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    Hinter den Kulissen von "Phantom der Oper": Interview mit Elizabeth Welch

    Seit 25 Jahren ist das „Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber bei den Musicalfans beliebt. Derzeit spielt das Stück in Oberhausen. Vor Beginn der Show treffen wir 
Elizabeth Welch in ihrer Garderobe. Sie spielt die Christine.

    Zwei US-Stars im Ruhrgebiet: Elizabeth Welch spielt die Rolle der Christine, und Brent Barrett ist das Phantom der Oper. Beide kennen ihre Figuren in- und auswendig. Deshalb können wir mit Elizabeth Welch im Interview auch wunderbar über die Gefühle der so berühmten Balletttänzerin Christine sprechen.<br />Foto: Stage Entertainment
    Zwei US-Stars im Ruhrgebiet: Elizabeth Welch spielt die Rolle der Christine, und Brent Barrett ist das Phantom der Oper. Beide kennen ihre Figuren in- und auswendig. Deshalb können wir mit Elizabeth Welch im Interview auch wunderbar über die Gefühle der so berühmten Balletttänzerin Christine sprechen.

    Foto: Stage Entertainment

    Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

    Sie wirken noch ganz entspannt – wann setzt die Hektik vor der Show bei Ihnen ein?
    (schmunzelt) Das läuft alles ganz ruhig. Etwa eine Stunde vor Beginn mache ich mein Make-up, dann bekomme ich die Perücke aufgesetzt, das Kostüm – fertig. Mein Make-up ist nicht so aufwendig wie das des Phantoms, der Kollege darf jeden Abend zwei Stunden in der Maske sitzen.

    Sie spielen die Hauptrolle der Christine nun seit sieben Jahren.
    Und ich mag es immer noch, ja. Jede Show ist anders! Auch stehen nicht immer dieselben Kollegen mit mir auf der Bühne, das macht es auch immer wieder neu. Ich mag diese Rolle auch sehr, sie ist mir wie auf den Leib geschneidert! Das, was Christine singt, ist wunderschön, und ich finde auch ihren Charakter sehr faszinierend. Sie ist so viel mehr als ein naives Mädchen.

    Sie setzen sich wirklich mit ihrer Figur auseinander?
    Aber natürlich! Ich mag beispielsweise an ihr, dass sie so leidenschaftlich ist. Sie möchte anderen vertrauen, sogar diesem geheimnisvollen Meister, den sie nie gesehen hat und der sie ausbildet.

    Aber wenn das nicht naiv ist?
    Joa, das mag naiv sein, aber sie ist auch sehr abenteuerlustig, sie mag es, dass dieser Meister so mysteriös ist! Und sie hat eine tiefe Verbindung mit ihrem toten Vater und glaubt ja, dass er ihr diesen Engel, diesen Meister gesandt hat. Im Lauf des Stücks wird sie auch immer selbstbewusster, stärker, trifft ihre eigenen Entscheidungen. Wenn sie das Phantom am Ende küsst, dann nicht aus Schwachheit, sondern ganz im Gegenteil. Da ist sie eine starke und selbstsichere Frau.

    Keiner kennt Christine besser als Sie: Lieben Sie jetzt das Phantom oder den anderen adretten jungen Mann namens Raoul?
    (grinst) Das ist die große Frage, nicht wahr? Also meine Christine liebt definitiv beide. Raoul ist ein guter Mann, sehr liebevoll, sie vertraut ihm, er lacht und tanzt mit ihr. Das Phantom hat diese tiefe Leidenschaft, diese unglaubliche Musikalität – und das entfacht in ihr ebenfalls Leidenschaft. Und seien wir mal ehrlich: Sie kann sich am Ende nicht entscheiden. Sie geht zwar mit Raoul – aber deshalb hat sie sich nicht gegen das Phantom entschieden.

