40.000
  • Startseite
  • » Nachrichten
  • » Magazin
  • » RZ-Interview der Woche
  • » Katie Melua: Mal fremd, mal vertraut
  • Aus unserem Archiv

    Katie Melua: Mal fremd, mal vertraut

    Katie Melua verzaubert: Ihr Lachen ist so unverwechselbar wie ihre Stimme. Beim Interview entführt sie uns mit 
herrlichem nordirischen Akzent in ihre Vergangenheit.

     

     

    Millionen kennen Katie 
Melua und ihre Musik – sie werden nun überrascht sein. Die erfolgreiche Sängerin hat ein neues Winteralbum herausgebracht und es ihrer Heimat Georgien gewidmet. Im Interview mit uns erinnert sie sich an ihre Kindheit im georgischen Winter.
    Millionen kennen Katie 
Melua und ihre Musik – sie werden nun überrascht sein. Die erfolgreiche Sängerin hat ein neues Winteralbum herausgebracht und es ihrer Heimat Georgien gewidmet. Im Interview mit uns erinnert sie sich an ihre Kindheit im georgischen Winter.
    Foto: BMG

     

     

    Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

    Wenn Sie selbst Ihr neues Album „In Winter“ anhören: Welche Bilder steigen in Ihnen hoch?

    Das finde ich jetzt interessant, dass Sie diese Frage stellen: Ich habe das Album tatsächlich so entwickelt, dass ich mich in die Rolle des Fans, des Zuhörers versetzen wollte. Es fing alles so an, dass ich zur vergangenen Weihnacht nach einer schönen CD suchte und einfach keine fand. Es gab überall immer nur die Klassiker und die Standards für die Winter- und Weihnachtszeit. Nichts Neues, nichts Unkonventionelles. Aber der Winter ist eine so wichtige Jahreszeit: Für die einen ist er voller romantischer Erinnerungen, für die anderen eher eine schwierige, dunkle, kalte Zeit. Ich bin in Georgien aufgewachsen und habe noch viele Bilder aus meiner Kindheit im Kopf. Wenn ich das Wort „Winter“ höre, denke ich an den Winter in Georgien: Wir hatten viel, viel Schnee. Wir sahen als Kinder viel fern im warmen Zuhause, und es liefen oft Filme, die im frostigen russischen Winter spielten. All dies hatte ich im Kopf, als ich das Album schrieb.

    Sie liebten den Winter als Kind?

    Natürlich! Ich war ein Kind! (lacht) Alle Kinder lieben den Winter, oder nicht? In Georgien hatten wir schöne Traditionen. Santa Claus kam auch zu uns, aber er brachte uns keine Spielsachen, sondern Obst. Als wir nach London wegzogen, wurde ich von der Mutter eines englischen Klassenkameraden gefragt, ob ich schon meinen Wunschzettel für Santa Claus gemacht hätte. Ich schaute sie groß an: Warum das denn? Er brachte ja Obst! Und sie erklärte mir, dass Santa Claus in England Spielsachen bringt, die man sich wünscht. Das fand ich ziemlich ungerecht. (lacht) Warum bringt er nicht auch den Kindern in Georgien Spielsachen? Ich habe damals umgehend eine riesenlange Liste mit den coolsten Spielsachen geschrieben, die ich mir vorstellen konnte.

    Und?

    Es hat geklappt! Ich bekam damals einen Friseursalon für meine Puppen. Ich hätte nie gedacht, dass das funktionieren würde. Heute würde ich meinen rechten Arm für Früchte aus Georgien geben – das Obst dort ist dermaßen sensationell! Das glauben Sie gar nicht. Kein Vergleich zu dem Obst, das ich hier in London bekomme. Es ist so süß. Lecker. Die Äpfel, die Wassermelonen, ...

    War es schlimm, wegzuziehen?

