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    Die Liebe des Leibwächters

    Ihre Lache ist einmalig: Patricia Meeden ist das kubanische Temperament anzumerken. Wir interviewen die Hauptdarstellerin des Kölner Musicals "Bodyguard" und versinken in urgemütlichen und extrem niedrigen Sesseln.

    In ihrer Garderobe verwandelt sich Patricia Meeden Abend für Abend in die Soul-Diva Rachel Marron. Die Berlinerin spielt im 
Kölner Musical Dome im Stück „Bodyguard“ die Hauptrolle – und sie nimmt uns im Interview mit auf eine Reise hinter die Kulissen der großen Produktion.
    In ihrer Garderobe verwandelt sich Patricia Meeden Abend für Abend in die Soul-Diva Rachel Marron. Die Berlinerin spielt im 
Kölner Musical Dome im Stück „Bodyguard“ die Hauptrolle – und sie nimmt uns im Interview mit auf eine Reise hinter die Kulissen der großen Produktion.
    Foto: Michael Defrancesco

    Von unseren Reportern Michael Defrancesco und Marie Brockers

    Woa, hier komm ich nie wieder raus, aus diesen Sesseln. Einmal reingesunken – und das war's.

    Die Show wird heute ausfallen müssen. "Liebes Publikum, unsere Hauptdarstellerin hängt im Sessel fest."

    "Wir brauchen einen hübschen Mann, der sie befreit."

    Sie nutzen die Situation auch gleich wieder schamlos aus. Ein Glück, dass Sie keinen Bodyguard haben.

    Der hätte Spaß bei mir!

    Möchten Sie echt einen haben?

    Ich weiß nicht, ob man das so toll findet. Wenn da immer so ein Großer mit mir mitlaufen muss. So ein Typ wie Frank Farmer im Musical nervt ja tierisch. Wenn ich zu Hause bin, hab ich gern meine Ruhe, treffe mich mit Freundinnen, gehe Kaffee trinken, schwimme. Alles ohne Bodyguard.

    Wann fängt der Abend für Sie an?

    Eine Stunde vor dem Aufwärmen. Ich mache zu Hause schon meine ersten Übungen für die Stimme. Hier im Theater wird dann noch gemeinsam trainiert.

    Haben Sie ein Ritual vor dem Showbeginn?

    Leider nicht, der Vorhang ist zu dünn. Das würde das Publikum alles hören. Anfangs hatten wir das: Da haben wir einen Kreis gebildet und uns motiviert. Bis man uns sagte, dass wir leiser sein müssen, weil das Publikum alles hören würde. Letztens hat mich ein Kollege kurz vor dem Auftritt erschreckt.

    Bitte was?

    Ja! Ich war auf dem Weg zum ersten Auftritt – ich werde da hoch in die Kulisse gefahren. Und als ich um die Ecke kam, hat mich der Kollege erschreckt – und ich kreischte voll laut! Das hörte jeder im Saal. Und backstage. Alle hörten das. Ich war fertig. Das kriegt er zurück. Ich krieg den!

    Normalerweise macht man sich ja erst bei der Derniere fertig, also bei der letzten Show.

    Wir wollen ja noch lange, lange spielen, aber ich bin immer dabei, solche Pläne zu schmieden, wie ich die Kollegen überraschen kann. Ich habe schon viel bei anderen Musicals hinter der Bühne erlebt. Mir wurde mal Zahnpasta in die Hose gemacht oder Sushi in die Steppschuhe! So ekelig, während der ganzen Nummer hab ich in Sushi getanzt. Oder einmal hatte ich eine Kussszene, und der Kollege hat sich extra vorher einen riesigen Döner mit viel Zwiebeln gegönnt, und mir sind die Tränen gekommen beim Küssen vor lauter Zwiebeln.

    Pfui!