    Das Phantom ist auch ein ziemlicher Angeber. Große Gesten, „sing für mich!“, Hut, Umhang – alles sehr extrovertiert. Finden Sie so Typen im echten Leben sexy?
    (lacht) Oh ja, er ist ein totaler Angeber. Aber er ist eben auch mysteriös. Und er ist verführerisch! Denken Sie mal an diesen See, das Boot, die Kerzen, die unglaubliche Musik – er weiß schon, wie man ein Mädchen verführt. Raoul ist im Vergleich dazu ja fast langweilig. Er ist so ein typischer Disney-Prinz: sieht toll aus, „mein erster Kuss!“, schwärm. Aber er ist nicht so verführerisch wie das Phantom. Im echten Leben wäre das Phantom wahrscheinlich der böse Junge, der sexy auf einem Motorrad sitzt und die Frauen so anmacht, dass sie einfach nicht widerstehen können. Ich kann mir durchaus vorstellen, mich bei so einem Typen auf den Sattel zu schwingen. (lacht)

    Nun ist das Phantom aber nicht sexy oder hübsch ... Sondern ganz im Gegenteil. Kann man jemand so Hässliches lieben?
    Aber ja! Schönheit ist in jedem Menschen. Das Physische ist natürlich wichtig, das kann man nicht abstreiten. Man muss sich auch körperlich zu einem Menschen hingezogen fühlen. Aber dennoch: Liebe und Schönheit sind in jedem Menschen. Gut, das Phantom ist jetzt leider ein Mörder. (grinst) Das macht es vielleicht kompliziert. Aber noch mal zur echten Welt: Ich fühle mich Christine da sehr verbunden. Denn ich sorge mich gern um Menschen, die von sich glauben, nicht liebenswert zu sein. Und ich möchte ihnen zeigen, dass das nicht stimmt. Ich glaube, dass echte Liebe auch wirklich daraus erwachsen kann, dass man die innere Schönheit eines Menschen erst schätzt und dann irgendwann nicht mehr hergeben möchte. Ganz egal, wie er aussieht.

    Sie haben das Stück auch lange am Broadway gespielt. Jetzt sind Sie in Oberhausen – macht das für Sie einen Unterschied?
    Ah, das Publikum ist so oder so immer wieder anders. Manche gehen in die Show wie in ein Rockkonzert und jubeln und schreien vor Begeisterung, „o mein Gott, ich sehe das ,Phantom der Oper'! Kreisch!“ (lacht) Das finde ich richtig klasse, ich mag das. Manche sitzen ganz ruhig im Saal und applaudieren sehr zurückhaltend, und hinterher sagen sie mir dann, wie sehr es ihnen gefallen hat. Samstags ist das Publikum meist ausgelassener als freitags – da sind die Leute wohl noch müde von der Arbeitswoche. Unter der Woche hingegen sind sie auch oft gut drauf – ach, ich kann das nicht erklären. (lacht) Ein Unterschied zu New York sind die Voraussetzungen, unter denen wir spielen: Die Theater in New York sind sehr alt und eng, am Broadway hatten wir nur einen sehr kleinen Backstage-Bereich. Hier in Oberhausen ist alles modern und groß, wir haben richtig viel Platz als Künstler. Da kann man sich auch mal verlaufen.

    Kamen Sie schon mal zu spät auf die Bühne?
    Einmal in meiner ganzen Karriere habe ich meinen Einsatz verpasst. Das war aber nicht hier, sondern bei „Die Schöne und das Biest“. Ich spielte die Belle. Ich war hinter der Bühne, und meine Szene kam. Das Biest röhrte und röhrte, aber ich kam nicht.

    Tranken Sie eine fröhliche Cola mit den Kollegen?
    (lacht) Nein, ich stand am Monitor und schaute mir die Szene an! Wie verrückt! Bis mich einer schubste und sagte: „Hey, das ist deine Szene, du musst raus!“ Ich ließ alles stehen und liegen und rannte sofort los. Das ist mir aber nie wieder passiert. Wenn ich hier in Oberhausen zu spät komme, dann liegt das daran, dass bei den Kostümwechseln etwas schief gegangen ist. Ich habe so viele Wechsel – das läuft nach einer regelrechten Choreografie ab. Einer zieht mir die Schuhe aus, andere wechseln das Kleid, das muss rasend schnell gehen. Dabei habe ich immer mein Mikro an, das ist in die Perücke eingearbeitet. Und einmal hatte man vergessen, das Mikro auszuschalten – also hat das Publikum über die Saallautsprecher gehört: „Los, los, los, schneller, schneller, lass es so, sie muss wieder raus!“ (lacht) Das war sehr lustig.

