operettentheater studiert er Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Eötvös Loránd Universität in Budapest. Sándor Barkóczi spielte acht Jahre lang Klavier und ist in seiner Freizeit Hobbygitarrist.
    Live zu sehen Das Disney-Musical „Die Schöne und das Biest“ ist in der Alten Oper Frankfurt vom 13. bis 17. Juli zu sehen. Tickets gibt es im Internet unter www.rhein-zeitung.de/tickets, weitere Infos: www.die-schoene-und-das-biest-musical.de

    RZ-Interview der Woche
    Meistgelesene Artikel
    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    3°C - 4°C
    Montag

    3°C - 7°C
    Dienstag

    3°C - 6°C
    Donnerstag

    °C - °C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    UMFRAGE
    Winter, oh Winter!

    Mit voller Kraft brach am Wochenende der Winter herein – allerdings ging ihm schnell die Puste aus. Wie finden Sie das Winterwetter?

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!