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Berlin/Köln

Zweiter Versuch: Gender-Talk bei Plasberg

Alpha-Männchen Frank Plasberg im Büßerhemd, das erlebt man auch nicht alle Tage. Aber am Montagabend war es soweit.

Hart aber fair
Moderator Frank Plasberg nahm mit seinen Gästen einen neuen Anlauf.
Foto: Jörg Carstensen – dpa

Noch nie sei eine «Hart aber fair»-Sendung «so verhauen worden» wie jene vom 2. März zum Thema Gleichberechtigung, räumte der Talkshow-Moderator gleich zu Beginn ein. Seine Konsequenz daraus: Einfach nochmal probieren.

Gleiche Gäste, gleiches Thema, zweiter Anlauf. Ob er denn wirklich so schlimm gewesen sei, erkundigte er sich zu Beginn bei Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Der schonte ihn nicht: «Sie wissen selber, wie Sie aufgetreten sind!» Das Thema Gender habe in der Sendung einen «albernen Touch» bekommen.

Schuldbewusst dokumentierte Plasberg die Fehlleistungen anhand kurzer Rückblicke: So hatte etwa ein Einspielfilm ausschließlich bizarre Auswüchse der Gender-Debatte vorgestellt, aber keine positiven Beispiele: «Ein redaktionelles Versäumnis von uns.» Die Folge waren so viele kritische Zuschauerreaktionen wie noch nie und zudem offizieller Protest von Frauenverbänden.

Zum Aufmacher-Thema für die «Bild»-Zeitung wurde die Sache allerdings erst, als der Westdeutsche Rundfunk die Sendung Monate später aus seiner Mediathek nahm. Zuvor hatte auch der Rundfunkrat bemängelt, die Auswahl der Gäste und die Gesprächsleitung seien der Ernsthaftigkeit des Themas nicht angemessen gewesen. Nach Zensur-Vorwürfen stellte der WDR die Sendung wieder online. Fernsehdirektor Jörg Schönenborn – der diesmal selbst mit am Tisch saß – stellte klar: «Es war ein Fehler, die Sendung aus der Mediathek zu nehmen.» Hofreiter drückte es vielleicht noch ein wenig treffender aus: Eine «ungewöhnlich ungeschickte Entscheidung», fand er.

Nachdem die Diskussion über die vorangegangene Sendung beendet war, räumte Schönenborn seinen Platz – offenbar um den Eindruck zu vermeiden, diesmal wache der Chef persönlich darüber, dass es nicht wieder schief gehe.

Die Diskussionen verlief dann in den bekannten Mustern und Bahnen: auf der einen Seite Netzfeministin Anne Wizorek und die neu dazu gekommene Frauenratsvertreterin Sybille Mattfeldt-Kloth, flankiert von Hofreiter, auf der anderen Seite der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki, Buchautorin Birgit Kelle («GenderGaga») und Schauspielerin Sophia Thomalla, der nach der letzten Sendung mangelnde Fachkompetenz vorgeworfen worden war. Sie blieb jedoch dabei: «Auch ich als «doofe Frau» (...) hab' das Recht, meine Meinung kund zu tun.»

Der Erkenntnisgewinn des neuerlichen Austauschs war erwartbar gering – und auch das Interesse eher mau: Nur 1,94 Millionen (6,2 Prozent) schalteten ein, ein schwacher Wert für die Reihe. Dennoch hat Plasberg gepunktet: Die Offenheit, mit der er sich der Kritik stellte und sie großenteils annahm, hat Seltenheitswert in den Medien – und nicht nur dort.

Nieder mit den Ampelmännchen

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