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    Achim Schloemer: Der Schiff-Chef

    Viele Jahre war Achim Schloemer der Cheftouristiker von Rheinland-Pfalz. Jetzt leitet er die Köln-Düsseldorfer. 
Wir treffen ihn zum Interview – natürlich an Bord.

    Achim Schloemer – früher langjähriger Leiter der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH – ist nun der Chef der Köln-Düsseldorfer. Die Reederei wird in diesem Jahr 190 Jahre alt. Für Achim Schloemer ist es nach wie vor ein Genuss, mit dem Schiff durch „sein“ Mittelrheintal zu fahren, erzählt er. Beim Anblick der Marksburg geht sein Herz auf.
    Achim Schloemer – früher langjähriger Leiter der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH – ist nun der Chef der Köln-Düsseldorfer. Die Reederei wird in diesem Jahr 190 Jahre alt. Für Achim Schloemer ist es nach wie vor ein Genuss, mit dem Schiff durch „sein“ Mittelrheintal zu fahren, erzählt er. Beim Anblick der Marksburg geht sein Herz auf.
    Foto: Michael Defrancesco

    Von Michael Defrancesco und Marie Brockers

    Was macht der Chef der Köln-Düsseldorfer eigentlich den ganzen Tag?

    (lacht) Das ist eine gute Frage. Es ist so, dass kein Tag wie der andere ist. Als ich meinen Posten bei der KD angetreten bin, war es Winterhalbjahr – und da hat mich erst mal überhaupt niemand gebraucht. (grinst) Da sagte ich noch: "Ach, der Winter bei der KD ist aber recht ruhig!" Aber dem ist gar nicht so, und das hat sich auch für mich inzwischen geändert. Im Winter planen wir die neue Saison, überlegen Marketingstrategien, schauen, ob man die Gästeansprache verändern sollte. Die strategischen Dinge gehören in den Winter, dafür gibt es im Sommer keine Zeit. Der Sommer gehört dem operativen Geschäft.

    Sie fahren Schiff.

    Genau. Ich bin ein- bis zweimal in der Woche auf den Schiffen unterwegs – das liebe ich. Die Landschaft ist traumhaft und das Schifffahren mag ich. Das ist aber nicht Urlaub, sondern wir haben sehr viele Mitarbeiter, die zwischen Frankfurt und Koblenz arbeiten. Die haben praktisch keinen Kontakt zu unserer Zentrale in Köln. Ich möchte wissen, wie es ihnen geht, was sie beschäftigt. Läuft es mit den Gästen? Läuft die Gastronomie? Die KD hat aber auch zahlreiche wichtige Partner an Land, Bürgermeister, Touristiker – da gibt es viele Gespräche. Und der Rest ist klassische Büroarbeit.

    Ist es schwierig, Chef einer solchen Reederei zu sein?

    Nein. Es ist schön, mit meinem Team zusammen an unserem Produkt zu arbeiten. Ich habe jeden Tag die Chance, etwas zu verändern, wenn es mir oder den Gästen nicht gefällt. Das ist toll. Schwierig ist es nur, wenn ich unangenehme Entscheidungen zu treffen habe. Wie im vergangenen Jahr, als einer unserer Schiffsführer mit der "MS Asbach" angetrunken einen Unfall verursacht hat. Da gab es keine andere Wahl als die fristlose Kündigung.

    Mit Verlaub, wer sein Schiff "MS Asbach" nennt ... Auf der "MS Granini" wäre Ihnen das nicht passiert!

    Ja, ja, wer den Schaden hat ... (grinst). Aber im Ernst: Trotz aller wichtiger Marketingideen, Sicherheit für unsere Fahrgäste ist immer noch oberstes Gebot. Wir haben ja auch die "MS Loreley" – mehr regionale Verbundenheit geht nicht. Sie ist übrigens mein Lieblingsschiff. Ich war ja viele Jahre Leiter der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, und die "Loreley" ist immer unser Flaggschiff bei "Rhein in Flammen". Da hängen viele schöne Erinnerungen dran.

    Hatten Sie als Schüler schon den Wunsch, einmal Chef zu werden? Haben Sie immer gern andere herumkommandiert?

