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    Jana Voosen: Blick ins Paradies

    Sie ist die Königin des Liebesromans - das heißt aber nicht, dass ihre Bücher oberflächlich sind. Jana Voosen denkt gern über Gott und die Welt nach, erzählt sie im Interview.

    Sie lassen Ihre Hauptfigur Evi ins Paradies reisen. Wie stellen Sie sich das Paradies vor?

    Im Buch geht es um das biblische Paradies, nicht um das sprichwörtliche Paradies auf Erden. Und dieses biblische Paradies stelle ich mir wie ein großes "Planten on Blomen" vor, also wie den riesigen Park bei uns in Hamburg. Viele Bäume, viel Grün und außerdem - das allerdings im Gegensatz zu hier - immer schönes Wetter.

    Und es leben Nackedeis in diesem Park. Also vielleicht auch der Englische Garten von München als Vorbild, hm?

    Ja durchaus! (lacht) Ich musste auch an das Schlaraffenland denken beim Schreiben. Weil einem die Früchte im Paradies vom Baum direkt in den Schoß fallen.

    Sie sind eine Expertin für Liebesgeschichten. Hatten es Adam und Eva als erstes Liebespaar leichter als wir heutzutage? Fremdgehen konnten sie ja nicht.

    Das stimmt schon! Heutzutage kann man ja übers Internet einen Typen in Singapur kennenlernen, wenn man fremdgehen will. Diese Auswahl hatten Adam und Eva nicht. Aber anfangs waren Adam und Eva im Paradies ja auch kein Liebespaar, sondern haben asexuell miteinander gelebt. Erst nach dem Apfelessen von Eva ging es los, dass sie zum Liebespaar wurden - und damit fing dann zwar eine Menge Stress an, aber ja irgendwie auch alles, was das Leben interessant macht. Stellen Sie sich mal vor, Sie sind die einzigen Menschen und dürfen sich die Welt erobern. Das birgt eine Menge Konfliktpotenzial, aber auch Spannung und Abenteuer.

    Also ist es gar kein paradiesischer Zustand, wenn man als Frau nur einen Typen zur Auswahl hat.

    Das kommt sehr auf den Typen an. (lacht) Aber natürlich vereinfacht es die Sache auch. Da wir nun einmal den Sexualtrieb haben, wird sich ein Paar, das allein auf eine einsame Insel gespült wurde, irgendwann immer finden.

    In Ihrem aktuellen Roman fangen Sie da an zu erzählen, wo andere aufhören: Sie erzählen nicht das Kennenlernen, sondern Sie steigen mitten in einer bestehenden Beziehung ein.

    Tja, meine Romanfiguren altern mit mir. Das ist mir kürzlich erst aufgegangen. In meinem ersten Roman war die Hauptfigur Anfang/Mitte 20 - das war ich damals auch. Und da stand natürlich im Mittelpunkt, einen Partner zu finden und die Uni gut abzuschließen. Jetzt ist meine Figur Ende 30 - so wie ich auch -, und da beschäftigt man sich eher mit laufenden Beziehungen. Es sei denn, die ersten Versuche sind schon gescheitert. Nach ein paar Jahren wird die Beziehung ja erst spannend. Dann sind die Schmetterlinge verschwunden, und man fällt nicht mehr jedes Mal in Ohnmacht, wenn man seinen Freund oder Mann sieht. Aber im Idealfall hat sich aus diesem Verliebtsein echte, dauerhafte Liebe entwickelt - und da wollte ich diesmal mit meinem Roman anfangen.

    Für Ihre Helden kommt es knüppeldick, sie haben alle Probleme einer langfristigen Beziehung: unerfüllter Kinderwunsch, die Frage nach Treue, Vergangenheitsbewältigung ... War es da wichtig, auch noch das Thema Religion unterzubringen?

    Mich hat das sehr gereizt. Ich habe intensiv recherchiert. Ich habe die komplette Bibel gelesen, aber auch viel mit Psychologen gesprochen. Die Frage nach der Erbsünde, einer Urschuld, hat mich nicht losgelassen. Und die Frage, was eine solche Erbsünde mit uns Menschen macht. Man kennt das von Kindern, die sich manchmal an allem die Schuld geben und einfach alles auf sich nehmen. Und in einer Beziehung ist es oft so, dass die Frau quasi automatisch die Schuld bei Problemen auf sich nimmt und sich schuldig fühlt. Auch wenn sie es gar nicht ist. Woher kommt das? Könnte es daran liegen, dass schon auf den ersten Seiten der Bibel Eva quasi die Alleinschuld am Elend der Menschheit in die Schuhe geschoben wird? Dass sie die böse Sünderin ist, die für ihren Ungehorsam bestraft wird? Das ist etwas, was mich auch an diesem biblischen Text stört: Das Bild vom angeblich ungnädigen Gott, der Schuldige sucht und bestraft. Und der nicht sagt: "Ihr seid meine Abbilder, und ich liebe euch, auch wenn ihr Fehler habt." Es geht in der Bibel sehr häufig um den strafenden Gott.