    Ich lasse mich aber auch nicht lumpen. Ich male mir einen schwarzen Zahn oder stecke mir lustige Dinge in die Hose. Ich bin da sehr schlimm. Was die auf keinen Fall machen dürfen: Bühnenwasser durch Wodka ersetzen. Ich vertrage so was von keinen Alkohol, ich trinke fast nichts. Alkohol hat bei mir die Wirkung, dass ich sofort einschlafe.

    Das wäre schlecht für die Vorstellung.

    Jap. Ich werde mit Alkohol nicht lustig, sondern ich suche mir irgendwo einen gemütlichen Platz und schlafe ein.

    Ein Traum! War dieser Job für Sie auch ein Traum als Jugendliche?

    Als Kind noch nicht. Ich habe immer gern gesungen und Ballett getanzt. Zur Musicalbranche kam ich übrigens nicht durch einen Bodyguard, sondern durch einen Türsteher! Der Türsteher eines Nachtklubs war ein guter Freund von mir. Er gab mir den Tipp, zu einem Vorsingen bei "Cats" zu gehen – und ich bekam tatsächlich die Zusage. Das war vor elf Jahren.

    Was waren Ihre absoluten Traumrollen?

    Die Rachel, die ich hier bei "Bodyguard" spiele, gehört definitiv dazu. Normalerweise stehen Hauptrollen oft viel herum und singen einfach, aber Rachel tanzt auch. Und das kommt mir sehr gelegen, weil ich ja vom Tanzen komme! Auch die Sally Bowles aus "Cabaret" mag ich sehr. Und vergangenes Jahr habe ich die Ines in "Zorro" gespielt – eine rassige Latinabraut, mit Flamenco und Fechten – das war genial. Je mehr ich gefordert werde, desto mehr mag ich die Rolle.

    Ihre Figur, Rachel, und Sie – Sie scheinen sich gut zu verstehen, hm?

    (lacht) Wir sind beide aufbrausend und temperamentvoll. Das habe ich von Kuba mitbekommen. Sie ist sehr ehrgeizig und professionell, das bin ich auch. Manchmal ist sie wie ein kleines Kind und schüchtern – auch das kann ich sein. Nur wäre ich netter zu meinen Angestellten, wenn ich welche hätte. (lacht) Es gibt eine Szene, in der Rachel beim Kochen ausrastet, als sie gerade Gemüse schnippelt. Dann hämmert sie mit einer Schüssel auf den Küchentisch. Das habe ich mir selbst ausgedacht, es kam spontan, und der Regisseur war begeistert! Ich habe sehr viel von mir selbst in diese Rolle hineingegeben.

    Sie haben weniger die Film-Rachel Whitney Houston als Vorbild genommen?

    Natürlich habe ich mir die Whitney-Songs angehört, und ich versuche, die Phrasierungen zu übernehmen. Das Publikum erwartet das so, dass die Lieder so klingen. Aber was das Schauspiel angeht, da ist Rachel ganz klar ich und nicht Whitney.

    Lernen Sie leicht?

    Beim Textlernen höre ich klassische Musik. Und ich kann auch nur abends lernen. Ich lasse mich furchtbar leicht ablenken, jedes Geräusch lenkt mich ab. Tagsüber würde ich keinen Satz in mein Gehirn bekommen. Ich kann das nur vor dem Schlafengehen.

    Haben Sie viele Freundschaften geschlossen hinter der Bühne?

    Ich kenne tatsächlich nur sehr wenige Kollegen, es kommen auch sehr viele aus England. Meine alternierende Rachel, Nyassa Alberta, kenne ich sehr gut, weil wir schon zusammen "Sister Act" gespielt haben. In den elf Jahren habe ich vielleicht acht Freundschaften gefunden. Man ist während der Show sehr eng, aber dann verläuft es sich wieder, und viele Freundschaften überleben die Trennungen und neue Engagements nicht. Aber das ist schon in Ordnung, keiner kann 20 beste Freunde haben. Das wäre zu viel Arbeit.

    Fühlen Sie sich als Star?

