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    Zweiteiler «Die Grenze» – Fiktion und Provokation

    Hamburg (dpa) ­ 31. Mai 2010: Terroranschläge auf Öl-Raffinerien erschüttern die Menschheit. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wird abgesagt. In Deutschland gibt es kein Benzin mehr.

    Kurze Zeit später zerbricht im bitterarmen Mecklenburg-Vorpommern der soziale Frieden. Die Arbeitslosenzahl schießt in die Höhe. Geschürt von Propaganda stehen sich in Rostock Rechte und Linke in einer Art Bürgerkrieg gegenüber. Als die Linkspartei die Landtagswahl gewinnt, spaltet sich das Bundesland als Deutsche Sozialistische Republik Mecklenburg-Vorpommern ab.

    Was wäre, wenn Deutschland wieder geteilt würde? Diesem Szenario folgt der zweiteilige Thriller «Die Grenze», der am 15. und 16. März (jeweils 20.15 Uhr) bei Sat.1 läuft. Christoph und Friedemann Fromm haben das Drehbuch geschrieben, basierend auf einer Idee von Teamworx-Produzent Nico Hofmann, der sich vor etwa drei Jahren fragte: «Was passiert, wenn das soziale Gefälle immer stärker wird? Ist Deutschland verführbar, wenn ein Messias im weißen Gewande an die Menschen herantritt? Kann es so etwas wie eine kleine DDR geben, und kann sich so ein Bundesland abspalten?» Ein Verfassungsrechtler, der das Filmteam beraten hat, habe Letzteres bejaht, sagt Hofmann.

    Der Film von Regisseur Roland Suso Richter ist nicht nur fiktiv, er ist im höchsten Maße provokativ: Die Rechtspartei DNS (Deutsch, National, Stolz) verführt in Gestalt des aalglatten Maximilian Schnell (Thomas Kretschmann) die Massen. Die Linke ruft mit ihrem berechnenden Spitzenkandidaten Franz Geri (Jürgen Heinrich) und dem eifernden Nostalgiker Erich Manz (Uwe Kockisch) die Neue Nationale Volksarmee aus. Die Bundeskanzlerin – Katja Riemann glänzt mit Merkel-Blazer und Hillary-Clinton-Frisur – wählt das kleinere Übel und unterstützt aus der Ferne heimlich die Sozialisten.

    Lösen soll die Staatskrise der arbeitslose Werbeprofi Rolf Haas (Benno Fürmann), ins Feld geschickt von der Verfassungsschutz-Agentin Linda Jehnert (Anja Kling). Der Held des Films muss sich dabei auch mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, denn Schnell – der frappierend an den österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider erinnert – war einmal sein Freund und Nadine Manz (Marie Bäumer), Tochter des «Guerilla»-Sozialisten Erich, seine Liebe.

    Fürmann, der mit Richter schon die «Bubi Scholz Story» gedreht hat, war begeistert vom Stralsunder Ozeaneum, das im Film als Machtzentrale der Rechten diente, und fasziniert von dem gedanklichen Experiment. Aber: «Selbst wenn man sich eine gerechtere Welt abseits des Kapitalismus vorstellt, sehe ich das nicht aktuell, dass ein Bundesland alleine als kleines Schiffchen auf das Fahrwasser raussegelt ohne den großen schützenden Bau Bundesrepublik Deutschland, der in den letzten Jahren das Mutterschiff gewesen ist. Aber die Idee ist halt spannend. Und die Frage: Wie benutzen politische Demagogen eine Krisensituation?»

    Für die Schauspieler war es nicht so einfach, sich dem Film zu nähern. Anja Kling sagt, sie habe Angst gekriegt, als sie das Drehbuch zum ersten Mal las. Uwe Kockisch war sich nicht sicher, ob er diese Reise in die Zukunft, die Anleihen in der Vergangenheit nimmt, mitmachen will. Auch Jürgen Heinrich hat Ost-Erfahrung. Richter sagt, es war ihm wichtig, dass bestimmte Figuren mit Darstellern besetzt sind, die die DDR kennen. «Das ist das, worauf ich mich als Regisseur verlassen muss: Ich habe es nicht erlebt. Ihr müsst mir helfen und zeigen, wie ihr das empfunden habt und was da emotional hochkocht.»

    Richter hat immer noch Magengrummeln, wenn er an die Dreharbeiten denkt. Er hat den Film «widerborstig» genannt und eine Zicke. Krankheiten, Regen, Orkan und Beziehungsprobleme bei Hauptdarsteller Kretschmann machten die Arbeit am Set an manchen Tagen schwierig. Richter selbst erkrankte am Pfeiffer'schen Drüsenfieber. Einen besonderen Auftrag neben der Unterhaltung sieht er nicht in dem Thriller. «So ein Film ist dafür da, dass ihn viele gucken, sonst muss man ihn nicht machen», sagt er, und mit Blick auf die Einschaltquoten: «Ich würde mir wünschen, dass wir sieben plus kriegen» – soll heißen: mehr als sieben Millionen Zuschauer.

    Sat.1 macht aus der TV-Premiere ein «Event». Nach Teil eins des Films folgt am Montag (15.3.) um 22.15 Uhr die Dokumentation «Die Grenze – Gefahr für unser Land» über die rechtsextreme Szene in Deutschland. Am Dienstag (16.3.) gibt es um 22.25 Uhr ein «Kerner Spezial». Der Talkmaster Johannes B. Kerner diskutiert unter anderen mit den Schauspielern Marie Bäumer und Jürgen Heinrich, dem Staatsrechtler Professor Ulrich Battis und Ex-Boxprofi Axel Schulz.

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