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„Tatort“-Preview: Kölner Ermittler auf Bauchnabelschau

Kein Improvisationstheater, keine Drohnenkameraflüge, keine Soundtrack-Fisimatenten: Der neue Kölner „Tatort“ kommt in der Regie von Sebastian Ko so gediegen und solide daher, dass es für von zahlreichen ästhetischen Experimenten der vergangenen Monate verschreckten Krimifreunde am Sonntag ein richtig schöner Fernsehabend nach alter Väter Sitte werden dürfte.

Redakteur Claus Ambrosius hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: Schenk und Ballauf ermittelten schon leidenschaftlicher – aber das wirkt menschlich.

Romantik geht anders: Die Frau des Verdächtigen (Lavinia Wilson) darf ihren Mann im Gefängnis besuchen.
Romantik geht anders: Die Frau des Verdächtigen (Lavinia Wilson) darf ihren Mann im Gefängnis besuchen.
Foto: ard

„Alte Väter“ ist ein gutes Stichwort: Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus Behrendt) sind in diesem „Tatort“ eifrig mit der Bauchnabelschau ihrer eigenen (Arbeits-)Beziehung beschäftigt. Und auch der neue Assistent Norbert Jütte (Roland Riebeling) scheint mit Blutdruckmessgerät und Eile-mit-Weile-Attitüde mehr mit seiner eigenen Work-Life-Balance beschäftigt zu sein als mit dem aktuellen Fall.

Dabei hat es der in sich: In einem Baggersee wird ein Auto entdeckt. Im Kofferraum: eine Leiche, garniert mit dem Gastauftritt eines lebenden Aals, der nahtlos an die berüchtigte Ekelszene seiner Spezies in Schlöndorffs Film „Die Blechtrommel“ von 1979 anknüpft.

Der Tote ist ein junger Mann namens Florin Baciu, seines Zeichens neuerdings Teilhaber eines Reifenhandels – ausgestattet mit besten Kontakten in die Tuning-Szene und auch kriminellen Zusatzarbeiten nicht abgeneigt. Die Spuren scheinen in die Werkstatt und zu einem verdächtigen Familienvater zu führen, der die Zuschauer in allerlei peinigende Szenen mit in die Erstaufnahme in Untersuchungshaft nimmt: So detailliert hat man das Umziehen, Duschen und schließlich auch den dreistündigen Besuch der Ehefrau samt anstaltseigenen Handtüchern und Kondomen noch nie miterleben dürfen/müssen. Und nicht nur der verdächtige Vater bleibt im Fokus, sondern seine ganze Familie mitsamt Gattin und Kindern: Auf diesem bedeutenden Nebenschauplatz wird ziemlich bedrückend auserzählt, wie Beschuldigungen und Verdächtigungen eine bis eben gerade noch vorbildliche und erfolgreiche Familie binnen Tagen in den emotionalen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abgrund reißen können.

Obwohl schon von Anfang an klar ist, wer noch außer dem Toten die Geschichte nicht überleben wird, ist das finale Zusammenspinnen der ruhig ausgelegten Handlungsfäden doch ziemlich überraschend und pointensicher. Und auch das Ermittlerpaar findet aus allzu offen ausgetragenen Gewissenskonflikten wieder heraus.

Doch warum das ganze Bespiegeln der eigenen Ermittlerkarriere, das Hinterfragen von vergangenen Jahren und vergebenen Chancen auf eine „normale“ Existenz und eine bürgerliche Familienexistenz, die nicht immer wieder durch Anrufe unterbrochen wird, die niemals etwas Erfreuliches bedeuten können? Hoffentlich wird aus diesem einmaligen Teamdurchhänger keine Dauerkrise: Dann würde sich „Mitgehangen“ als eine Art Antrag auf Altersteilzeit oder sogar Frühverrentung lesen lassen, und das nicht nur im Umfeld junger und ziemlich hipper „Tatort“-Teams anderswo.

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