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Kiel

Tatort-Preview: Eine surreale Halligreise zu alten Sagen des Nordens

Selbst schuld: Nachdem Kommissar Borowski (Axel Milberg) seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) im verflixten siebten Jahr in die Wüste geschickt hat, muss er seinen 31. Fernsehfall, die Episode „Borowski und das Land zwischen den Meeren“, am Sonntagabend ganz ohne Kriminalassistentin durchstehen.

Redakteur Claus Ambrosius hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: Axel Milberg ohne Sibel Kekilli ist okay – mit war mir lieber.

Famke Oejen (Christiane Paul) wird von den Bewohnern Suunholts abgelehnt, Klaus Borowski (Axel Milberg) ist von ihr gehörig fasziniert.
Famke Oejen (Christiane Paul) wird von den Bewohnern Suunholts abgelehnt, Klaus Borowski (Axel Milberg) ist von ihr gehörig fasziniert.
Foto: NDR

Darauf hat das eigenwillige Nordlicht keine Lust, nicht zuletzt weil die Insel Suunholt, auf der die Mordermittlung laufen wird, eigentlich gar nicht zu seinem Zuständigkeitsgebiet gehört.

Weil aber überall gerade Not am Mann ist, macht sich Borowski ab auf die Insel – und auf zu einem betörend schön abgefilmten, in nebligen Wintertönen schwelgenden „Tatort“, der mit ruhigen Einstellungen in Naturbildern badet und sich nicht nur auf eine zunehmend blutigen Handlung verlässt, sondern auch auf zwei lyrische Leitmotive. Einmal auf Theodor Storms Novelle „Eine Halligfahrt“, die schon zu den Eingangsbildern zitiert wird und immer wieder auftaucht, ebenso auf Bertolt Brechts Lied „Erinnerung an die Marie A.“, genauer: dessen Vertonung nach einer alten französischen Melodie.

Zwischen Mord und Bettgeflüster spielen diese beiden Motive eine unerwartete Hauptrolle des unter Liebesverwicklungen startenden Falls: Eines Morgens findet Inselbewohnerin Famke Oejen ihren Geliebten Oliver Teuber tot in der Badewanne. Offiziell ist es bereits sein zweites Ableben: Als Mitarbeiter des Kieler Bauamtes war er Schlüsselfigur eines Bestechungsskandals – und während diesem vor Monaten verschwunden und für tot erklärt worden. Sein Versteck auf Suunholt erwies sich allerdings als wenig sicher – da hier hinter der Fassade biederer Normalität Abgründe nicht nur lauern, sondern auch zuschlagen.

Regisseur Sven Bohse („Verrückt nach Clara“, „Ku´damm 56“) setzt für sein „Tatort“-Debüt neben elegischen Naturaufnahmen und zahlreichen Drohnen-Vogelperspektiven vor allem auf Nahaufnahmen der ziemlich aufdrehenden Schauspieler: Axel Milberg darf den Borowski noch ein bisschen überheblicher als sonst anlegen, Christiane Paul als mysteriöse Geliebte Famke Oejen gibt die männerverschleißende Manisch-Depressive mit passender Wandelbarkeit.

Die auf mehreren Drehorten an Nord- und Ostsee eingefangene winterliche Nebelästhetik, gespickt mit gelegentlichen surrealen Traumszenen, passt gut zum Ungefähren, in dem dieser „Tatort“ den Zuschauer lange lässt und das selbst nach der Aufklärung des Falls noch bestehen bleibt. Längst nicht alle Fragen werden beantwortet. Etwa die, ob Borowski in der pfiffigen Inselpolizistin Maren Schütz womöglich seiner neuen Assistentin begegnet ist, deren Darstellerin Anna Schimrigk ein Gegenentwurf zur explosiven Sibel Kekilli wäre.

Was von diesem „Tatort“ bleibt, sind wertvolle Gewissheiten: So lernt man beispielsweise, dass Schweineställe ein Ort sind, den man im Zweifel- oder Verfolgungsfalle eher meiden sollte, vor allem wenn Fütterungszeit ist. Außerdem erweist es sich immer wieder aufs Neue, dass es sich im Nachhinein nicht lohnt, mit Zeuginnen ins Bett zu steigen. Wenn man der Anziehungskraft allerdings erlegen ist, sollte man in allen Liebesdingen peinlichst genau Wert darauf achten, stets den Kopf über Wasser zu behalten – und das keineswegs nur an Nord- oder Ostsee.

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