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Weimar

Tatort-Preview: Wenn Mord zur Nebensache wird

Groteske Charaktere, Sprachwitz, eine liebevolle Personenzeichnung – all das hat „Der kalte Fritte“, der neue „Tatort“ aus Weimar. Aber neu ist das nicht. Mit seinem sympathisch-ungleichen Ermittlerduo und Paar, Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen), sowie schrägen Täter-Opfer-Konstellationen wartet der Krimi aus der Goethe-Stadt seit der Erstausstrahlung 2013 auf.

Zwar kommt Action im neuen „Tatort“ nicht zu kurz, interessanter ist jedoch sein Erzähldreh: Es geht auch um fragile Vaterlegenden. Foto: Anke Neugebauer
Zwar kommt Action im neuen „Tatort“ nicht zu kurz, interessanter ist jedoch sein Erzähldreh: Es geht auch um fragile Vaterlegenden.
Foto: Anke Neugebauer

Redakteurin Melanie Schröder hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Ihr Urteil: Autor Murmel Clausen baut eine interessante Klammer, um einen bisweilen trägen Fall

Für den hohen Wiedererkennungswert sorgen neben Ulmen und Tschirner der Provinzcharme und das Gemauschel in der Kleinstadt. Neu ist dabei: Comedyautor Murmel Clausen („Schuh des Manitu“) wurde erstmals allein das Drehbuch überlassen. Vielleicht pendeln sich die vielen Gags, verkappten Redensarten und zwischenmenschlichen Neckereien daher zwischen okay bis wirklich witzig ein, vielleicht ist der Fall deswegen irgendwie unspannend, teils verworren.

Es geht um Grundstücksspekulation. In Weimar soll ein Goethe-Geomuseum gebaut werden – verschiedene Standorte stehen dafür zur Auswahl. Das erste Mordopfer, der Milliardär Alonzo Sassen, stellte der Stadt eine attraktive Lage in Aussicht. Das Motiv liegt somit augenscheinlich auf der Hand: Ein Konkurrent sollte aus dem Weg geräumt werden. Ins Zentrum der Ermittlungen rückt das Brüderpaar Martin und Fritjof Schröder, Letzterer auch „Fritte“ genannt. Beide wollen ebenfalls ein Grundstück an die Stadt abtreten – und abkassieren. Als dann der Vorsitzende der Jury, Prof. Bock von der Bauhaus-Universität, tot aufgefunden wird, ver(w)irrt sich der Fall zunehmend. Nervenkitzel kommt zwar nicht richtig auf, dafür sind aber die Nebenschauplätze interessant. Denn auf diesen verhandeln drei Generationen von Kindern im Subtext mit ihren Vätern.

Da wäre zum einen der Sohn von Dorn und Lessing. Er soll psychische Auffälligkeiten zeigen, weswegen die Kindergärtnerin zur Sprechstunde bittet. Lessing spekuliert im Voraus, was das Problem sein könne, und kommt zu dem Schluss, dass vermutlich eine Hochbegabung des Jungen nicht erkannt wird und man ihn deshalb zum Sonderling deklariert. Ganz so, wie es Lessing selbst in seiner Kindheit erlebte.

Das zweite Kind ist die junge Erwachsene Simone Schröder (Paula Kroh). Im Lauf der Geschichte wird sie mit einer Vaterlüge kämpfen, denn ihr Vater scheint gar nicht der biologische zu sein oder doch? Schließlich reiht sich Kommissariatsleiter Kurt Stich (Thorsten Merten) in den Reigen der auffliegenden Vaterlegenden ein. Er kann nicht umhin, die wahre Identität seines Vaters Udo (Hermann Beyer) zu enttarnen. Denn die Biografie, die er für die seines alten Herren hielt, stellt sich ebenso als fantastische Dichtung heraus.

Interessant wird diese Erzählklammer einmal musikalisch eingebettet – mit Klaviermusik von Robert Schumann – genauer gesagt einigen Sekunden aus „Kinderszenen“. Der Zyklus aus 13 kurzen Klavierstücken ist jedoch keineswegs Musik für Kinder, sondern solche, die Älteren die Rückschau auf die Kindheit ermöglicht. Schumann erklärte dazu, es handele sich um „Rückspiegelungen eines Älteren für Ältere“. Dass das Werk den Geist eines Kindes einfange, meinte zudem Komponist Franz Liszt. Etwa jene kindliche Naivität, die berührt, aber auch jene scharfsinnige Fragen, die in Verlegenheit bringen. Auch der „Tatort“ konfrontiert seine Figuren mit ihrer Naivität, setzt sie zudem allesamt verlegen machenden Situationen aus. Diese leisen Töne sind bemerkenswert.

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