    (lacht auf) Nein, ich glaube, dass ich eher zu den Chefs gehöre, die auf das Team setzen. Ich höre gern viele Meinungen, das bringt uns voran. Natürlich entscheide ich am Ende, aber der Weg dahin ist sehr gemeinschaftlich. Bislang hatte ich immer das Glück bei meinen verschiedenen Stationen, damit viel umsetzen zu können.

    Waren Sie Schiffsfan als Kind?

    Ich erinnere mich an einen Ausflug, den ich mit meinen Eltern nach Köln unternommen habe. Es gibt ein Foto: Da stehe ich als Knirps von fünf Jahren vor dem Schiff "Willi Ostermann". Ein Schiff mit diesem Namen gibt es heute noch! Auch wenn es einem Mitbewerber gehört: Da geht mir jedes Mal das Herz auf, wenn ich es sehe. Bei mir ist aber die Liebe zum Rhein größer als die Liebe zum Wasser allgemein. Wenn ich ins Mittelrheintal hineinfahre – das ist ja wie ein aufgeklapptes Bilderbuch.

    Warum sind Sie in den Tourismus gegangen?

    Das war eher eine Zufallsbekanntschaft. Ich habe nach Schule und Zivildienst ein Bauingenieurstudium begonnen – mir war aber nach sechs Wochen klar: Das ist ein Fehlgriff. Ich wollte in die Richtung Raum- und Regionalplanung gehen: Wie kann man eine Landschaft optimal entwickeln? Das interessierte mich. Und der richtige Weg war dann die Geografie, die man in Aachen mit Wirtschaft kombinieren konnte. Mir war klar, dass ich nicht Erdkundelehrer werden würde, sondern der Schwerpunkt Wirtschaftsgeografie mit Tourismus plus VWL mein Weg werden würde. Damit hatte ich meinen Weg gefunden.

    Ihr Wunsch in der zehnten Klasse?

    Die elfte Klasse zu schaffen! (lacht) Damals hatte ich überhaupt keine Ahnung von meinem Berufsleben. Ein paar gute Freunde sind nach der Zehn abgegangen, die wussten ganz genau, was sie machen wollten. Ich überhaupt nicht. Ich war sehr froh, dass ich nach dem Abi noch 20 Monate Zivildienst machen konnte – so hatte ich Zeit, mir zu überlegen, wohin die Reise gehen soll.

    Wie würden Sie Ihre heutige Zielgruppe beschreiben, die an Bord Ihrer Schiffe kommt?

    Die ist ganz schwer unter einen Hut zu kriegen. Wir sprechen sowohl jedes Alter an – Familien mit kleinen Kindern, Senioren, junge Leute auf unseren Partyfahrten in Köln -, als auch viele verschiedene Nationen. Und die Menschen erwarten auch unterschiedliche Dinge: Die einen wollen die Landschaft genießen und die Loreley sehen, die anderen möchten unterhalten werden. Da müssen wir sehr vielschichtig denken. Auch was das gastronomische Angebot angeht. Mal haben wir Sterneküche an Bord, regionale Weine ...

    ... und mal einen "Subway".

    Ja, der ist der Tatsache geschuldet, dass die "MS Stolzenfels" um 9.15 Uhr in Rüdesheim abfährt. Das ist die klassische Rennstrecke für unsere asiatischen Gäste. Die haben meistens in Frankfurt übernachtet, waren schon in Rüdesheim, kommen an Bord und fahren bis zur Loreley. Auf diesen zweieinhalb Stunden kann man kein großes Frühstücksangebot machen. Dafür haben wir den "Subway", der ist international, den kennen die Gäste, und das funktioniert gut. Auf anderen Strecken oder anderen Schiffen würden wir das nicht machen.

    Stellen die japanischen Gäste den größten Teil?

    Wir haben rund 1,5 Millionen Passagiere pro Jahr, 40 Prozent ausländische und 60 Prozent einheimische Gäste. Von den ausländischen Gästen stellen die Japaner den größten Anteil, ja. Aber der chinesische Markt holt stark auf.

    Können Sie Japanisch?

    Nein. (lacht) Unsere Durchsagen an Bord können Japanisch.

    Aber haben Sie schon Seefahrersprüche gelernt?

