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Lecker Mariele

Wir treffen Mariele Millowitsch zum Interview in Köln. 
Natürlich – wo auch sonst? Die jüngste Tochter des 
legendären Willy hat sich längst von der Bühne 
verabschiedet und ein Zuhause beim Fernsehen gefunden.

Die rationale Marie Brand (Mariele Millowitsch, rechts) geht neue Ermittlungswege und trifft Schamanin Kyra (Annina Hellenthal).
Die rationale Marie Brand (Mariele Millowitsch, rechts) geht neue Ermittlungswege und trifft Schamanin Kyra (Annina Hellenthal).
Foto: ZDF und Guido Engels

Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

Einst waren Sie als Nikola Krankenschwester, inzwischen haben Sie in Ihren Rollen Karriere gemacht.

(lacht) Ja, jetzt darf ich eine Kommissarin sein. Es ist sehr interessant: Man wählt für solche Serien ja stets Berufe aus, die engen Kontakt mit anderen Menschen haben. Das ermöglicht den Autoren, vielfältige Geschichten zu erzählen. Als Krankenschwester oder Kommissarin habe ich viel Kontakt zu den Menschen. Eine Zeitlang liefen auch Anwälte extrem gut. Nur Taxifahrer kamen nicht an, das haben Fernsehautoren auch schon versucht.

Sie haben Tierärztin gelernt und sogar als solche promoviert - aber dann nie in dem Beruf gearbeitet. Warum?

Das fällt in die Kategorie Identitätsfindung. Ich wollte damals einfach weg von zu Hause. Wenn man mit dem Nachnamen Millowitsch groß wird, dann fragt man sich irgendwann: "Was kann ich eigentlich wirklich selbst? Ohne die anderen? Was ist die Mariele, was kann die Mariele?" Also habe ich Köln verlassen und bin nach München zum Studium gezogen. Aber dann habe ich gemerkt, dass die Schauspielerei wirklich meins ist, ich liebe diesen Beruf über alle Maßen. Also bin ich wieder zurückgekommen - und da merkte ich: Im Familienbetrieb kann ich nicht arbeiten. Das fühlte sich falsch an. Also habe ich das Millowitsch-Theater vollständig verlassen. Was auch definitiv richtig war. Doch die Schauspielerei liegt in meinen Genen, da kann ich nicht gegen an.

Stand schon einmal in einem Abspann "Dr. Mariele Millowitsch?"

(schmunzelt) Nein, das ist auch nicht nötig. Wenn ich mit Behörden zu tun habe, dann steht der Doktor auf dem Briefkopf, aber im normalen Leben lege ich da keinen Wert drauf. Der Doktor ist mir grad egal.

Mit der Marie Brand haben Sie eine wunderschöne Figur entwickelt. Die Kollegen der FAZ schrieben damals nach der Premiere: "Die neue Reihe ist nicht innovativ, aber gut gespielt." Das "gut gespielt" ging an Sie.

(lacht auf) Das ging an uns alle. Ich bin nur so gut, wie die Kollegen es zulassen. Und mit Hinnerk Schönemann habe ich einen Sechser im Lotto.

Nicht nur das, Sie haben auch sechs Millionen Quote. Das ist "Wetten, dass ..?"-Niveau.

Ah, der hatte immer über 10, 12 Millionen, da kommen wir nicht ran.

In den letzten Jahren nicht mehr.

Stimmt. Am Schluss wurde die Quote finster. Aber wir sind sehr zufrieden, ich fühle mich sehr von der Sonne beschienen, wenn ich das mal so formulieren darf. Ich fühle mich auch mit der Marie Brand sehr wohl.

Ist sie Ihnen sehr ähnlich?

Mittel. Mariele ist nicht so strukturiert wie Frau Brand. Frau Brand weiß, in welche Richtung sie geht und behält Dinge, die wichtig sind. Ihre Lebensstruktur ist Mathematik. Ich behalte auch Dinge, aber ich bin eher dusselig und behalte Sachen, die unwichtig sind. Ich kann auch nicht logisch denken, ich spiele kein Schach. Alles das kann Frau Brand ganz hervorragend. Das also eint uns nicht. Aber der Humor eint uns. Frau Brand ist nicht ironisch, da bin ich eher gefährdet - aber das finde ich auch gut so, dass sie geradeaus ist und nicht hintenrum Witzchen macht.

Sind Sie bei der Entwicklung einer solchen Figur beteiligt?

Nein, gar nicht. Ich vertraue dem Team voll und ganz.

Sie haben in Ihrer Karriere immer gern mit festen Partnern zusammengespielt.

Das lag aber nicht an mir.

Walter Sittler, ...

Okay, bei Walter schon. Dass wir so lange miteinander gespielt haben, lag schon an mir. Aber es ist auch schön. Ich habe kein Problem damit, mit Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, lange Jahre zu arbeiten.

Hatte Herr Sittler Eifersuchtsanfälle, als Sie in Sachen fester Fernsehpartner zu Herrn Schönemann gewechselt sind?