    Im Neuen Testament steht dann aber genau das, was Sie im Alten Testament vermissen: Jesus erzählt vom liebenden Vater im Himmel.

    Einverstanden. Ja, das stimmt. Wissen Sie, ich glaube wirklich an Gott, an einen liebenden, gütigen Gott - ob ich jetzt an das Gleichnis vom Paradies glaube, sei mal dahingestellt. Ich glaube, dass Gott uns erschaffen hat und dass er da ist. Aber dadurch, dass er uns den freien Willen gegeben hat, hat er seinen Einfluss auf uns ja bewusst aufgegeben. Er wirft sich nicht dazwischen, wenn sich die Menschen entschließen, gegeneinander Kriege zu führen. Ich habe den Eindruck, dass er von uns möchte, dass wir die Welt selbst organisieren - und deshalb geht ja auch so viel schief, weil wir das nicht immer hinkriegen. Aber gleichzeitig ist es gut so, ich würde die Vorstellung nicht mögen, eine Marionette eines Gottes zu sein. Oder Teil eines riesigen göttlichen Computerspiels. Wenn wir keinen freien Willen hätten, wäre es so etwas. Die Herausforderung ist, den freien Willen für etwas Gutes auf der Erde einzusetzen.

    Wie groß ist die Versuchung für eine Autorin, von einem perfekten Leben zu schreiben, das Sie insgeheim gern führen würden?

    Ein perfektes Leben aufzuschreiben, ist ja total langweilig. Konflikte machen das Leben ja erst spannend. Aber ich nutze das Schreiben, um in verschiedene Leben hineinzuschnuppern. Denn leider haben wir ja jeder nur eins davon. Also muss man sich entscheiden: Wenn ich eine feste Partnerschaft haben will, dann entscheide ich mich für einen Mann, und alle anderen Männer sind ab dann tabu. Genauso entscheide ich mich für einen Job, für ein Leben in der Großstadt oder auf dem Land. Ich kann im echten Leben nicht alles gleichzeitig haben. Aber in meinen Büchern kann ich herumprobieren.

    Wie viele Pralinenpackungen brauchen Sie, um ein Buch zu schreiben?

    (lacht auf) Nein, Süßigkeiten esse ich dabei nicht. Ich brauche beim Schreiben extrem viele Latte Macchiatos und Tees.

    Wie oft finden sich Freunde von Ihnen in Ihren Büchern wieder?

    Na, man lässt sich schon inspirieren, aber ich verfremde alle Personen. Das ist mir noch nie passiert, dass sich jemand im Roman wiedererkannt hat. In einem Roman war die Mutter ein richtiges Biest - da hat meine Mutter sich schon mal bei mir abgesichert, dass sie nicht gemeint ist. Was sie auch nicht war, meine Mutter ist ganz großartig.

    Wie fühlt sich das an, wenn Sie am Strand an einer Liege vorbeilaufen und die Leute ein Buch von Ihnen lesen?

    Das ist mir lustigerweise selbst noch nie passiert. Aber meine Tante oder Freundinnen haben mir schon per WhatsApp Fotos geschickt von einem Menschen, der am Strand gerade mein Buch liest. Da freue ich mich immer riesig. Aber selbst habe ich noch nie jemanden gesehen.

    Was lesen Sie am Strand?

    Mein Buchtipp wäre "Saeculum" von Ursula Poznanski - das ist ein Thriller, superspannend. Ich lese sehr gern querbeet durch alle Genres, und im Moment habe ich eine Thrillerphase.

    Klar, nachdem Sie gerade einen Liebesroman geschrieben haben.

    Ja, da muss man auch mal wieder in die dunkle Seite der Welt eintauchen.

    Apropos Bösartigkeit: Was empfinden Sie, wenn Sie Ihr Buch auf einem Krabbeltisch liegen sehen, mit einem Aufkleber "nur noch 1 Euro"?

    Das geht gar nicht! (lacht) Das ist mir tatsächlich schon passiert. Ich bekam einen richtigen Schreck: "O Gott, jetzt wird mein Buch verramscht!" Ich habe die Bücher in die Hand genommen und dann aber festgestellt, dass es Mängelexemplare - also fehlerhafte Drucke - waren und dass sie deshalb billiger waren. Damit konnte ich dann leben. Aber so einen Krabbeltisch mit meinen Büchern, den fände ich ganz furchtbar ...

    Können Sie sich nach dem Schreiben leicht von Ihren Figuren trennen?

    Ja, denn ich fange schon bald danach mit einer neuen Geschichte an. Aber ich fange ganz oft an, von meinen Figuren zu träumen, das ist ganz verrückt.

    Und wenn Ihnen im Traum ein noch besserer Dreh der Geschichte einfällt?

    Das kam schon vor! Da war das Buch schon im Druck, und wie ein Blitz kam auf einmal eine Idee, die auch super gewesen wäre für das Buch. Aber das muss ich dann schnell wieder vergessen. Hilft ja nix.

    Das Gespräch führte Michael Defrancesco

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