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Bremen

Tatort-Preview: Stedefreund und die Dämoninnen

In der Welt solch starker Frauen hat es selbst einer wie Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) schwer: Als er nach dem Sex mit seiner neuen Freundin, der BKA-Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram), friedlich vor sich hinschlummert, drückt sie ihm die Nase so lang zu, bis er panisch aufwacht. Ein bisschen Thrill, wenig Romantik, okay, sagt Stedefreund ihr, aber wenigstens ein bisschen Sinnlichkeit, das wäre doch schön. Romantische Männer, gnadenlose Frauen. Der neue „Tatort“ aus Bremen, „Zurück ins Licht“, spielt mit den klassischen Geschlechterklischees. Und Oliver Mommsen läuft in diesem Fall zu männlicher Höchstform auf.

Stedefreund macht sich nackt: Ist es doch mehr als nur eine flüchtige Beziehung zwischen dem Hauptkommissar und der Kollegin Selb vom BKA?
Stedefreund macht sich nackt: Ist es doch mehr als nur eine flüchtige Beziehung zwischen dem Hauptkommissar und der Kollegin Selb vom BKA?

Unser Redakteur Christian Kunst hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: ein spannender Krimi mit psychologischem und erotischem Tiefgang.

Denn auch der aktuelle Fall dreht sich um eine dämonische Frau, eine Femme fatale, aufreizend, kalkuliert, extremst ehrgeizig, magisch. Eine Sirene, wie eine andere Frau sie nennt. Nadeshda Brennicke spielt die Pharmareferentin Maria Voss auf atemraubende Weise – nicht eindimensional verführerisch, was sie stets beherrscht, sondern in all ihren Brüchen, die langsam zum Vorschein kommen. Voss ist die Ex-Kollegin eines insolventen Pharmahändlers, dessen abgetrennten Finger Stedefreund und seine Kollegin Inga Lürsen (Sabine Postel) finden. Die Frau des Händlers, Judith Bergener, behauptet, dass er sich nach der Pleite seines Unternehmens vor etwa einem Jahr einfach abgesetzt hat. Burn-out.

Die Kommissare finden heraus, dass Pharmareferentin Voss die Letzte war, die Kontakt zu dem Toten hatte. Sind sich die beiden beruflich in die Quere gekommen? Hatten sie eine Liaison? Dann wird die Leiche des Toten gefunden. Der Täter hat an der Leiche ein Andenken hinterlassen. Wurde er Opfer eines Triebtäters oder von jemandem, der ein emotionales Verhältnis zu dem Toten hatte?

Lürsen und besonders Stedefreund, der in diesem „Tatort“ eine tragendere Rolle spielt, halten sich nicht mit der Suche nach Alibis und Zeugenaussagen auf. Sie forschen vor allem nach möglichen Motiven. Welche Rolle etwa spielt der Mann von Maria Voss? Mordete er aus Eifersucht. „Ich würde für meine Frau alles tun“, sagt er zu Lürsen.

Die Frau in Rot:  Maria Voss (Nadeshda Brennicke)
Die Frau in Rot: Maria Voss (Nadeshda Brennicke)
Foto: Radio Bremen/Mic
Vor allem zieht Maria Voss den Zuschauer in ihren Bann – und Stedefreund, den sie mit allen Mitteln der Verführungskunst bezirzt. Das geschieht nicht nur auf der profanen körperlichen Ebene, sondern oft subtil. „Sie wollten auch mal mehr als das hier“, ist einer der ersten Sätze, den sie zu Stedefreund sagt. Voss spielt mit den Sehnsüchten ihrer Kollegen, der Männer. Und Vorsicht: Da ist dieser „Tatort“ oft hemmungslos offen. Schließlich hat der produzierende Sender Radio Bremen eine lange Historie, Tabus im TV zu brechen. Nackte Haut, unter anderem von Stedefreund, ist da nur ein Element. Nicht jedem Zuschauer wird das schmecken. Ist das nötig?

Foto: frei

Voss will immer wieder zurück ins Licht – wie damals, als sie nach einem schweren Verkehrsunfall von den Ärzten aufgegeben worden war, im Rollstuhl saß. Doch ihr gelang das Wunder. Irgendwann lief sie wieder, konnte als Pharmareferentin alle Verkaufsrekorde brechen. Dafür tut sie alles. Geht sie auch über Leichen?

In diesem „Tatort“ mutieren die Frauen zu Ungeheuern – hier die gefühlsarme BKA-Frau, in ihrer stenografischen Sprache fast schon eine Karikatur, da die vor Ehrgeiz triefende, aalglatt-säuselnde Pharmareferentin, auch sie überzeichnet. Diese Frauenwelt ist knochenhart, doch in ihr wohnt auch eine bittere Tragik. Der Abgrund, der Fall ins Bodenlose ist immer nur einen Schritt entfernt. Gut, dass es da Männer zum Anlehnen gibt, Männer wie Stedefreund.

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