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    Koblenz

    Claudia Weidung-Anders: Mehr als Ehefrau und Mutter

    Mit einem Lächeln betritt Claudia Weidung-Anders (44) den Raum. Mit ihrer einnehmenden Persönlichkeit fällt es ihr leicht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – und doch bleibt sie dabei bodenständig und entspannt.

    Claudia Weidung-Anders ist seit 2000 mit dem Sänger Thomas Anders verheiratet. Ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben abseits des Rampenlichts war ihr aber immer wichtig – sie verwirklicht es als selbstständige Betreiberin eines Hundeshops. Sie sagt: „Ich habe immer Wert darauf gelegt, dass ich meine eigene Persönlichkeit habe.“ Foto: Jens Weber
    Claudia Weidung-Anders ist seit 2000 mit dem Sänger Thomas Anders verheiratet. Ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben abseits des Rampenlichts war ihr aber immer wichtig – sie verwirklicht es als selbstständige Betreiberin eines Hundeshops. Sie sagt: „Ich habe immer Wert darauf gelegt, dass ich meine eigene Persönlichkeit habe.“
    Foto: Jens Weber

    Frau Weidung-Anders, Sie sind seit 16 Jahren mit Thomas Anders verheiratet. Schweißt eine öffentliche Partnerschaft zusammen oder verkompliziert ein Leben im Rampenlicht eine Beziehung?

    Es schweißt garantiert nicht zusammen. Ich bin froh, dass ich meinen Mann nicht während des großen Comebacks von Modern Talking kennengelernt habe, sondern in einer Zeit, in der es ein wenig ruhiger um ihn geworden ist. Der Mensch stand mehr im Vordergrund. Und ich konnte auch das Showbusiness erst mal kennenlernen. Ich glaube, hätte ich ihn während der großen Reunion kennengelernt, hätte unsere Beziehung keine Chance gehabt. Er war immer unterwegs, und da geht dann das Kopfkino los. Zudem war noch kein Vertrauen da. Ich meine, ich hatte mit dieser Branche davor überhaupt nichts zu tun. Ich hatte einfach gewisse Klischees im Kopf. (lacht)

    Sie haben nach der Geburt Ihres Sohnes ein Kinderratgeberbuch geschrieben. War das der Moment, an dem Sie wieder mehr Claudia sein wollten als Frau Anders?

    Es war mir immer schon sehr wichtig, dass ich selbstbestimmt sein durfte.

    In dem Buch sprechen Sie aber auch offen die nicht so schönen Seiten der Mutterschaft an...

    Es war ein Wunsch von mir, ein Tabu zu brechen und darüber zu schreiben, dass nach der Geburt eben nicht alles nur heile Welt ist. Ich wollte Mütter darüber informieren, dass es nur natürlich ist, wenn durchaus auch ein paar dunkle Tage dabei sind. Hormonstürze, Schlafmangel, keine Routine, Unsicherheit und der Respekt vor der neuen Aufgabe. Das war mir ganz wichtig, offen darüber zu sprechen. Als werdende Mutter bekommt man immer nur schöne Bilder in den Medien präsentiert, alle freuen sich. Aber die Realität sieht oft ganz anders aus. Und ich habe gemerkt, dass das nicht unbedingt eine schöne Zeit in meinem Leben war. Und dass das bis heute gern noch tabuisiert wird, dass es einer Mutter auch schwerfallen könnte, ein Kind zu bekommen und anzunehmen. Obwohl man ein Wunschkind zur Welt gebracht hat, die Beziehung stimmt und man einigermaßen zäh ist. Ich bin eigentlich ziemlich belastbar und dachte, ich schaffe den neuen Lebensrhythmus mit dem Baby zu meinem Beruf mit links. Jedoch war es eine riesige Umstellung für mich. Und eine der härtesten Prüfungen unserer Beziehung. Wäre mein Mann in dieser Zeit nicht so sensibel und verständnisvoll mit mir umgegangen, hätte unsere Beziehung tatsächlich zu Bruch gehen können.

    Litten Sie unter einer postnatalen Depression?

    Ja, absolut.

    Wie haben Sie die überwunden?

    Der erste Schritt ist, sich das einzugestehen. Und dann habe ich mir entsprechend Hilfe geholt. Bei der Betreuung meines Kindes, ich habe wieder angefangen zu schlafen und Vitamine zu nehmen. Mein Fokus war zu sehr auf das Kind gerichtet. Das heißt, mein Kind hatte alles, und ich hatte mich darüber total vergessen. Ich habe einfach nicht mehr auf mich geachtet. Hinzu kam dann noch ein Hormonsturz … Man weiß zu der Zeit gar nicht richtig, was mit einem geschieht. Man geht mit so was auch nicht hausieren, weil man sich sagt: "Ich habe mir das doch alles so gewünscht. Warum bin ich jetzt nicht glücklich?" Ich wusste gar nicht, dass es postnatale Depressionen gibt. Darauf wird man als werdende Mutter ja gar nicht vorbereitet. Heute kann ich sagen: Das gehört einfach dazu. Und ich habe viele Zuschriften zu meinem Buch von Eltern bekommen, die sagten: "Ich hatte das auch." Nur spricht niemand darüber. Deshalb bin ich froh, dass ich dieses Buch veröffentlicht habe und dass ich dieses Tabuthema angesprochen habe. Ich würde es immer wieder tun.

    Haben Sie sich damals professionelle Hilfe gesucht?