    Ja. Wir verließen meine Großeltern, meine Onkels, meine Cousins. Wir lebten mit ihnen zusammen in Georgien. Mein kleiner Bruder war damals gerade geboren. Mein Opa war ein großartiger Koch. Der beste Koch, den man sich vorstellen kann. Und wenn er zu traditionellen georgischen Festen einlud, kamen viele, viele Leute zu uns. Meine Onkels waren viel jünger als mein Vater, sie waren eher wie ältere Brüder für mich. Ich verehrte sie, auch weil sie einen genialen Musikgeschmack hatten. Dank ihnen liebte ich Queen, Black Sabbath und Led Zeppelin. Gott, wie ich sie alle vermisste, als wir wegzogen. Aber Georgien ging es in den 90ern nicht gut, und meine Eltern suchten wirtschaftliche Sicherheit. Also gingen wir.

    Besuchen Sie Ihre Lieben oft?

    Wann immer es geht, ja. Diesen Sommer war ich länger dort, weil wir das Album in Georgien aufnahmen.

    Diese Geschichte müssen Sie auch noch erzählen: Auf Ihrem neuen Album singen Sie mit dem Gori Frauenchor zusammen. Wie lernten Sie sich kennen?

    Ich hörte sie auf Spotify und war begeistert. Polyfones Singen hat eine große Tradition in Georgien, aber ich kannte diesen Chor noch nicht. Sie hatten eine Liveaufnahme gemacht, die mich völlig umhaute. So kraftvoll und doch so weich! Ich bekam die Telefonnummer der Chordirigentin heraus, rief an und erzählte, wie toll ich sie finde und dass wir etwas zusammen machen sollten.
    Und die Dirigentin sagte: „Bitte? Wer ruft an? Katie Melua? Ist klar.“
    (lacht) Sie kannte mich tatsächlich. Wissen Sie, es leben nur etwa fünf Millionen Menschen in Georgien. Irgendwie kennt jeder jeden. Und alle sind ohnehin überzeugt davon, mich zu kennen. (lacht) Als ich anrief und sagte: „Hey, hier ist Katie“, hat das echt Spaß gemacht. Die Chorladys luden mich zu einer Probe nach Georgien ein, und ich besuchte sie. Ich habe dieses Treffen und den Weg dorthin auch gefilmt, das können Sie auf Facebook und Instagram sehen. Und ich hörte die Frauen singen – und sie waren live noch besser als auf der Aufnahme.

    Das erste Lied Ihres Albums singt der Frauenchor ganz allein – auf Georgisch. Ich dachte zuerst, ich hätte die falsche CD eingelegt.

    (lacht laut) Ja, das mag manche überraschen! Mochten Sie es?

    Sehr! Auch wenn die Sprache im ersten Moment sehr fremd klingt.

    Das glaube ich, Georgisch ist sehr fremd für Westeuropäer. Das ist kein typisches Katie-Melua-Album, das stimmt. Es ist ein Choralbum für den Winter, das erste Mal, dass ich auch Co-Produzentin war. Und erlebten so viel. Wissen Sie, dass die Chorladys noch nie zuvor mit Kopfhörern gesungen hatten? Das mussten sie aber, als wir unser mobiles Studio bei ihnen aufbauten. Dann brachte ich mein Team aus England mit, und da hatten wir eine Menge Sprachprobleme anfangs. Aber es wurde eine ganz spezielle und intensive Zeit. Und es finden sich ganz viele Lieder, die an ukrainische, russische und georgische Winterlieder erinnern. Da muss man sich einhören, aber wenn Sie sich darauf einlassen, schwelgen Sie nur.

    Sprechen Sie Georgisch daheim?

    Ja. Ich wollte die Sprache auf keinen Fall verlernen. Ich spreche es tatsächlich, wann immer es geht – mit meinen Eltern. Mit meinem Bruder spreche ich Englisch. Das Englisch liegt mir inzwischen doch zuvorderst.

    Ist Georgisch schwer zu lernen?

    Ich bringe Ihnen etwas bei. „Hallo“ bedeutet „Gamardschoba“.

    Gamardschoba, Katie.

    (lacht) Sehr gut! Sie sehen, man hört sich ein. Wichtig ist, dass Sie die Wörter auf der ersten Silbe betonen. Auf Georgisch betonen wir die meisten Wörter vorn.

    Ah, wie die Schweizer.

    Machen die das auch?

    Ja.