Ich nehme an, er ist ausgeflippt vor Eifersucht! (lacht) Zum Glück hat er eine wundervolle Ehefrau, die musste das dann wohl auffangen. (grinst)

In der ersten Folge der neuen "Marie Brand"-Staffel kommen Sie mit einer Wunderheilerin in Kontakt. Haben Sie schon Wunder erlebt?

Nein. Ich glaube nicht daran. Ich nenne das Intuition, wenn man ohne nachzudenken das Richtige tut. Für manche Leute ist das die Wirkung ihres Geistbegleiters, für mich ist das mein Bauch. Ich will das nicht abwerten oder in Abrede stellen, vielleicht gibt es doch mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als wir denken. Aber gäbe es wirklich Wunder, dann sähe die Welt anders aus.

Als Fernsehgesicht sind Sie uns allen sehr vertraut. Reizt Sie die Bühne nicht mehr?

Die Bühne ist sehr lange her, das lockt mich gar nicht.

Kino?

Nein. Den Ehrgeiz, mich auf der großen Leinwand zu sehen, habe ich nicht.

Ihnen reicht es, wenn Sie sich auf dem kleinen Bildschirm sehen.

(schmunzelt)

Schauen Sie sich Ihre eigenen Filme an?

Muss ich ja. Ich muss ja sehen, was ich da gemacht habe.

Und?

Unterschiedlich. Ich bin dann leider doch typisch Frau und rege mich sehr darüber auf, wenn ich ein Doppelkinn habe. Aber es ist so, Frau Brand ist bald zehn Jahre im Fernsehen zu sehen, und ich sehe nicht mehr so aus wie in den ersten Folgen. Ich habe ein von Wind, Wetter und Überarbeitung gezeichnetes Gesicht (lacht) - da muss ich durch. Es ist, wie es ist.

Freuen Sie sich, wenn Sie beim Zappen über alte Serien stolpern?

Ich muss sehr lachen, wenn ich "Nikola" sehe. Ich erinnere mich noch so gut an die Stimmung am Set, was wir für einen Quatsch gemacht haben. Das fällt mir alles wieder ein, wenn ich so eine Folge sehe. Und meine Vokuhila-Frisur! Ich fand mich damals schön. Aber diese junge Frau, die da spielt, hat mit mir heute nichts mehr zu tun. Eigentlich sage ich: "Da sehe ich zwei junge Schauspieler, die ein perfektes Gefühl für Timing haben, und denen ich gern zuschaue."

Und "Girl friends"...

Oh ja, das ist ja noch ein Planet weiter. Da war ich noch ein Kind.

Hm genau, als Sie das als Zehnjährige spielten ...

(lacht) Ich war da 39! Stellen Sie sich das mal vor. Als ich mit "Girl friends" angefangen habe, hatten andere in dem Alter schon das Karriereende vor sich. Ich bin heute 60 - und da dürfen nicht mehr viele Kollegen so intensiv arbeiten wie ich und so schöne Rollen spielen.

Ich merke, dass Sie mit Ihrem Frühwerk versöhnt sind, das erlebt man nicht oft.

(grinst)

Und Sie hadern im Alter nicht mit der Schauspielerei!

Ich persönlich habe keinen Grund zu klagen. Aber ich sehe durchaus, wie es vielen Kollegen geht. Ich habe ja selbst keine Kinder, aber ich weiß nicht, ob ich denen zu meinem Beruf raten würde.

Haben Sie jetzt noch Ziele? Eine eigene Statue in Köln so wie Ihr Vater?

(rollt mit den Augen) Ganz sicher. Die ist in Arbeit. (lacht) Aber Willy hat viel Besuch! Letztens war ich einkaufen, und da saß schon wieder jemand bei ihm und hat ihn zugetextet. Irgendwie süß. Vielleicht sieht er es ja, was wissen wir denn ... Aber mein Ehrgeiz ist es nicht, als Denkmal an einem Brunnen zu stehen.

 

Als junge Frau löste sich Mariele Millowitsch von der Familienbühne und ging eigene Wege. Heute gehört sie zu den bekanntesten Fernsehgesichtern des Landes und ist weit über ihre Heimat Köln hinaus beliebt.
Als junge Frau löste sich Mariele Millowitsch von der Familienbühne und ging eigene Wege. Heute gehört sie zu den bekanntesten Fernsehgesichtern des Landes und ist weit über ihre Heimat Köln hinaus beliebt.
Foto: picture alliance

Zur Person:

Mariele Millowitsch wurde 1955 in Köln geboren, sie war das vierte und jüngste Kind von Willy Millowitsch. Schon als Schülerin stand sie mit ihrer Familie auf der Bühne im Millowitsch-Theater. Nach dem Abitur studierte sie in München Tiermedizin und promovierte. 1995 wurde sie mit der ZDF-Serie „Girl friends“ bundesweit fernsehbekannt. 1997 startete auf RTL „Nikola“. Seit 2008 spielt sie im ZDF in der Krimiserie „Marie Brand“.

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