    Nein. Ich würde mich als sehr starken Menschen bezeichnen, ich hatte ein stabiles Umfeld und meine Familie hat mir sehr geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Auch weil ich mich eben geöffnet habe. Insbesondere mein Mann hat mich aufgebaut.

    Wie lange hatten Sie die postnatale Depression?

    Das erste Jahr nach der Geburt war das schwierigste. Bis ich mich wirklich wieder gefangen hatte, hat es zwei Jahre gedauert. Der größte Schritt ist es, sich das einzugestehen. Wieder achtsam mit sich zu sein. Und sich bewusst zu sein, dass es nur eine postnatale Depression ist und dass die auch wieder weggeht.

    Ist das auch der Grund, weshalb Ihr Sohn ein Einzelkind geblieben ist?

    Es gab eine Phase, wo wir tatsächlich darüber nachgedacht haben, ein zweites Kind zu bekommen. Aber die Angst, dass sich das wiederholen könnte, war natürlich da. Gleichzeitig denke ich, dass ich heute viel cooler wäre. Ich bin vom Naturell her eine Frohnatur. Ich habe ja jetzt die Erfahrung und weiß, worauf ich achten muss.

    Wurde das Thema postnatale Depression mittlerweile enttabuisiert?

    Ich glaube leider immer noch nicht genug. Ich kann nur jeder Mutter raten, offen damit umzugehen. Zumindest im Freundes- und Familienkreis. Und beim Arzt sowieso. Dann kommt man auch schneller wieder da raus. Man muss sich im Klaren sein: Das ist nichts, was für immer bleibt.

    Was haben Sie gelernt?

    Ehrlichkeit und Vertrauen untereinander, in der Beziehung. Auch dem Partner Schwächen einzugestehen und daraus gestärkt hervorzugehen. Wenn man zusammenhält, Hürden und schwierige Zeiten überwindet, dann kann man sich sagen: Wir schaffen das, wir schaffen auch noch anderes.

    Stört es Sie, dass Sie oft nur als die Frau von Thomas Anders wahrgenommen werden?

    Eigentlich nicht. Ich bin gern die Frau von Herrn Anders. Ich war immer selbstbestimmt und habe auch Thomas immer gern unterstützt. Jedoch habe ich auch immer Wert darauf gelegt, dass ich ich bin und meine eigene Persönlichkeit habe. Und wenn man uns beide beobachtet, dann merkt man auch, dass jeder für sich selbst steht. Ich denke, jeder Mensch braucht etwas, um sich definieren und ausdrücken zu können. Wenn man nach Zufriedenheit sucht, würde ich das damit beantworten, dass man für sich eine Sache finden muss, die einen glücklich macht. Es ist ganz schwierig, wenn sich Menschen über Partner definieren. Ab einem gewissen Alter kommt dann irgendwann eine persönliche Leere.

    Sind Sie eine Feministin?

    Ich habe in meiner Selbstständigkeit als Unternehmerin von Home and Dogs Situationen erlebt, die ich in der Zusammenarbeit mit meinem Mann so nie kennengelernt habe. Dass ich tatsächlich dafür kämpfen muss, als Frau unternehmerisch tätig zu sein. Da war ich erst mal baff - dass man 2016 noch mit Herren am Tisch sitzt, die einer Frau noch vormittelalterlich gegenübertreten und in alten Rollenmustern denken. Ich bin entsetzt darüber, wie viel Aufholbedarf es noch gibt. Deshalb würde ich schon sagen: Ja, ich bin eine kleine Feministin.

    Wie reagieren Sie auf solche Situationen?

    Erst mal ärgert mich das und macht mich fassungslos. Aber dann versuche ich, die Herren mit den eigenen Waffen zu schlagen und zu zeigen, dass ich mindestens genauso viel draufhabe. Ich versuche, mir aber auch treu zu bleiben und mir klarzumachen, dass ich als Frau nicht doppelt so gut sein muss. Ich bin nicht getrieben von Feminismus, aber ich bin immer wieder darum bemüht zu zeigen, dass eine Dringlichkeit der Gleichstellung erforderlich ist. Ich glaube prinzipiell schon, dass Gesetze weiterhelfen können. Aber ich glaube auch, dass es noch Jahre dauern wird - wenn überhaupt -, dass es eine echte Gleichstellung gibt. Meinem Sohn bringe ich hoffentlich in seiner Erziehung etwas anderes bei, nämlich dass er ein natürliches und zeitgemäßes Rollenverständnis hat. Er soll später eine gleichwertige Haltung Frauen und Männern gegenüber haben. Und in veralteten Köpfen - auch bei gebildeten Herren - fehlt diese Gleichwertigkeit leider manchmal noch. Ich bin nicht davon angetrieben zu missionieren. Man muss einfach an sich glauben und weitermachen. Ganz egal, wer links oder rechts etwas anderes denkt, ob man das gut findet oder nicht. Es gilt, sein eigenes Ziel weiterzuverfolgen.

    Das Interview führte Nina Kugler

    Zur Person:

    Claudia Weidung-Anders (44) ist in Bendorf am Rhein geboren und in Siershahn aufgewachsen. Seit mittlerweile 16 Jahren ist sie mit dem Sänger Thomas Anders verheiratet, sie leben in Koblenz.

    2002 kam ihr gemeinsamer Sohn Alexander zur Welt. Nach dessen Geburt veröffentlichte sie das Ratgeberbuch „Mein Kind im ersten Jahr“. Seit 2014 ist sie Inhaberin des Hundeladens Home and Dogs, der luxuriösen Zusatzbedarf für Hund und Halter vertreibt.

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