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    Baikonur

    Traum wird wahr: Deutscher Astronaut Alexander Gerst fliegt zur ISS

    Der deutsche Astronaut Alexander Gerst fliegt heute für eine etwa halbjährige Mission zur Internationalen Raumstation ISS. Eigentlich bewarb sich der Geophysiker nur „versuchsweise“ bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa.

    Wenn an diesem Mittwoch die Sojus-Triebwerke zünden und die Trägerrakete von der kasachischen Steppe Richtung Internationale Raumstation ISS abhebt, erfüllt sich für Alexander Gerst ein Kindheitswunsch. „Manchmal wache ich morgens auf und weiß nicht, ob ich das alles nur geträumt habe“, sagt der 38-Jährige. Als kleiner Junge weckte sein Großvater mit einem Amateurfunkgerät in ihm die Leidenschaft für ferne Welten.

    „Sobald ich auf etwas stoße, was ich nicht sofort verstehe, bin ich interessiert. Und der Weltraum ist eben das Größte um uns herum, das wir nicht verstehen“, sagt der Mann mit dem kahlgeschorenen Kopf.

    Gerst wird der elfte Deutsche im All sein - und nach Thomas Reiter und Hans Schlegel der dritte Deutsche auf der ISS. Auf den Beruf als Astronaut habe er nie gezielt hingearbeitet. „Ich hatte das aber immer als Alternative im Hinterkopf“, erzählt der am 3. Mai 1976 in Künzelsau (Baden-Württemberg) geborene Gerst. Die Bewerbung bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa sei „nur ein Versuch“ gewesen.

    „Natürlich wusste ich, dass die statistische Wahrscheinlichkeit, Astronaut zu werden, ziemlich gering ist“, räumt Gerst ein. Doch der Mann mit der athletischen Figur, der Fallschirmspringen und Fechten als Hobbys nennt, setzte sich gegen mehr als 8400 Konkurrenten durch. Seit drei Jahren wird er nun zum Astronauten ausgebildet. Nach dem Start in Baikonur soll er knapp sechs Monate lang auf der ISS als Bordingenieur arbeiten und mehr als 100 Experimente betreuen.

    Die zeitweise Trennung von seiner Freundin, die Physikerin ist, werde ihm schwerfallen, sagt Gerst. Auch anderes werde er sicher vermissen. „Wahrscheinlich die Alltagsdinge, die man da oben nicht hat. Mal 'nen Salat essen, mal duschen, mal draußen im Regen joggen, was mir sehr viel Spaß macht.“ Die Bezeichnung „Spezielle Wohngemeinschaft“ für die enge ISS gefällt ihm. „Ich hab im Studium 15 Jahre lang in WGs gewohnt. Und das ist kein schlechter Vergleich: Man hat Regeln, man verteilt die Arbeiten, hat auch mal ein Missverständnis oder verschiedene Ansichten - das muss man klären.“

    Bisher waren Raumfahrer oft Kampfflieger oder Ingenieure, weil ihnen Technik naheliegt. Gerst kommt aus der Wissenschaft. Er hat in Karlsruhe Geophysik studiert und forschte an der Universität Hamburg. „Wenn das mit der Bewerbung als Astronaut nicht geklappt hätte, wäre ich wohl nach Alaska gezogen, um Vulkane zu erkunden“, sagt er. Für seine Doktorarbeit über den antarktischen Vulkan Mount Erebus harrte er sechs Wochen lang bei minus 45 Grad Celsius aus. „Dort habe ich erstmals erlebt, was Einsamkeit wirklich bedeutet“, erinnert er sich.

    Früher schickte die Raumfahrt nur Familienväter ins All, weil diese angeblich verantwortlicher entscheiden - zu Hause wartet ja jemand. Gerst ist kinderlos und unverheiratet, leichtsinnig ist er nicht. „Jeder Mensch kennt Angst unter bestimmten Bedingungen. Es ist daher wichtig, Respekt vor möglichen Notfallsituationen zu haben und gut vorbereitet zu sein“, sagt Deutschlands nächster Mann im All.

    Er gilt als außerordentlich sportlich sowie wissenschaftlich gut gebildet. Entscheidend sei aber der Charakter, betont das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Gerst könne gut mit Menschen umgehen, sei ein Teamarbeiter und Kommunikator.

    Der Wissenschaftler ist überzeugt vom Sinn und Zweck der bemannten Raumfahrt - und will auch andere davon überzeugen. „Der Blick von außen verdeutlicht die Verletzlichkeit der Erde“, sagt der leidenschaftliche Fotograf. „Letztendlich ist unser Planet nur eine Kugel aus Stein, ein kleiner blauer Punkt im All - mit uns als Passagieren. Insofern sind wir alle eigentlich Astronauten.“

     

    Die Sojus-Rakete mit Gerst sowie dem Russen Maxim Surajew und dem US-Amerikaner Reid Wiseman soll um 21.57 Uhr MESZ vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abheben.

    Rund sechs Stunden später ist das Andocken am Außenposten der Menschheit geplant. Gerst hatte sich in einem Auswahlverfahren der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) gegen mehr als 8000 Mitbewerber durchgesetzt. Auf der Raumstation soll der 38-jährige Geophysiker aus Künzelsau in Baden-Württemberg zahlreiche Experimente betreuen.

    Gerst ist insgesamt der dritte Deutsche auf der ISS und der elfte Deutsche im All. Als erster Deutscher war Siegmund Jähn 1978 von Baikonur aus zur sowjetischen Raumstation Saljut 6 geflogen.

    Die Internetseite von Alexander Gerst

    ISS-Seite des DLR

     

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