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Dresden

"Tatort"-Preview: Frauenpower und flotte Sprüche

Das Aus kam überraschend: Der MDR zog Simone Thomalla und Martin Wuttke als "Tatort"-Ermittlerteam nach sieben Jahren aus dem Verkehr. Am Sonntag (ARD, 20.15 Uhr) öffnet sich der Vorhang für die Nachfolger. Halt – korrekt muss es heißen: die Nachfolgerinnen. Denn erstmals in der Geschichte der TV-Krimireihe löst ein rein weibliches Team die Fälle im Osten: Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gornika (Karin Hanczewski), ergänzt um die junge Polizeianwärterin Maria Magdalena Mohr (Jella Haase).

Das Dresdner Ermittlerteam am Tatort im Zwinger (von links): Kommissarsanwärterin Maria Mohr (Jella Haase), Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Kommissarin Henni Sieland (Alwara Höfels) und Kommissar Peter Michael Schnabel (Martin Brambach). Foto: MDR
Das Dresdner Ermittlerteam am Tatort im Zwinger (von links): Kommissarsanwärterin Maria Mohr (Jella Haase), Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Kommissarin Henni Sieland (Alwara Höfels) und Kommissar Peter Michael Schnabel (Martin Brambach).
Foto: MDR

Kein Wunder, dass sich das Frauenthema wie ein roter Faden durch den gesamten ersten Fall zieht, der den Zuschauer zugleich mitten in die – wie man schnell lernt – verlogene Welt des Schlagers entführt. Drehbuchautor Ralf Husmann, der durch die Erfolgsserie "Stromberg" bekannt wurde, hat die beiden Oberkommissarinnen so angelegt, dass das Konfliktpotenzial auch in den kommenden Folgen so schnell nicht ausgeht: die eine alleinerziehend, die andere mit bisher unerfülltem Kinderwunsch, aber immerhin mit Partner.

Der Schauplatz ihres ersten Falls ist imposant: Der Dresdner Zwinger dient als opulente Kulisse für den Ort, an dem gerade für eine große Unterhaltungsshow geprobt wird. "Mein Sachsen, hier bin ich geboren, mein Sachsen, hier gehör‘ ich hin ..." – diesen volkstümlichen Text trällert eine junge Frau im bunten Dirndl, die kurz danach hinter der Bühne einen toten Kollegen findet. Ein Schock: Toni vom Schlagerduo "Toni und Tina" wurde ermordet.

Die eine Ermittlerin muss mal wieder ihren Sohn allein lassen, die andere sich aus dem Kinderwunschzentrum verabschieden – die Arbeit ruft, ein Mord ist aufzuklären. Sie lassen erst mal die Bühne sperren, verschaffen sich einen Überblick. Schnell lernen sie Tina kennen, für die scheinbar eine Welt zusammenbricht, und den langjährigen Manager Rollo, der wirkt, als hätte er einen Sohn verloren. Und dann ist da noch der Klischee-Ossi mit dem hässlichen Schnauzbart, dem abstoßenden sächsischen Dialekt und der versifften Plattenbauwohnung, der sich als zügelloser Schlagerfan keine Probe entgehen lässt. Verdächtigte gibt's jedenfalls genug; das heitere Ratespiel "Wer war's?" kann auf der sonntäglichen Fernsehcouch beginnen.

Viel mehr Spaß als das Mitraten machen die flotten Dialoge, die das Salz in der Dresdner "Tatort"-Suppe sind. Autor Ralf Husmann wäre nicht "Stromberg"-Erfinder, wenn er seinen Krimi nicht mit reichlich Wortwitz würzen würde. Und mit politisch Unkorrektem. Da darf Schlagertussi Tina solche Sätze sagen wie: "Das ist für mich wichtiger als die Friedensverhandlungen im Nahen Osten." Und der unbeherrschte Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) darf die Polizeianwärterin auch mal anschnauzen mit den Worten: "Sie haben keine Laktoseintoleranz, sondern eine Intelligenzintoleranz." Übrigens hat Husmann auch die eingängigen Schlagertexte selbst geschrieben – und einen Heidenspaß gehabt.

Redakteur Marcelo Peerenboom hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: Die Frauenpower hat was. Die flotten Dialoge ohnehin.

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