    Sie singen die Rolle auf Deutsch – und sprechen praktisch kein Wort Deutsch. Dafür singen Sie quasi akzentfrei – das ist unglaublich.
    Wie lieb, danke! Es war gar nicht so schwer, wie ich zunächst gedacht habe. Ich habe Oper studiert und kann in Englisch, Deutsch, Italienisch oder Französisch singen.

    Sie wissen auch, was Sie singen?
    Aber hallo! Natürlich! Wenn ich nur die phonetischen Wörter hätte, würde das nicht funktionieren. Ich bekomme alles übersetzt und weiß genau, was ich singe – mein ganzes Schauspiel muss ja auch passen. (grinst) Ich habe einen guten Sprachtrainer, der mir die korrekte Aussprache beigebracht hat. Im Englischen haben wir zum Beispiel kein geschlossenes O. Das können wir nicht aussprechen. Da muss ich erst einmal lernen, wie sich das anhört und wie ich diesen Laut herstellen kann. Und so lerne ich Wort für Wort den Text auswendig, damit es wirklich wie sauberes Deutsch klingt.

    Vermissen Sie Ihre Heimat?
    Da sagen Sie etwas. Ich vermisse vor allen Dingen meinen Mann und meine Tochter, die in New York leben. Als ich dort gespielt habe, bin ich morgens aufgestanden, habe meiner Tochter Frühstück gemacht und sie in die Schule geschickt. Sie ist elf. Hier in Deutschland gibt es nur mich. Ich habe natürlich viel zu tun, mir wird nicht langweilig. Aber mir fehlen meine beiden Lieben ganz schrecklich. Zu Weihnachten waren sie bei mir, und alle sechs Wochen fliege ich zu einem Kurzbesuch nach New York. Sie fanden Deutschland toll! Wir haben viel besichtigt, waren auch in Trier und in Straßburg auf dem Weihnachtsmarkt.

    Respekt! Normalerweise machen nur die Japaner „ganz Europa in einer Woche“.
    (lacht) Aber das kann ich nachvollziehen – hier ist alles so herrlich nah! Man ist mit dem Flugzeug so schnell in Paris und London. In den USA sind die Entfernungen viel größer. Wir werden das im Sommer auch machen, da kommt meine Tochter wieder zu Besuch.


    Weitere Informationen:

    Biografie: Elizabeth Welch stammt aus dem US-Bundesstaat Colorado. Sie studierte an der University of Colorado und an der University of Illinois. Im Alter von drei Jahren begann sie mit dem Singen – im Kirchenchor. Mit 14 Jahren nahm sie Gesangsunterricht, und sie sah zum ersten Mal „Das Phantom der Oper“. Heute lebt sie mit ihrer Familie in New York. Sie spielte in diversen Musicals, sie war die Cosette in „Les Miserables“, die Belle in „Disneys Die Schöne und das Biest“, Maria in „West Side Story“ und Anna in „Der König und ich“. Ebenso spielte sie die Christine Daaé im „Phantom der Oper“ am Broadway.

    Das Musical „Das Phantom der Oper“ wurde 1986 in London uraufgeführt. Andrew Lloyd Webber und Richard Stilgoe schrieben es basierend auf dem Roman von Gaston Leroux. Mit Inszenierungen in 27 Ländern und mehr als 130 Millionen Besuchern gilt es als das erfolgreichste Musical aller Zeiten. Derzeit ist es im Metronom Theater in Oberhausen zu sehen. Infos unter www.musicals.de

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