    Sie meinen die "Handbreit Wasser unterm Kiel"? Nein, ich habe keine Sprüche gelernt. In meinem Freundeskreis höre ich immer wieder den lustigen Spruch: "Ah, du bist ja jetzt Kapitän." Das würde ich mir nie anmaßen. Kapitän zu sein, das ist eine so herausfordernde und schwierige Arbeit. Niemals im Leben würde ich mir eine Kapitänsmütze oder eine Uniform anziehen. Gut, in meinem Umfeld macht man jetzt den Bootsführerschein. Offenbar gehört das dazu, wenn man mit 50 Jahren in die Midlife-Crisis kommt. (grinst) Wenn ich denn mal einen Bootsführerschein habe, dann werde ich wohl auch mal "Ahoi" sagen. Aber ansonsten heißt es: "Schuster, bleib bei deinen Leisten." Ich weiß, wo ich herkomme, was ich gelernt habe und was ich kann und was nicht. Ich bin definitiv kein Nautiker. Dafür haben wir aber hervorragende Mitarbeiter, die genau das können.

    Wie viel Handbreit Wasser brauchen Sie denn wirklich unterm Kiel?

    Definitiv nicht viel mehr als eine Handbreit! Das haben wir im vergangenen Jahr beim extremen Niedrigwasser gemerkt. Die Kollegen haben modernste Technik und können genau sehen, ob sie noch fahren und anlegen können. Mindestens 20 Zentimeter Wasser brauchen wir unterm Kiel, man weiß ja auch nicht genau, wie der Boden beschaffen ist. Und wenn wir Grundberührung haben, dann kann es echt teuer werden. Im vergangenen Jahr hatten wir ab Mai durchgehend Niedrigwasser. Dann müssen wir nach und nach die Orte aus dem Programm nehmen, wo wir nicht mehr anlegen können. Wenn das auch nichts hilft, dann tauschen wir irgendwann die Schiffe auf ihren Strecken. Die "Goethe" hat mit ihren Schaufelradkästen beispielsweise einen anderen Tiefgang als unsere "Loreley" – da haben wir uns wohler gefühlt, die "Goethe" in Köln einzusetzen und die "Loreley" am Mittelrhein. So ein Schaufelrad ist nicht gerade billig, da sind wir lieber vorsichtig.

    Nostalgiker-Frage: Früher fuhren Sie mit den riesigen "Wappen"-Dampfern und hatten mit dem "Rheinpfeil" ein Tragflügelboot am Start. Warum heute nicht mehr?

    (schmunzelt) Eine "Wappen" war ein klassisches, großes Salonschiff. So ein Schiff wäre heutzutage nur an wenigen Tagen am Mittelrhein auszulasten und für die verschiedenen Ansprüche unserer Zielgruppen zu unflexibel. Ansonsten fahren wir mit Kapazitäten von 200 bis 800 – damit sind wir gut aufgestellt. Und man muss heute für Veranstaltungen vielfältiger und auch interessant für Charterkunden sein. Deshalb bauen wir heutzutage eher Eventschiffe. Der "Rheinpfeil" würde auch nicht mehr zu uns passen: Wir werben damit, für Genuss und Entschleunigung zu stehen. Da können wir nicht mit 70 Sachen über den Rhein brettern, und die Leute holen sich die Schläge ab, wenn das Schiff über die Wellen springt.

    Stimmt, komfortabel war es nicht. Aber cool!

    (lacht) Ich würde es auch noch mal gern machen! Aber der "Rheinpfeil" war auch verflixt wartungsanfällig. Der ist ja gefühlt öfter in der Werft als auf dem Wasser gewesen.

     

    Weitere Informationen:

    Achim Schloemer wurde 1966 in Baesweiler (bei Aachen) geboren. Nach dem Studium der Wirtschaftsgeografie und der Volkswirtschaft bis 1995 an der RWTH in Aachen folgte die Promotion im Jahr 2000. 1996 wurde er Geschäftsführer der Deutschen Weinstraße e.V. in Neustadt/Weinstraße, 1998 wechselte Schloemer zur Tourismus- und Strategieberatung ift Köln und beschäftigte sich dort mit dem Aufbau des Tourismusverbandes NRW, den er 2001 als stellvertretender Geschäftsführer verließ. Von dort erfolgte der Wechsel an die Spitze der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, die Schloemer bis 2014 führte. Produktinnovationen wie der Rheinsteig und Vernetzung der touristischen Partner waren dort Kernaufgaben. Seit Januar 2015 ist Schloemer Vorstand der Köln-Düsseldorfer, zuständig für Vertrieb, Marketing und Operation.

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