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Lüneburg

Tatort-Preview: Grandioses Kammerspiel – Falke im Zwielicht

Kammerspiele haben eine lange Krimitradition, die in Deutschland den ersten Höhepunkt in den Durbridge-Straßenfegern der 60er-Jahre hatten. Bis heute bestechen sie durch die Wucht psychologischer Gefechte auf engem Raum. Besonders beliebt: die Verhörsituation. Der neue Falke-„Tatort“ von Regisseur Özgür Yildirim bespielt dieses Genre genial. Er erweitert dabei den Raum um Rückblenden auf den Fall, um den die Kombattanten im Verhörraum kreisen: der Hamburger Bundespolizist Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und der Lüneburger Polizeiobere Rehberg (Jörn Nebel).

Redakteur Christian Kunst hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: Ein ganz feiner Krimi, eine komplexe Geschichte in teils düsteren Bildern leicht erzählt.

Hat Thorsten Falke bei der Suche nach einem Kriegsverbrecher eine Frau erschossen? Foto: ARD
Hat Thorsten Falke bei der Suche nach einem Kriegsverbrecher eine Frau erschossen?
Foto: ARD
Der Fall gibt dem „Tatort“ eine ordentliche Würze, weil er mitten in die aktuelle Debatte um Flüchtlinge und Terrorismus hineinsticht. Eine aus dem Libanon geflüchtete Frau wird in einer leer stehenden Fabrik in Lüneburg erschossen. Es bleibt unklar, aus wessen Waffe die Kugeln abgeschossen wurden. Doch Falke und seine Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) haben genau dort einen Libanesen gesucht, der in Verbindung mit der Frau stand. Falke gerät unter Verdacht, weil er geschossen hat.

Deshalb sitzt er jetzt im Verhörraum mit Rehberg, der abwechselnd Falke und seine Kollegin in die Mangel nimmt. Beide verstricken sich in Widersprüche, erheben jedoch auch schwere Vorwürfe gegen die Lüneburger Kollegen, weil sie dort einen Maulwurf vermuten, der immer wieder Details ihres aktuellen Falls nach draußen trägt. Falke und Grosz sollen die Identität eines Libanesen überprüfen, der Mitglied einer Miliz im syrisch-libanesischen Grenzgebiet gewesen und an Massakern und Plünderungen an der Zivilbevölkerung beteiligt gewesen sein soll. Abbas Khaled alias Tarek Salam (Youssef Maghrebi) lebt scheinbar gut integriert in Lüneburg, spricht fast fließend Deutsch und hilft sogar einem Lehrer (Moritz Grove) bei Sprachkursen für Flüchtlinge. Als Falke im Klassenraum auftaucht, türmt er und entwischt der Polizei. Bei der Suche nach Khaled stoßen die Ermittler auf den Drogendealer Al-Shabaan (Marwen Moussa). Der betreibt eine Bar und tut dabei so, als gehöre ihm die Stadt und alles habe nach seinen Regeln zu laufen.

Falke, auch sonst nicht zart besaitet, brüllt in diesem Krimi herum, staucht die Lüneburger Kollegen zusammen, besonders Polizist Olaf Spieß, der früher mit Falkes Kollegin Grosz eine Affäre hatte und jetzt wieder mit ihr anbandelt. Falke scheint von Eifersucht gepackt zu sein. War Falke noch Herr seiner Sinne, als er in der Fabrik nach dem Libanesen suchte? Und seine Kollegin Grosz? Die ist durch einen Afghanistan-Einsatz traumatisiert und gerät wegen diverser Ermittlungsfehler ins Visier von Rehberg, der Grosz zunehmend in die Enge treibt. Was ist in der Fabrik tatsächlich passiert? Und wo ist der Libanese Khaled, nach dem immer noch gesucht wird?

Der Krimi spielt mit unterschiedlichen Realitäten – typisch für Verhörsituationen. Was darf der Zuschauer glauben, wenn er kurz nacheinander zwei Versionen des gleichen Vorfalls sieht? „Alles was sie sagen“ ist ein verzwickter, rasanter Krimi, zugleich sehr klassisch erzählt, mit starken Schauspielern und einem überraschenden Ende. Dranbleiben lohnt sich.
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