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Tatort-Preview: Tätersuche trotz Mangel an Beweisen

Hilko Röttgers

Mit der Beweisführung ist das so eine Sache. „Erst, wenn’s aus ist, wird’s gefährlich“, raunt Bibi Fellner und meint damit das Mobiltelefon des mutmaßlichen Mörders. Der schaltet nämlich konsequent sein Handy aus, bevor er zur Tat schreitet. Wäre ja auch blöd, wenn’s beim Killen plötzlich klingelt – von den ganzen Daten, die diese Dinger in der digitalen Welt hinterlassen, mal ganz zu schweigen.

Suchen einen mehrfachen Mörder: Bibi Fellner und Moritz Eisner. Foto: ARD Degeto/ORF/E&A Film/Hubert Mican
Suchen einen mehrfachen Mörder: Bibi Fellner und Moritz Eisner.
Foto: ARD Degeto/ORF/E&A Film/Hubert Mican
Redakteur Hilko Röttgers hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: Nicht ganz schlüssig, aber dennoch gute Unterhaltung aus Wien.

Dank dieser Daten jedenfalls sind Fellner (Adele Neuhauser) und ihr Kollege Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) dem Handy des Mörders auf der Spur. Und als sich bei einem der überprüften Apparate nur die Mailbox meldet, steht für die Ermittler fest, dass die nächste Bluttat im Gange ist. Das ist freilich ein etwas voreiliger Schluss. Der Besitzer des Mobiltelefons hätte ja auch in ein Funkloch geraten sein oder vergessen haben können, den Akku des Geräts zu laden. Oder er wollte aus einem ganz anderen guten Grund nicht gestört werden. Bloße Nichterreichbarkeit ist aber noch nicht kriminell, auch wenn manche Menschen das im Smartphone-Zeitalter so sehen mögen.

Die Erbsenzähler unter den „Tatort“-Fans können sich über die nachlässige Beweisführung im neuen Fall aus Wien nun zu Recht ärgern. Oder darüber diskutieren, ob man den Täter nicht auch anders hätte ermitteln können. Wer mit der Folge hingegen etwas nachsichtiger ins Gericht geht, darf sich über einen unterhaltsamen Krimiabend freuen.

Denn „Die Faust“, so der Name der Episode (Regie: Christopher Schier, Buch: Mischa Zickler), hat durchaus ihre Momente. In Wien geht ein Serienmörder um, der seine Opfer schändet und die Leichen zur Schau stellt. Handelt es sich etwa um Ritualmorde? So auffällig die Inszenierung der Tatorte sein mag, so dürftig ist dort die Spurenlage. Verwertbare Hinweise finden die Ermittler nicht. Der Mörder macht nicht nur sein Handy aus, er streift sich, bevor es zur Sache geht, auch noch einen Ganzkörperanzug samt Infrarotbrille und Mundschutz über, um keine DNA-Spuren zu hinterlassen. Die Aufmachung hat Gruselpotenzial.

Und dann sind da die Opfer. Hat der Killer sie zufällig ausgewählt? Oder gibt es zwischen ihnen eine Verbindung? Dass die Dinge anders liegen, als es anfangs den Anschein hatte, darf man von einem guten Krimi erwarten. Welche neue Dimension der Wiener „Tatort“ bekommt, ist aber sehenswert.

Etwas Neues soll es übrigens auch im Wiener Polizeiapparat geben: die MK2 – eine zweite Mordkommission, für die ein Leiter gesucht wird. Oder eine Leiterin, wie Bibi Fellner mit Nachdruck feststellt. Und natürlich spielt sie mit dem Gedanken, sich für diese Position zu bewerben – was das Verhältnis zu Kollege Eisner auf die Probe stellt.

Die Hauptfiguren mit nachvollziehbaren Motivationen und Konflikten auszustatten, das bekommen sie beim Wiener „Tatort“ wieder einmal richtig gut hin. Das ist ein Grund mehr, warum es Spaß macht, Moritz Eisner und Bibi Fellner in ihrem inzwischen 18. gemeinsamen Fall zuzuschauen.

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