    Da sehen Sie mal, wie ähnlich wir den Schweizern sind. (lacht) Berge haben wir auch. Gut, wir haben obendrein noch das Schwarze Meer. Wir waren früher jeden Sommer dort. Ich liebe dieses Land.

    Ein Land, das es nicht immer einfach hatte. In „Plane Song“ erzählen Sie, wie Sie als Kind in alten Militärflugzeugen spielten.

    Politische Konflikte waren glücklicherweise nie Teil meines Lebens. Ich war nie Augenzeugin von Krieg. Im „Plane Song“ erzähle ich davon, wie es war, eine Kindheit in Georgien zu haben. Damals war gerade die UdSSR auseinandergebrochen, und bei uns standen überall ausrangierte Militärbusse und Militärflugzeuge herum. Viele empfanden das als depressiv. Aber für mich als Kind gab es nichts Besseres, als in einem aufgegebenen Militärflugzeug zu spielen!

    Sie waren die Pilotin, hm?

    Ja. Sie haben mich enttarnt. (schmunzelt)

    Ein zweiter Song auf dem Album hat mich sehr beeindruckt: „Dreams on Fire“. Dort gibt es eine wunderschöne Textzeile: „Wenn alle deine Träume in Flammen aufgingen: Welchen würdest du retten?“ Das interessiert mich natürlich: Welchen Traum würden Sie retten, Katie?

    (lacht) Das ist eine wirklich gute Frage. Ich würde meine Familie auswählen. Mein Mann James ist so unglaublich, er unterstützt mich bei allem, was ich tue. Und gerade bei „In Winter“ war ich viel unterwegs: Ich habe ja nicht nur die Lieder geschrieben, sondern war auch ständig in Georgien. Das war nicht einfach für ihn. Und die Musik würde ich retten. Den Traum der Musik. Ohne Musik kann ich nicht leben.

    Das geht nicht. Sie können nur einen Traum retten.

    Echt jetzt?

    So singen Sie es selbst in Ihrem Song! Sie können nicht aufzählen: Ich rette die Familie, den Ehemann, die Musik ...

    Ach du je. Dann wäre das eine ganz schreckliche Wahl, vor der ich stünde. Möge der Song nie wahr werden. (lacht)

    Und jetzt gehen Sie mit einem georgischen Frauenchor auf Tour, der noch nie außerhalb des Landes war.

    Das wird sehr aufregend. Ich werde den Ladys London zeigen, Paris. Und Deutschland natürlich auch! Wir werden die Welt rocken. (lacht) Das ist alles ein großes Abenteuer für mich.

    Katie Melua singt mit dem Gori Frauenchor zusammen.
    Katie Melua singt mit dem Gori Frauenchor zusammen.
    Foto: BMG

    Unverwechselbar: Katie Melua

    Biografie Katie Melua wurde 1984 in Georgien geboren und wuchs in Tiflis auf. 1993 zog die Familie nach Belfast, 2005 nahm die Familie die britische Staatsbürgerschaft an. Komponist und Produzent Mike Batt entdeckte Katie bei einem Vorsingen und nahm sie unter Vertrag. Mit ihren Hits „Nine Million Bicycles“ oder „The closest thing to crazy“ hatte sie den großen Durchbruch und ging auf Welttournee. Ihre Alben platzierten sich in Deutschland in der Regel in den Top Ten.
    Das neue Album „In Winter“ ist bei BMG erschienen. Darauf sind zehn Winter- und Weihnachtstitel zu hören, die Katie Melua teilweise mit dem Gori Frauenchor aus Georgien eingesungen hat.
    Live zu sehen ist Katie Melua mit dem Gori Frauenchor am 28. Oktober in der Jahrhunderthalle Frankfurt und am 2. November in der Mitsubishi Electric Hall Düsseldorf. Tickets unter www.rhein-zeitung.de/tickets

     

    RZ-Interview der Woche
    Meistgelesene Artikel
    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    1°C - 5°C
    Sonntag

    3°C - 4°C
    Montag

    3°C - 7°C
    Dienstag

    3°C - 6°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    UMFRAGE
    Winter, oh Winter!

    Mit voller Kraft brach am Wochenende der Winter herein – allerdings ging ihm schnell die Puste aus. Wie finden Sie das Winterwetter?

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!