    Auf der Bühne ja. Als Rachel habe ich ja viele Szenen, wo Fans mich ankreischen oder auch wo meine heißen Tänzer um mich herumwirbeln. Da fällt es mir leicht, mich wie ein Weltstar zu fühlen. (grinst) Die Rachel ist schon ein wahrgewordener Traum für mich. Ich habe schon so manche schöne Erstaufführung gespielt – aber die Rachel ist echt eine Schippe drauf. Ich bin bei der Premiere in Tränen ausgebrochen! Das war so ein schöner Abschluss einer doch schon langen Musicalkarriere.

    Abschluss?

    Waaa, nein, ich meine, eine nächste Stufe! Ein Abschluss fürs vergangene Jahr. Nein, nein, ich höre noch lange nicht auf, keine Sorge. Die Premiere von "Bodyguard" war mein Höhepunkt des vergangenen Jahres. Das steht fest.

    Obwohl Kevin Costner nicht kam.

    Das stimmt, den hätte ich mal schön auf die Bühne geholt, das könnt ihr mir glauben! Der wäre nicht unten im Publikum sitzen geblieben. "Junge, hier, mach mit und beschütz mich!"

    Das kann ja alles kaum noch getoppt werden, oder?

    Ich wünsche mir wirklich, dass das Stück lange in Köln läuft. Ich als Berlinerin muss sagen, dass ich mich in Köln verliebt habe. Und das will was heißen. Ansonsten habe ich nicht viele Wünsche. Doch: Ich würde schrecklich gern mal einen Kinofilm drehen.

    Vielleicht wird "Bodyguard" ja mal verfilmt! Der Stoff würde sich ja fürs Kino geradezu anbieten ...

    (grinst) Ha! Sehr gut! Glauben Sie? Meinen Sie, das würde als Hollywoodproduktion tragen?

    Eher nicht, gell.

    Denke ich auch. So einen Film würde ja keiner sehen wollen. Aber – hey: Die können unser Musical abfilmen und auf DVD herausbringen. Das wünsche ich mir. Geben Sie das Interview den Produzenten des Musicals weiter? Bittedanke.

    Manchmal werden Wünsche wahr.

    Wirklich! Auf der Premierenfeier von "Mamma mia" habe ich die Rolle bei "Zorro" angeboten bekommen. Da isst man nichts ahnend sein Häppchen, da steht ein Mann vor mir, sagt, dass er Regisseur ist und mich für "Zorro" haben will.

    Und Sie?

    Ich hab runtergeschluckt, gefragt: "Hauptrolle?" Er: "Ja." Ich: "Machen wir." Manchmal kann es echt so einfach sein in unserer Branche.

     

    Weitere Informationen:

    Biografie: Patricia Meeden, die Berlinerin mit kubanischen und dänischen Wurzeln, absolvierte ihre Ausbildung zur Bühnentänzerin an der Staatlichen Ballettschule Berlin, die sie 2004 abschloss. Sie trat bei „The Voice of Germany“ auf. Ihr Debüt als jüngstes Ensemblemitglied bei „Cats“ in Düsseldorf gab sie gleich im Anschluss an ihre Tanzausbildung 2004. Seitdem spielte sie in zahlreichen Musicals, aber auch in diversen Fernsehserien die Hauptrolle.

    „Bodyguard“: Der Bodyguard und frühere Geheimagent Frank Farmer wird engagiert, um Superstar Rachel Marron zu beschützen – gegen ihren Willen. Doch dann entwickelt sich eine Liebe zwischen der exzentrischen Soul-Diva und ihrem Leibwächter. Der Film mit Whitney Houston und Kevin Costner kam 1992 in die Kinos. Das Musical wurde auf der Basis des Films geschrieben, feierte 2012 Uraufführung in London und beinhaltet zahlreiche Whitney-Houston-Songs. „Bodyguard“ ist im Kölner Musical Dome zu sehen, Infos unter www.bodyguard-musical.de

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